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Ein wenig Fasnacht muss trotz Corona sein, findet Astrid Steiner

Die Luzerner Bäuerin Astrid Steiner lässt zuhause Konfetti regnen: Schmutziger Donnerstag und gar keine Fasnacht, das geht einfach nicht, findet sie.

Astrid Steiner öffnet die Tür im Piratenkostüm. Sie sei nicht scharf darauf, in der Zeitung zu kommen, erklärt sie – aber zu Ehren der Fasnacht tut sie es doch, in diesem unglaublichen Jahr, wo ein kleines Virus das fröhliche Treiben lahmlegt. «Die bösen Geister müssen doch trotzdem vertrieben werden», sagt sie mit einem Augenzwinkern. Ihre drei Kinder sind dabei sicher eine gute Hilfe: Quietschvergnügt wirbeln sie auf dem Hofplatz herum und veranstalten eine Konfettischlacht. Für die fasnächtliche Dekoration des Hauses haben sie farbige Girlanden und Konfetti gebastelt. Und die hausgemachten Schenkeli ihrer Mutter lassen sie sich sowieso schmecken.

K. O. durch eine Orange

Auch Astrid Steiners eigene Fasnachtserfahrung reicht weit zurück. Als Teenager stieg sie jeweils in den Zug und fuhr von ihrem Wohnort Engelberg an die Luzerner Fasnacht, wo es halt schon mehr krachte als in Obwalden. Einmal bekam sie nach dem Urknall im Fötzeliregen eine Orange mitten ins Gesicht geschossen. Ihr wurde schwarz vor Augen, die Nase blutete wie verrückt, die Umstehenden glaubten, sie sei betrunken, statt ihr zu helfen. Die Fasnacht liess sich Astrid Steiner nicht verderben, hielt sich fortan aber im Hintergrund, wenn Orangen flogen.

In eine andere Welt abtauchen

Im Lauf der Jahre sind unzählige weitere Fasnachtserlebnisse dazugekommen, aber positive. «Dieses Gefühl am Monsterkonzert, wenn du mit der Guggenmusik auf der Bühne stehst und die Zuhörer mitreisst, das ist unglaublich», schwärmt die Posaunistin (musikalische Vorbildung: Block- und Altflöte in der Primarschule).

Astrid Steiner hat in der Guggenmusik die Posaune abgegeben aber die Fasnacht liebt sie immer noch. (Bild Ruth Aerni)
Astrid Steiner hat in der Guggenmusik die Posaune abgegeben aber die Fasnacht liebt sie immer noch. (Bild Ruth Aerni)

Astrid Steiner hat in der Guggenmusik die Posaune abgegeben aber die Fasnacht liebt sie immer noch. (Bild Ruth Aerni)

Zusammen mit ihrem Mann Michi spielte sie viele Jahre bei den Bräntetätscher Schwarzenbach. Die gelernte Bäcker-Konditorin und Konditor-Confiseurin nahm sich für die Fasnacht immer eine Woche Ferien, um in die andere Welt abtauchen zu können. «Den Alltag auf der Seite lassen, eine uralte Tradition leben. Diese Farben und natürlich die Musik, das geht ins Herz», beschreibt Astrid Steiner die Faszination der Fasnacht. Dann kam ihr erstes Kind, der heute achtjährige Yanis, und sie schaltete einen Gang zurück.

Mit Tränen in den Augen

Als sie nach ihrem Austritt bei den Bräntetätschern erstmals wieder eine Guggenmusik hörte, verdrückte sie ein paar wehmütige Tränen. «Es war eine schöne Zeit», schaut sie zurück, «aber dann kam ein anderer, genauso schöner Lebensabschnitt».

Astrid und Michi Steiner führen in Herlisberg im Kanton Luzern einen Landwirtschaftsbetrieb mit Milchwirtschaft, Muttersauen, Ackerbau, Obstbäumen und Legehennen zur Selbstversorgung. Die strengste Saison ist für die Bäuerin nicht mehr die Fasnacht, sondern die Erntezeit im Spätsommer und Herbst.

Nachts im Nähatelier

Wobei das ganze Jahr viel los ist. Nebst ihren Arbeiten rund um Kinder, Haus und Hof nimmt sich Astrid Steiner Zeit für ein weiteres Talent von ihr: Unter dem Label «Steinäherei» bietet sie Selbstgenähtes für Gross und Klein an. «Das ist dann meistens Abend- und Nachtarbeit», erzählt sie. Sie hat ein breites Sortiment an Kissen mit Schafrohwolle. Neben Textilien stellt sie Ringelblumensalbe her mit Blumen aus ihrem grossen Garten. Auch der Lavendel, den sie den Wollkissen beifügt, wächst rund ums Haus. Die Blumen sind fürs Auge und für die Freude, das Gemüse für die Selbstversorgung. Noch jetzt, im Februar, kann Astrid Steiner ihren eigenen Salat ernten. Und während Schneeflocken um den Hof tanzen, erzählt sie von den Tomaten, die sie bereits ausgesät hat.

Kaminfegerfamilie Steiner

Heute, am Schmutzigen Donnerstag, wäre Familie Steiner in einem normalen Jahr nach Beromünster gefahren, um dort mit Gleichgesinnten zu feiern. Und zwar alle fünf Steiners als Kaminfeger verkleidet, in selbst genähten Kostümen. Diese Tradition hat die Bäuerin nach ihrem Austritt aus der Guggenmusik beibehalten. Auch wenn sie beim Monsterkonzert nicht mehr selber auf der Bühne steht – so viel Fasnacht soll immer noch sein.

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