Ein langer Gang führt durch das Bauernhaus der Früchtefarm im aargauischen Sulz in eine andere Welt: Ein Raum mit Dachschräge und warmen Farben ist der Arbeitsplatz von Monika Weiss, wenn sie als Therapeutin tätig ist. «Hier kann ich ganz für meine Klientinnen und Klienten da sein», sagt sie. Monika Weiss ist selber auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat ursprünglich Bäcker-Konditorin gelernt und ist durch die Heirat mit Urs Obst-Bäuerin geworden.
Seit rund zwanzig Jahren bewirtschaften die beiden die sieben Hektaren grosse Früchtefarm, ein Intensiv-Obstbaubetrieb mit Direktvermarktung. 2002 kamen die Zwillingstöchter Jessica und Debora zur Welt, 2004 Sohn Leon.
Bis an die Grenze
Monika Weiss wirbelte zwischen Kindern und Hof herum, war zusätzlich in der hofeigenen Backstube tätig und versuchte, allen Ansprüchen von Familie und Kundschaft gerecht zu werden. «Nach dem Tod meines Vaters suchte zudem meine Mutter oft Hilfe bei mir, bis mir alles zu viel wurde», sagt sie rückblickend. «Ich wollte für sie da sein und fand die Zeit dazu nicht.»
Sie habe gemerkt, dass sich etwas ändern müsse, da sie immer müder und erschöpfter wurde. «Eines Tages sah ich Gabriel Palacios in einer Sendung des Schweizer Fernsehens. Er sprach über Hypnosetherapie und ich hatte sofort das Gefühl, dass dies das Richtige für mich ist.»
Über ein halbes Jahr wartete sie auf den ersten Termin und fand dort, was sie gesucht hatte. «Das Wörtchen Nein», erinnert sie sich. Monika Weiss lernte, Grenzen zu setzen, mehr Sorge zu sich zu tragen und sie räumte innerlich auf, wie sie sagt. «Viele Menschen merken lange nicht, wie sie negative Erlebnisse aus der Kindheit verinnerlicht haben und sich noch viele Jahre später mit Ängsten und negativen Glaubenssätzen blockieren.»
Neue Ausrichtung
Monika Weiss absolvierte Im Jahr 2014 eine Ausbildung zur Hypnosetherapeutin bei Gabriel Palacios. Zusätzlich machte sie eine Ausbildung als Gesprächstherapeutin. Sie möchte ihren Klienten weitergeben, was sie selbst erlebt hat.
Wie Hypnosetherapie funktioniert, sieht man gut am Bild eines Baumes, das Monika Weiss auf ihre Visitenkarte hat drucken lassen. Der Baum steht nicht nur im Zentrum der Früchtefarm, sondern symbolisiert auch den Menschen, der in der Praxis im Zentrum steht. «Um gesund zu wachsen und zu blühen, braucht es starke Wurzeln.»
Viele Menschen kämen mit innerer Unruhe und diffusen Ängsten zu ihr. «Um die Ängste zu lösen, muss man die Ursache finden. Ich gebe den Klientinnen und Klienten nichts vor, ich begleite sie nur.»
Auf dem bequemen Ledersessel im Therapieraum dürfen die Menschen sich entspannt zurücklehnen. Mithilfe von Entspannungsübungen kommen sie in einen tranceähnlichen Zustand, wobei sie physisch entspannt sind und geistig hochaktiv. Sie schlafen nicht und könnten jederzeit abbrechen.
Nochmals eintauchen
Monika Weiss sitzt daneben und begleitet die Menschen zurück zu schwierigen Situationen, in denen Gefühle verdrängt wurden. «Sobald wir da sind und die Klienten das Gefühl heute von einem sicheren Ort aus nochmals spüren können, kann man es auflösen», erklärt sie. Manche Menschen würden komplett in frühere Erlebnisse eintauchen und sie nochmals durchleben, andere getrauen sich nur vage heran, zu schmerzlich sind die Erinnerungen.
Nach der Sitzung bespricht die Hypnosetherapeutin mit ihren Klienten, was ihnen im Alltag helfen könnte. Zudem bekommen alle eine Karte mit Farbe und positivem Text, die sie fortan begleiten. «Diese Karten sollen ein Anker sein im Alltag.»
Nicht nur bei Ängsten und Blockaden
Hypnosetherapie kann nicht nur bei Ängsten und Blockaden helfen, sondern auch bei Trauer. «Wenn zum Beispiel der Partner überraschend stirbt und man sich nicht richtig verabschieden konnte, kann das zu einer Belastung werden. In der Hypnosetherapie holen wir diese Verabschiedung nach.»
Viele ihre Klientinnen und Klienten kommen mit einem spezifischen Thema wie Angst vor der Autoprüfung zu ihr. «In vielen Fällen reicht eine Sitzung, um ein gutes Ergebnis und ein besseres Lebensgefühl zu erhalten.» Einige beginnen in den Sitzungen innerlich aufzuräumen, ihre Vergangenheit zu klären und kommen regelmässig.
Ruhe und Ausgeglichenheit
Im Therapiezimmer trägt Monika Weiss immer ihre Kette mit dem Ying-Yang-Zeichen um den Hals. «Ruhe und Ausgeglichenheit sind mir wichtig.» Das innere Gleichgewicht, das ihr damals vor zwanzig Jahren etwas verloren ging, sei nun fest verankert.
Das Gleichgewicht lebt sie auch auf dem Bauernhof; die verschiedenen Aufgaben – die Arbeit mit den Bäumen, die Hypnosetherapie und die Backstube, wo sie vor allem im November und im Dezember oft und gerne tätig ist – beeinflussen sich gegenseitig positiv. «Ich liebe es, draussen in der Natur zu sein und ich arbeite auch gerne mit den Händen.»
Die Hypnosetherapie sei eine zusätzliche Bereicherung: «Obwohl ich manchmal viel Energie brauche, um meine Klienten durch ihre Traumata zu begleiten, erschöpft es mich nicht», so Monika Weiss. «Zufriedene Klienten, die erlöst und erleichtert aus der Praxis gehen, geben mir auch immer viel Energie und Freude.»

