Man soll die magischen Rauhnächte zum Räuchern nutzen

Auf dem Haslihof in Steinen nutzt Margrit Steiner die kommenden Nächte zum Räuchern. Noch vor 100 Jahren war es Tradition, während der Zeit vom 25. Dezember und 6. Januar das Haus und den Hof auszuräuchern.

Den Tagen zwischen dem 25. Dezember und 6. Januar wohnt einen ganz eigenen Zauber inne. Und das nicht nur, weil es sich in diesen Tagen um Weihnachten und Neujahr dreht. Es ist auch die Zeit der «magischen Rauhnächte». Der Mythos besagt, dass während dieser Kalendertage die Kräfte der Natur ausser Kraft gesetzt sind und die Tore zu einer anderen Welt sich öffnen. Übernatürliche Gestalten haben freien Zugang zu unserer Welt und umgekehrt.

Zeit zu räuchern

In den kommenden Tagen und Nächten kann man sich bewusst Zeit nehmen, sich Geschichten zu erzählen, in die Natur hineinzuhören, Rituale abzuhalten, zu meditieren, zur Ruhe zu kommen. Jede energetische Handlung, die in dieser speziellen Zeit vollzogen wird, wirkt besonders stark. Einen grossen Teil der Rauhnächte macht das Räuchern aus.

Noch vor 100 Jahren war es üblich, Haus und Hof in diesen Tagen mit Hilfe von Rauch zu reinigen. Früher war es auch selbstverständlich, nach dem Umzug oder ein Krankenzimmer, bevor es neu belegt wurde, zu räuchern. Mit dem Rauch lässt man symbolisch Altes los und öffnet sich für Neues. Das erzählt auch Heilpflanzenfachfrau Margrit Steiner aus Steinen.

Faszination Kräuter

Vor zehn Jahren hatte Steiner sich aus Neugier für eine Kräuterwanderung angemeldet. Sie war fasziniert von der Vielfalt der heimischen Kräuter und deren Nutzen. «Vor unserer Haustür wachsen längst vergessene Schätze», erzählt sie, «man kann raus und sich ernähren». So liess sie sich zur Heilpflanzenfachfrau ausbilden und arbeitet mittlerweile seit vier Jahren selbstständig in diesem Bereich. «Ich bin eine komplette Quereinsteigerin, ich habe das Wissen leider nicht von der Mutter oder Grossmutter überliefert bekommen.» Seit ihrer Ausbildung bietet sie nebst Tinkturen und Salben auch Kräuterwanderungen und Räucherkurse an.

Ihr Räucherkurs wurde unter anderem im Jahresprogramm der Schwyzer Bäuerinnen angeboten. Die Resonanz war überraschend gross. 55 Bäuerinnen besuchten den Räucherkurs. Eine Teilnehmerin schreibt: «Ich ging mit null Vorkenntnissen an diesen Kurs. Es war sehr faszinierend.»

Den Andrang erklärt sich die leidenschaftliche Kräuterfrau folgendermassen: «Es geht darum, sich wieder zu erden. Man taucht ein in eine alte, mystische Welt.» Man lerne achtsamer unterwegs zu sein. Gerade in der heutigen Zeit scheine es wichtig, dass man zur Ruhe kommt und bewusster unterwegs ist. Speziell die Zeit während der Pandemie löste vielerorts ein Bedürfnis nach der Nähe zur Natur und Hoffnung aus. «Wir haben uns zu weit von der Natur und dem Vertrauen in sie gelöst.»

Heutzutage ist man gegenüber dem Ausräuchern jedoch eher skeptisch. Dazu haben bestimmt auch die modernen Medien beigetragen, Filme mit Geisteraustreibungen beeinflussen das Bild. Da Räuchern nicht fassbar ist, eher spirituell, wird es oft belächelt oder macht gar Angst.

«Die Natur ist die beste Therapie.»

Margrit Steiner, Heilpflanzenfachfrau und Waldgesundheitstrainerin.

Räuchern kann jeder

Dabei ist es eigentlich etwas ganz Simples. «Jeder kann räuchern – man kann dabei nichts falsch machen», erklärt Margrit Steiner. «Es gibt zwei Faktoren, die das Räuchern beeinflussen, die Kräuter und die Absicht. Man muss seine Absicht in Gedanken immer wieder wiederholen», beschreibt sie. Es werden zum Räuchern keine exotischen Kräuter benötigt, der Mensch findet alles, was er dafür braucht, direkt vor seiner Haustüre.

Doch die Kräuter sind nicht nur zum Räuchern ideal. «Man könnte so vieles selber machen, für fast jedes Leiden gibt es die passende Heilpflanze. Ideal, um die Schulmedizin gut zu unterstützen und zu begleiten», erklärt Steiner weiter.

Ganzheitliche Therapie

«Leider ist es so, dass viele den Aufwand scheuen mit den Kräutern. Man ist zu bequem geworden», findet Margrit Steiner. Das Sammeln und Verarbeiten brauche Zeit, dabei sei der Gang auf unsere Felder, Wiesen und Wälder die beste ganzheitliche Therapie für Körper, Geist und Seele. «Es gibt uns eine gewisse Verbundenheit zur Natur zurück.» Weiter erwähnt Margrit Steiner, dass speziell die Weihnachtszeit für viele sehr stressig sei und es wäre somit schön, man käme gerade in dieser Zeit mal zur Ruhe. «Weniger ist manchmal mehr», betont die naturbegeisterte Bäuerin.

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