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Porträt: Eine viel gereiste Bäuerin ist angekommen

Sibylle Wallimann hat viel von der Welt gesehen. Jetzt erfüllt sie zuhause in Alpnach ihre verschiedenen Aufgaben mit Leidenschaft.

Während der Anreise zu Haus und Stall Büntli in Alp­nach OW wird sofort klar, die Lage dieses Betriebs ist traumhaft. Über das Kulturland ergibt sich die freie Sicht auf den Alpnachersee, der Teil des Vierwaldstättersees ist. Von rechts, aus dem ­Garten, schleicht sich eine rote Tigerkatze an. Sie holt sich eine Streicheleinheit.

Das «Reisefüdli»

Die Bäuerin Sibylle Wallimann lädt ihren Besuch von der BauernZeitung an diesem verhangenen Morgen in die Küche ein. Sie ist in Alpnach aufgewachsen. «Ich habe immer gewusst, ich gehöre hierher nach Alpnach», meint sie. Als zweites von vier Kindern wird sie in eine Arbeiterfamilie geboren. Die Familie lebt ein einfaches, ruhiges Leben. Nach den obligatorischen Schuljahren macht Sibylle Wallimann im Nachbardorf die KV-Ausbildung. Gleich danach, mit 20 Jahren, verabschiedet sich die junge Frau für ein halbes Jahr von ihrer vertrauten Umgebung. Sie leistet einen Au-pair-Einsatz in Amerika. Mit dieser ersten grossen Reise öffnet sich für sie ein weites Fenster in die Welt hinaus.

«Ich habe immer gewusst, ich gehöre hierher.»

Sibylle Wallimann zu ihrem Heimat- und Wohnort

Die Zeit «ennet dem Teich» prägt sie in verschiedener Hinsicht. Auf der einen Seite erlebt sie grosse gesellschaftliche Gegensätze. Sie selber wird von ihren Gasteltern sehr geschätzt und zu einer selbstbestimmten Zukunft animiert. Durch diese Menschen realisierte sie auch, dass ihr in der Schweiz wirklich alle Türen offenstehen, wenn sie nur will. Gestärkt mit diesen ­Eindrücken und Erfahrungen wächst in ihr das Bedürfnis nach noch mehr. Mit einer Kollegin, die sie während der KV-Lehre kennengelernt hat, beschliesst sie, jeden Kontinent zu bereisen. Dies tun sie im Verlauf der Jahre. Sibylle Wallimann arbeitet jeweils im Büro als Export-Sachbearbeiterin, bis sie sich wieder eine Reise leisten kann. Auf diese Weise nutzt sie ihre Fremdsprachenkenntnis täglich. Gesamthaft ist die 53-Jährige zwei Jahre unterwegs. Danach stellt sich Ruhe ein. Sie spürt, jetzt ist es gut.

Die Reisende wird sesshaft

Mit 26 Jahren lernt Sibylle Wallimann ihren Meinrad kennen. Ein Alpnacher. «Es ist interessant, aber bis dahin sind wir uns nie begegnet», meint sie augenzwinkernd. Nun planen sie eine gemeinsame Reise. Meinrad ist an Neuseeland interessiert. Diese grosse Reise bleibt die einzige, die sie zusammen unternehmen. Es ist die Letzte für die Bäuerin. Ihr Interesse am «Verreisen» ist definitiv gestillt. Mit dem Bauern Meinrad hat sie einen Menschen gefunden, der ebenfalls weiss, «ich gehöre hierher». Sie heiraten und mit drei Kindern wird die Familie komplett.

Die «Gadäbirin»

«Wir leben auf einem Bauernhof. Als Landwirtschaft bezeichne ich unseren Betrieb nicht. Dazu sind wir zu klein.» Die Aufgaben der Bäuerin auf dem Betrieb sind die Kälberaufzucht, auch die Mithilfe beim Heuen und beim Obsten. Ganz besonders liebt sie die Arbeit mit den Tieren und nennt sich deshalb eine «Gadäbirin». Mit dieser Arbeit hat sie einen Ausgleich zu ihren «Denkaufgaben». Sie kann abschalten.

Ihre drei erwachsenen Kinder sind alle noch in Aus- und/oder Weiterbildung. Familienintern gilt die Jüngste als Bäuerin.

Betriebsspiegel Büntli

Betriebsleiter: Sibylle und Meinrad Wallimann-Wallimann

Ort: Alpnach Dorf OW, 530 m ü. M.

Fläche: 7,4 ha

Tiere: 12 Braunviehkühe, eigenes Jungvieh, 4 Katzen

Arbeitskräfte: Betriebsleiterpaar, Unterstützung durch ­­Verwandte und Kinder

Öffentliches Engagement

Sibylle Wallimann ist junge Mutter, als sie im Vorstand der Frauengemeinschaft Alpnach Dorf mitmacht. So beginnt ihr öffentliches Engagement und ebenso ihre Freude daran. Mit diesen Frauen gestaltet sie das Dorfleben mit und bei aller Arbeit haben sie es oft lustig zusammen. Sie erhält Einblick in soziale Themen und kann viel Freude und unkomplizierte Unterstützung bieten. Es verwundert nicht, dass auch andere Gremien im Dorf auf die quirlige und vielseitig interessierte Frau aufmerksam werden. Mit ihrem Wirken als Ratsschreiberin im Kirchgemeinderat, als Aktuarin in der Wuhrgenossenschaft und im Stiftungsrat Alterszentrum Allmend sowie als Schulrätin füllt sich ihr Lebensrucksack mit viel Wissen und wichtigen Erfahrungen. «Ich bin eine unverbesserliche Optimistin. Mein Glas ist ­immer halb voll», so Sibylle Wallimann zu ihrer Motivation.

«Ich wünsche mir, dass wir mehr an die anderen denken.»

Sibylle Wallimann, Bäuerin

2010 wird Sibylle Wallimann von der Alpnacher Bevölkerung in den Gemeinderat gewählt. Das Amt der Gemeinderätin bedeutet für die Bäuerin ein 35-Prozent-Arbeitspensum in einem Fünfergremium. Sie übernimmt das Ressort Bildung und Kultur. Schule und Bildung liegen ihr seit jeher am Herzen. Als Gemeinderätin hat sie ein Projekt ins Leben gerufen, das ihr ganz speziell wichtig ist. Das «Schüelerhuis Alpnach»: Ein Angebot für schulergänzende Kinderbetreuung. Die Mitinitiantin ist stolz, dass dieses Angebot nach fünf Jahren ein erfolgreicher ­Betrieb geworden ist.

«Mein Glas ist immer halb voll.»

Sibylle Wallimann zu ihrem Optimismus

Da sie auf ihren Reisen um die Welt viel sehen und erleben konnte, erachtet sie es als Privileg, hier in der Schweiz leben zu dürfen. Deshalb will sie mit ihrem Engagement der Gesellschaft etwas zurückgeben. Sobald sie von ihrem Schaffen erzählt, wird ihre Leidenschaft für diese Aufgabe spürbar. Sibylle Wallimann kann begeistern, motivieren und vernetzen. An Sitzungen eine Aufgabe oder ein Problem gemeinsam beraten, abwägen und Lösungen finden bedeutet grosse Befriedigung für sie. Es ist auch ein Vergnügen, sie an öffentlichen Anlässen als spontane Rednerin zu erleben. Vor wenigen Monaten konnte die Gemeinderätin damit eine andere Bäuerin zur politischen Kandidatur bewegen. Mit Erfolg!

Wunsch für die Zukunft

Genau dies ist ein Wunsch, den die Gastgeberin zum Schluss formuliert: «Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir untereinander wieder solidarischer werden und vermehrt an die anderen denken.»

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