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Der Weisse Sonntag 1953 in Amden erfüllte die Mädchen mit stolz

Benildis Bentolila berichtet aus ihrem Leben, als sie noch ein Mädchen im Bergbauerndorf Amden SG, war. Damals gab es klare Regeln, was wann angezogen wurde.

Wenn ich dieses friedliche Bild anschaue, wird mir warm ums Herz. Die Welt war für uns Mädchen in Ordnung und wir waren stolz, als kleine Bräute aufzutreten an diesem Tag. Es war unser zweiter Weisser Sonntag. Ganz links ist mein Kommuniongespan Elsbeth. Damals wussten wir nichts von Gendern; Buben und Mädchen wurden gleich betitelt. Es gab manchmal eine Verniedlichung bei den Erstkommunikanten, das Kommunionsgspänli.

In der Mitte lache ich in den Fotoapparat, das Wort Kamera tauchte erst später auf. Rechts aussen ist Rita, ein Jahr älter. Das Bild entstand zwischen Mittagessen und Besuch des Nachmittagsgottesdienstes. Elsbeth und Rita sind Schwestern, sie beide trugen runde «Chränzli», wie das bei uns in den Bergen Mode war. Interessant finde ich, dass ihnen zusätzlich die übliche Haarmasche aufgebunden wurde.

Der wohlhabende Grossvater springt ein

Mein «Chränzli» war eher ein Diadem, woran ersichtlich ist, dass es von auswärts kam. Der «Zuzne Grossvater» (Uznach SG), Vater meiner Mutter, war Prokurist bei der Spar- und Leihkasse vom Seebezirk und Gaster. Damals war das eine angesehene Position. Weil meine Eltern arm waren, kaufte der eher wohlhabende Grossvater für mich Kommunionkleid und Haarkranz. Ausgelesen hatte es meine Tante Ottilie, die beim verwitweten Vater lebte.

Der Weisse Sonntag 1953 in Amden erfüllte die Mädchen mit stolz
Kolumnistin Benildis Bentolila erinnert sich an frühere Zeiten als junges Mädchen.

Angesichts der vielen Enkel – heute muss ich präzisieren: Enkelinnen – kannte die Tante die Kleidergrössen der Nachkommen. Sie kam mit Zug und Postauto ein paar Tage vor dem wichtigen Tag nach Amden SG, damit ich das weisse Kleid probieren konnte. Schnell angezogen, angeschaut, ausgezogen und versorgt. Erst am Tage selbst, nach dem Morgenessen, durften wir die festlichen Kleider anziehen und dann gesittet zur Kirche gehen.

Regeln, was, wann angezogen werden durfte

Die weissen Kleider mit Haarschmuck trugen wir bis in die sechste Klasse, also bis wir zwölf Jahre alt waren. Danach war bis zum Schulaustritt die St. Galler Werktags-Tracht angesagt. An Muttergottesfesten, Fronleichnam, Herz-Jesu-Fest und kirchlichen Feiertagen, wenn wir in feierlicher Prozession singend und betend durchs Dorf zogen, trugen die Schulmädchen die beschriebenen Kleider. Die Buben trugen ein weisses «Kütti», ein gerade geschnittenes Hirtenhemd aus fester Baumwolle oder Leinen, bestickt mit einheimischen Alpenblumen. Damals war man in der Stickerei noch nicht frei wie heute, wo auch andere Blumen erlaubt sind.

Die Dächer trugen alle Schindeln

Was mir auf älteren Fotos wie auch hier auffällt, ist die Umgebung der Personen. Diese nimmt meistens gleich viel, wenn nicht mehr Platz ein. Man könnte sagen, man wollte zeigen, dass es ein Schindelhaus ist, die Fenster von «Brittli» (Holzläden) geschützt mit einer oben liegenden Dekoration. Es war aber nicht nötig, das hervorzuheben, schliesslich waren damals alle Häuser geschindelt in den Bergdörfern.

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