Seit dem 01.01.2021 hat Virginia Ott die Betriebsleitung der Ott-Farm übernommen. Trotz der Übernahme, arbeitet sie weiterhin Teilzeit in ihrem erlernten Beruf als Sachbearbeiterin Treuhand in einem Treuhandbüro. Die Arbeit in der Natur und mit den Tieren ist für sie ein Ausgleich zum Büroalltag.
Frage der Nachfolge
Früher waren die Milchwirtschaft und die Pferdezucht von American Paint Horses der Hauptverdienst auf der Ott-Farm. Die Pferdezucht hat der Familienvater Fritz Ott mit seiner Frau Marlis aufgebaut. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2003 führte Marlis den Betrieb vorerst allein weiter. Unterstützt wurde sie von ihren Schwiegereltern. Über mehrere Jahre reduzierte sie langsam die Tieranzahl. Ihr Ziel war es, die Farm in Familienbesitz zu halten, bis die drei Töchter alt genug waren, zu entscheiden, ob sie die Farm fortführen möchten. Es kristallisierte sich heraus, dass die älteste Tochter Virginia Ott diese Aufgabe gerne übernehmen wird. Der Übergang von Mutter Marlis zu Virginia passierte fliessend. Virginia schloss zuvor den Fachausweis Bäuerin ab. Zudem machte sie das Zertifikat zur Bauernhofspielgruppenleiterin.
Farm in Frauenhand
Überhaupt ist die Farm komplett in Frauenhand. Die Betriebsleiterin hat zwei weitere Frauen angestellt. Eine als Betriebshelferin, die für die Pensionspferde zuständig ist undeine Spielgruppenleiterin. Sechs Pferdepensionsplätze bietet die Ott-Farm an. Auch die Schwestern sind leidenschaftliche Reiterinnen und besitzen je ein Pferd.
Im ersten Jahr ist die Neu-Landwirtin froh um Unterstützung. Vor allem im Bereich Acker- und Futterbau. Die gut 14 Hektaren Land mussten weiterhin bewirtschaftet werden. Da die junge Betriebsleiterin sich beim Bedienen der grossen Maschinen noch etwas unsicher fühlte, holte sie sich Hilfe von Freunden, gelernten Landwirten. Diese zeigten ihr wie man Maschinen an- und abhängt und wie man sie richtig bedient. Auch ihr Wissen rund um die Feld-arbeit vermittelten sie der Bäuerin. Mittlerweile wagt sie sich selbst auf den Traktor. Übung macht den Meister heisst es jabekanntlich.
Spielgruppe als Diplomarbeit
Die Bauernhofspielgruppe «Horsey» ist das Resultat der Diplomarbeit der Bäuerinnenschule aus dem Jahr 2015. Virginia spielte schon immer mit dem Gedanken mit Kindern zu arbeiten. Im Vorfeld hat sie bereits mit ihrer Schwester Caroline Ott über den Aufbau einer Spielgruppe gesprochen. So wirkte Caroline von Anfang an mit. Der komplette Aufbau der Spielgruppe wurde zusammen entwickelt und Virginia schrieb Ihre Diplomarbeit darüber. Caroline konnte als ausgebildete Sozialpädagogin ihr Fachwissen in das Vorhaben einbringen.Virginia und Caro-line wurden mit den Pferden, Kühen, und weiteren Tieren gross. Diese Möglichkeit möchten sie ihren Spielgruppenkindern ebenso ermöglichen. Im Jahr 2016 starteten die Schwestern mit den ersten zwei Gruppen. Viel Werbung machten sie für dieses Engagement nicht. Dank der Google-Suche fanden genügend Eltern das Angebot.
«Die Bauernhofspielgruppe bietet den Kleinen vor allem eine erste Begegnung und Erfahrung mit Tieren,» erzählt Caroline. Ganz nach dem Motto «Kind sein und Natur erleben» wird die Bauernhofspielgruppe Horsey geführt. Mit all ihren Sinnen bewegen die Kinder sich auf dem Bauernhof und nehmen die Natur wahr. Sie lernen Tiere und ihr zuhause kennen, säen Pflanzen und beobachten, wie sie wachsen und vieles mehr. Die Kinder haben viel Freiraum, um zu forschen, zu entdecken und ihrer Energie freien Lauf zu lassen. Gemeinsam wird gespielt, gelacht, gewerkelt, gemalt, geknetet, geklebt, gesungen und Geschichten erzählt.
Gestartet wird mit den kleineren Tieren, wie zum Bespiel das Füttern der Kaninchen, da viele Kinder etwas Respekt vor den grossen Tieren, wie den Pferden haben. Auf dem Hof finden sich unzählige Tiere zum Beobachten. Von kleinen Krabbeltieren, Katzen bis hin zu Schafen. Auch der Hofhund Aron darf gestreichelt, gebürstet und bespielt werden. Aber auch die Rinder und die Pferde können sie genauer anschauen, streicheln, füttern und pflegen, wenn sie den Mut haben.
Viele Ideen für die Zukunft
Ziel der Schwestern ist es, die Spielgruppe weiter auszubauen bis hin zum Qualitätslabel SSLV. Überhaupt haben sie einiges vor mit der Ott-Farm. Für Caroline Ott ist die Arbeit auf der Farm und der Spielgruppe ein Ausgleich und eher ein Hobby. Sie möchte sich als Sozialpädagogin ausserhalb der Farm verwirklichen. Natürlich unterstützt sie ihre Schwester weiterhin tatkräftig. Ob sie sich irgendwann doch auch noch ganz der Farm widmet, steht in den Sternen.
Virginia hat für sich selbst grosse Zukunftspläne, sie ist im Moment an einer Weiterbildung im Bereich Treuhand. Nach Abschluss dieser Weiterbildung wird sie schauen, was sie machen wird, alles «Step by step,» wie Virginia sagt.
Gute Zusammenarbeit
Viele Ideen sind vorhanden, was schlussendlich umgesetzt wird, wird die Zukunft zeigen. Vorerst wird der Betrieb so weitergeführt, wie ihn Mutter Marlis aufgebaut hat.
Doch die Schwestern wissen, dass sie auch zukünftig gemeinsam am selben Strang ziehen werden und weiterhin ihre Ressourcen geschickt einteilen. Die beiden arbeiten Hand in Hand. Konkurrenz oder Streit kennen sie nicht. «Wenn man miteinander spricht, findet sich immer eine Lösung,» meint Virginia. Oft reichen nur wenige Worte und jede geht ihren Aufgaben nach. Die Harmonie zwischen den Schwestern zeigt sich, wenn man sie beim gemeinsamen Arbeiten beobachtet. Beim Reinholen der Pferde herrscht eine Ruhe und kommuniziert wird mit den Augen oder kurzen Absprachen.
Auf die Frage, was ihr noch fehlt, erklärt Virginia: «Eigentlich nichts, nur die Zeit, um alle Träume zu verwirklichen.»
Weitere Informationen: www.ott-farm.ch

