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Hofübergabe: Der Rollenwechsel bei Familie Leu ist gelungen

Vor knapp vier Jahren wurde Sohn René zum Chef. Bei der Übergabe des Betriebs half ein Treuhänder. Nun zieht Familie Leu aus Oberrüti Bilanz.

René Leu ist noch im Stall beschäftigt. Sein Vater empfängt die Besucherin von der BauernZeitung und beantwortet schon mal Fragen zum Betrieb. Mutter Agi setzt sich dazu, sie ist die Allrounderin auf dem Hof, im Stall und im Haushalt. Ebenso wie Renés Ehefrau Cristina, die an diesem Tag aber unterwegs ist.

Nach 15 Jahren der Chef

Vor fast vier Jahren haben bei Familie Leu die Rollen gewechselt. Sohn René hatte zuvor 15 Jahre im Angestelltenverhältnis auf dem Betrieb gearbeitet. Per Anfang 2017 wurde er Betriebsleiter auf dem Hof in Oberrüti und seine Eltern sind nun angestellt.

In der Praxis habe sich wenig verändert, erklärt der 36-jährige Landwirt René. Er kümmert sich am Morgen als erstes um die Mutterkuhherde mit Weide-Beef, der Vater um die Biogasanlage. Abläufe und Entscheide ­besprechen sie nach wie vor gemeinsam.

Einige Male pro Woche essen am Mittag beide Generationen gemeinsam, dann kochen die Schwiegermutter und -tochter abwechslungsweise. Renés Partnerin Cristina schätzt das gemeinsame Essen, weil sie bei den Gesprächen einiges vom Betrieb mitbekommt. Die Landwirtschaft ist für die gelernte Sozialpädagogin ein neues Feld; derzeit absolviert sie den Fachkurs Bäuerin am LZ Liebegg.

Klare Vorstellungen

Die Büroarbeit habe er dem neuen Betriebsleiter freudig abgegeben, schmunzelt Sepp Leu. Er selber hatte den Betrieb mit 24 Jahren übernommen. Es war sein erklärtes Ziel, mit 60 Jahren einen Schritt zurückzutreten. Genau so klar war es auf der anderen Seite für seinen Sohn, den elterlichen Hof einmal zu übernehmen. Fachlich begleiten liess sich Familie Leu bei der Übergabe von ihrem Treuhänder.

Die drei Schwestern von René haben den Vertrag mit unterschrieben, auch wenn sie und ihre Partner keinen beruflichen Bezug zur Landwirtschaft haben. «Wir wollten für alle offene Karten», erklärt Sepp Leu. Seine Töchter fänden es schön, dass der Familienbetrieb weitergeführt werde. Und sie wüssten, dass ihr Bruder damit viel Arbeit auf sich nehme.

Die erste Biogasanlage

Die Bürokratie dauerte zwar deutlich länger als angenommen, sodass der Betrieb erst Mitte 2017 effektiv überschrieben werden konnte, rückwirkend auf Anfang Jahr. Inhaltlich habe es aber keine Komplikationen gegeben, berichtet René Leu. Ein Sonderfall war die Biogasanlage – die erste im Aargau, die als Bestandteil eines Landwirtschaftsbetriebs übergeben wurde. Für deren Bewertung gab es keinen Standard. «Da haben wir sicher einen ordentlichen Abschreiber gemacht», stellt Sepp Leu nüchtern fest. Für ihn stimmt es: «Eine Hofübernahme, die nicht tragbar ist, macht keinen Sinn. Und meine Frau und ich konnten zuvor unsere Reserven bilden.» Beide haben regelmässig in die dritte Säule eingezahlt, Agi bekam einen Lohn gutgeschrieben für ihre Arbeit. Sie und ihre Schwiegertochter werden auch heute für ihre Mitarbeit entlöhnt.

«Eine Hofübernahme, die nicht tragbar ist, macht keinen Sinn.»

Sepp Leu nahm bei der Biogasanlage einen Abschreiber in Kauf.

Lieber Miet- statt Wohnrecht

Das erste grössere Projekt des neuen Betriebsleiters war der Bau einer zweiten Wohnung im Wohnhaus für seine Partnerin und ihn. Die Eltern habe in der bestehenden Wohnung ein Mietrecht (siehe Kasten), das nur von ihrer Seite kündbar ist. Zuvor musste ein Wohnrecht für Sepp Leus Mutter aufgelöst werden – das war ziemlich aufwendig; auch die Kesb redete mit, obwohl die Seniorin seit Jahren im Altersheim lebt.

Jeder hat seine Mücken

Der Rollenwechsel sei gelungen, sind sich die abtretende und die junge Generation Leu einig. Es ist zu keinen Revierkämpfen gekommen. «Es ist schön für uns, dass die Jungen weitermachen», kommentiert Agi Leu. «Wir haben schliesslich alle das gemeinsame Interesse, miteinander auszukommen. Es ist einfach wichtig, dass wir zusammen reden.» Und noch etwas weiss die erfahrene Bäuerin: «Jeder Mensch hat so seine Mücken, da muss man eben etwas vor- und nachgeben können.» Ruth Aerni

«Man muss vor- und nachgeben können.»

Das hilft gemäss Bäuerin Agi Leu beim Zusammenarbeiten der Generationen.

Abgeltung der Miete

Nach der Hofübergabe bleiben oft die Eltern des Übernehmers auf dem Betrieb als Mieter wohnen. Die Abgeltung der Miete erfolgt dabei häufig über ein Annuitätsdarlehen mit konstanten Rückzahlungsbeträgen, bestehend aus Zins- und Tilgungsteil. Am Ende der vereinbarten Laufzeit ist das Darlehen vollständig getilgt. Mietverträge sind relativ einfach kündbar. Sofern die abtretende Generation mehr Sicherheit wünscht, kann vertraglich ein einseitiges Kündigungsrecht vereinbart werden. Jörg Mühlebach​

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