Es sei trotz allem ein recht milchiger Alpsommer gewesen, zieht Adrian Zwyer, Betriebsleiter der Alpkäserei Bödmeren beim Pragelpass, Bilanz. Zwar nicht zu vergleichen mit dem Traumsommer 2020 und seiner deutlich längerer Alpzeit und so auch noch höherer Milchproduktion.
Stressiger Alpsommer
Das häufig nasse und kalte Wetter zu Beginn der diesjährigen Alpsaison hemmte den Futterwuchs und schädigte die Weiden. Das drückte etwas auf die Milchmengen. Und auf den Umsatz im Laden, machten doch weniger potenzielle Kunden bei solchem Wetter einen Ausflug über den Pragelpass. «Die Milchqualität blieb aber konstant hoch», ist Zwyer zufrieden.
Für die Älpler sei das wechselhafte Wetter aber ein zusätzlicher Stress gewesen, wegen der sehr wenigen Gelegenheiten für den Heuet im Tal.

Käsen bis Ende September
Erstmals gekäst hat Adrian Zwyer dieses Jahr am 9. Juni, im Vorjahr bereits am 27. Mai. Zum Glück drehte das Wetter aber im August, sonst wäre die Alpzeit 2021 wohl noch kürzer geworden. Seit Mitte August sank die Milchmenge aber deutlich, deshalb wird nur mehr jeden zweiten Tag gekäst. Die ersten Kühe wurden bereits Anfang September wieder ins Tal gefahren. «Nun geniessen wir noch die schönen Herbsttage und nehmen an Milch bis Ende September, was noch kommt.»
Viele Alpmilchprodukte
Den Sommer über werden hier rund 25 t Käse hergestellt. Neben Alpkäse auch Bergkäse, denn eine tiefer gelegene Alp erfülle aufgrund der Höhenlage die Bedingungen für den Alpkäse knapp nicht. Beliebt ist der Suworow-Käse, benannt nach dem russischen General, der mit seiner Armee 1799 über den Pragelpass zog.
Zudem produziert der Alpkäser Adrian Zwyer Mutschli und Joghurts in verschiedenen Sorten, Alpbutter, Molkendrinks und in Öl eingelegte Frischkäsli. Ein ansehnlicher Teil dieses Sortiments wird im Verkaufsladen neben der Käserei abgesetzt. Direkt an der Pragelstrasse liegend, zieht er viele Kunden an, auch am Wochenende, wo die Strasse vom Muotathal her aber nur bis zum Pass befahrbar ist. Der grösste Käseabnehmer ist Coop, für den Transport und die Reifung sorgt Emmi. Zudem wird an verschiedene Detailhändler in der Region geliefert.

Reiche Berufserfahrung
Auf Bödmeren ist der gelernte 26 Jahre junge Käser und Bauernsohn aus Sisikon im Kanton Uri erst seit Sommer 2020 tätig. Die Lehre hatte er bei Josef Werder in der Dorfkäserei Küssnacht gemacht. Danach arbeitete er in der Alpkäserei auf dem Urnerboden und in der Bergkäserei in Buochs sowie im Sommer 2019 in einer Alpkäserei im Bündnerland. Für die Alpkäserei Bödmeren sind neben Adrian Zwyer weitere Teilzeitangestellte tätig, für die Produktion, die Käsepflege und den Verkaufsladen.
Zwyer ist ganzjährig von der Genossenschaft angestellt. Die Sommerüberzeit könne er im Winter etwas kompensieren. Gleichwohl gibt es auch in der kalten Jahreszeit einiges zu tun: Käse pflegen, für den Handel bereit machen, Fondue herstellen und vieles mehr.
Im Winter zu Fuss
Zwar hat Adrian Zwyer im Tal ein Lager für 1000 Käse. Was dort nicht Platz finde, bleibt auf Bödmeren. Und weil die Strasse über den Winter nicht bis zum Pass befahrbar ist, steigt er mindestens einmal wöchentlich zu Fuss auf, um die Käse hier oben zu schmieren und zu wenden. Und wenn das Lager im Tal leer ist, auch um Käse zu holen.
Im vergangenen Frühjahr hätten sie mit Hornschlitten im tiefen Schnee noch 500 Käselaibe bis zum geräumten Parkplatz transportiert. «Das war zwar nur 500 Meter weit, aber gleichwohl recht speziell», erzählt der Betriebsleiter der Alpkäserei Bödmeren schmunzelnd.
«Die 500 Käselaibe mit dem Schlitten zu holen, war schon speziell.» Adrian Zwyer über die Erlebnisse im schneereichen vergangenen Winter.
Mittelmässiger Alpsommer mit vergleichsweise wenige Wolfsübergriffen
Alppersonal und Fachleute beschreiben den Alpsommer 2021 in der Region Zentralschweiz als eher mittelmässig. Das zeigt die Nachfrage der BauernZeitung. Vor allem der reichliche Niederschlag sorgte für erschwerte Verhältnisse. Der bislang schöne September hat aber wieder einiges gut gemacht. So hat es im Kanton Schwyz gemäss Theo Pfyl aus Muotathal, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes, eindeutig zu viel geregnet. Es gab nicht wenig Futter und die Qualität war grundsätzlich gut, aber im nassen Gelände führten Trittschäden zu Verlusten. Noch schwerer wogen die Hagelzüge, die einige Schwyzer Alpen schwer getroffen haben, so dass einige von ihnen Ende Juli sogar entladen mussten. Immerhin stand das Vieh gemäss Theo Pfyl nie im Schnee, was es im Lauf eines Alpsommers durchaus auch geben könnte. Die Urner Alpen wurden grossmehrheitlich von Unwettern verschont, aber nässer als in anderen Jahren war es auch dort. Diesbezüglich waren die vielen zweistaffligen Alpen im Vorteil: Die Grasnarbe konnte sich jeweils wieder erholen. Gemäss Damian Gisler vom Amt für Landwirtschaft werden bis zum 24. September die Urner Alpen grösstenteils entladen sein. Das ist eine eher späte Alpabfahrt, entsprechend der Auffahrt, die gegen zwei Wochen später erfolgte als im Vorjahr – aber im langjährigen Schnitt immer noch absolut im üblichen Rahmen. Das bestätigt auch Theo Pfyl. Und der Wolf, der die Freude an der Alpsaison noch viel mehr verderben kann als das Wetter? «Glück gehabt», kommentiert David Zumstein den vergangenen Sommer. Er ist im Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband für die Sektion Obwalden zuständig. Gleiches sagen auch Theo Pfyl und Damian Gisler: Ihre Region sei mit wenigen Vorfällen verhältnismässig gut weggekommen. «Überraschend gut, wenn man sieht, wie es in den östlichen Nachbargebieten zu- und hergeht», ergänzt Gisler. Und David Zumstein fügt an: «Jedenfalls bis jetzt – die Saison ist noch nicht ganz vorbei, es hat immer noch Vieh auf den Alpen.»

