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Porträt: «Es gibt viele positive Zeichen»

Tanja Müller, die erste und einzige weibliche Verwaltungsrätin der Anicom AG, präsidiert den Regionalausschuss der Zentralschweiz.

Vor bald einem Jahr wurde Tanja Müller aus Ebersecken als erste Frau in den Verwaltungsrat der Anicom AG gewählt. Ein Novum im bis anhin von Männern dominierten Gremium. «Ich halte nichts von Frauenquoten. Eine Frau sollte aufgrund ihrer Fachkompetenz als gleichwertiges Mitglied geschätzt werden», sagt sie.

«Ich halte nichts von Frauenquoten.»

Tanja Müller zum Thema Gleichberechtigung

​Nahe am Konsumenten

Eine klare Ansage von Müller, welche eine kaufmännische Ausbildung in einer Bank absolviert hat, einen Abschluss im CAS Agrarrecht und einen Fachausweis als Finanzplanerin in der Tasche hat und schon immer wissen wollte, wie die Dinge hinter den Kulissen funktionieren. «Das Zusammenspiel verschiedener Faktoren ist sehr spannend und ermöglicht neue Sichtweisen», gerade deswegen sei der Austausch untereinander sehr wichtig, denn aus den Gesprächen heraus würden sich neue Ansätze und Perspektiven eröffnen, ist Tanja Müller überzeugt. Zusammen mit ihrem Mann bewirtschaftet die 44-jährige Mutter von zwei Kindern seit 2002 auf 22 Hektaren einen Betrieb mit Schweinemast, Piemonteser-Mutterkühen und Fischproduktion. «Da wir die Fleisch- und Fischprodukte aus unserer hofeigenen Metzgerei direkt vermarkten, sind wir sehr nahe am Puls des Konsumenten und wissen, wo der Schuh drückt.» Es sei zu spüren, wie die Konsumenten durch die tägliche Informationsflut und Schlagwörter wie Antibiotikaproblematik, Tierwohl, Massentierhaltung oder ähnliches sehr verunsichert seien. «Hier heisst es: dranbleiben und Aufklärungsarbeit leisten.»

«Viele Frauen interessieren sich nicht für ein entsprechendes Engagement.»

Tanja Müller, Bäuerin und Anicom-Verwaltungsrätin

Gleichberechtigung

Obwohl Tanja Müller als Frau im Verwaltungsrat der Anicom AG sehr gut aufgenommen wurde, werden der passionierten Joggerin die Grenzen der Gleichberechtigung in alltäglichen Situationen bewusst. Etwa wenn es darum gehe, jemanden aufzubieten, um eine defekte Maschine zu reparieren: Rufe die Frau an, werde sie vertröstet, rufe der Bauer selbst an, gehe das problemlos sofort. «Hier spielen noch die alten Mechanismen, früher hat der Bauer alles gemanagt, heute befinden wir uns in einem Strukturwandel, welcher erst langsam zu greifen beginnt. Es gibt jedoch viele positive Zeichen, dass die Geschlechterrollen-Thematik auf gutem Weg ist», so Müller und nennt beispielsweise Marlies Krummenacher aus Root, die erste Landi-Präsidentin in der Zentralschweiz. Grundsätzlich sieht die Präsidentin des Regionalausschusses Anicom den Grund für die tiefe Frauenbeteiligung in den Führungsgremien nicht in der Geschlechterproblematik. «Viele Frauen arbeiten auswärts oder interessieren sich schlichtweg nicht für ein entsprechendes Engagement, oder sie sind mit Kindern und Haushalt ausgelastet.»

Wo es brennt

In Anbetracht des Margen- und des stets über den Häuptern hängenden Kostendrucks findet es Tanja Müller in ihrer Rolle als Verwaltungsratsmitglied und Präsidentin des Regionalausschusses als dringlich, dass sowohl Produzenten als auch Kunden und Mitarbeiter nicht ausser Acht gelassen werden. «Denn es gibt vor allem ein Miteinander und es braucht alle, damit die ganze Kette eine Wertschöpfung hat. Das Wesentliche ist, dass man alle Marktteilnehmer miteinbezieht.» War früher die Käsi der Ort des Austausches, so seien es heute die Regionaltagungen und Versammlungen von landwirtschaftlichen Organisationen, die diese wichtige Funktion übernehmen, findet Müller. «Nirgendwo sonst trifft sich so viel Fachkompetenz an einem Ort, und gerade in unserer hektischen Zeit mit zunehmendem Druck auf die Landwirtschaft ist Austausch umso wichtiger.»

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