Meine Militärkarriere startete am 15. Juli 1975 in Willisau. Zusammen mit anderen 19-jährigen Bauernsöhnen und Handwerkern aus Luthern LU beurteilte mich der Aushebungsoffizier Oberst Meyer als «diensttauglich». Ich hatte folglich ohne Murren Militärdienst zu leisten, die Alternative wäre damals einzig eine Gefängnisstrafe gewesen. Der Aushebungsoffizier liess mir die Wahl zwischen Füsilier oder Mitrailleur. Ich entschied mich für Letzteres. Abends trafen sich die zukünftigen Rekruten in der «Schachen Pinte» in Luthern. Nach einem ersten Bier war der Durst zwar noch lange nicht gestillt, aber bevor der Tag im traditionellen Besäufnis endete, verabschiedete ich mich.
Viel Rumrennen und Rumbrüllen
Am 2. Februar 1976, einem kalten Tag mit viel Schnee, tuckerte ich mit meinem VW-Käfer nach Luzern, wo ich den Dienst in der Kaserne der damaligen Infanterie-Rekrutenschule antrat. Meine Ausbildung zum Mitrailleur erfolgte in der 2. Kompagnie der Infanterie-Rekrutenschule 8. Jeweils drei Züge zu je rund 30 Füsilieren und ein Zug von 25 Mitrailleuren mit fünf Maschinengewehren bildeten eine Infanterie-Kompagnie. Ab dem ersten Tag erfolgte die Verwandlung von uns Zivilisten in sogenannte «Kampfschweine». Die Grundausbildung startete mit Rumbrüllen und Rumrennen. Wenn ich mich beim Gruppenführer mit «Korporal, Rekrut Rüssli» meldete, brüllte es zurück: «Lauter!» Wenn der Oberleutnant rief: «Ganze Kompagnie, Sammlung!», rannten alle los.
Ich hatte es leicht, meinen Platz zu finden, denn ich war mit meinen 1 Meter 78 damals der Zweitgrösste der Kompagnie. Erst galt es, mein Sturmgewehr 57 gründlich kennenzulernen. Von morgens bis abends wurde das Gewehr zerlegt, wieder zusammengesetzt, später im Schiessstand, dann im Gelände geschossen. Erst im Einzel- und dann im Serienschuss. Abends wurde das Gewehr wieder gründlich gereinigt. Anschliessend erfolgte der gleiche Drill mit dem Maschinengewehr (MG) 51. Ich könnte den Drill heute noch, 47 Jahre später, blind zerlegen und wieder zusammensetzen.
Ungeliebtes Abendprogramm
Dank Drill und Gruppendruck verwandelten wir uns in kampfbereite Infanteristen. Ab morgens um sechs bis abends um 22 Uhr war jeder im Dauerstress. Nach dem eiligen Frühstück hiess es jeweils um sieben Uhr im «Vierfrucht-Pyjama» und voller Kampfausrüstung auf dem Appellplatz in der Kälte zu stehen. Wir lernten, was ein «Zwipf» ist, nämlich eine Zwischenverpflegung, was ein BWS bedeutete (beide Wege «seckle») und dass ein «ZS» ein Zusammenschiss ist. Und jede Woche einmal stand «Spatz» (Pot au Feu) auf dem Menüplan.
Wenn am Abend alle Gewehre und sämtliche Ausrüstung sauber waren, gab es Ausgang. Wenn nicht, drohte ein «Tenüfick». Das hiess, der Kompaniekommandant befahl, dass in zehn Minuten alle in voller Kampfbereitschaft auf dem Appellplatz in Reih und Glied stehen mussten. Oder eine «Mat-Kontrolle» wurde vom Feldweibel befohlen, das heisst, man durfte mit dem ganzen Berg an persönlichem Material in 15 Minuten auf dem Appellplatz stehen, wo alles und jedes auf Vollständigkeit und Sauberkeit kontrolliert wurde.

