Der Wunsch nach letzten Ruhestätten ausserhalb von Friedhöfen ist in den letzten Jahren zu einem Bedürfnis verschiedener Bevölkerungsgruppen geworden. «Die Natur ist ein Kreislauf, in dem jeder Mensch einen Anfang und ein Ende hat. Das muss man einfach so nehmen, wie es ist», sagt Peter Rutishauser (54), Landwirt und Waldbesitzer in Hemmerswil – heute ein Ortsteil von Amriswil TG. Er besitzt eine Waldparzelle, die heute als «Friedwald» für Baumbestattungen genutzt wird: Das heisst, die Asche eines Verstorbenen wird bei den Wurzeln eines Baumes eingebracht.
Betrieb Rutishauser
Name: Peter Rutishauser Ort: Amriswil TG Ackerfläche: 25 ha in Pacht mit Obstbäumen, Kulturland (12 ha Silomais, Hafer, Weizen, Dinkel und Kunstwiesen) und Wald Viehbestand: 20 Mutterkühe (Simmentaler), 1 Stier (Limousin) Label: Silvestri Bio-Weiderind
Rutishausers Mischwald liegt fast einen Kilometer von seinem Hof entfernt. Dieser wird seit 22 Jahren als Friedwald genutzt und ist heute einer von 80 Friedwäldern in der Schweiz. Baumbestattungen dürfen hierzulande seit 1995 stattfinden und die Anzahl an Fried- oder Ruhewäldern nimmt laufend zu. Ein mancher Waldbesitzer könnte sich einen guten «Zustupf» verdienen: «Ein ‹Friedwald› ist die Alternative zum herkömmlichen Wald.»
«Die Baumbestattung ist ein interessantes Geschäftsmodell für Waldbesitzer.»
Peter Rutishauser über den Vertrag mit der Friedwald GmbH.

Ansonsten kreisen Rutishausers Gedanken weniger um Leben und Tod. Der Thurgauer Bauer beschäftigt sich hauptberuflich vor allem mit seinen Kühen, Obstbäumen, mit Ackerbau und Wald – insgesamt 25 Hektaren Land mit Pacht.
Ein Baum kostet über 4500 Franken
Sein Vater, Paul Rutishauser (87), von dem er vor 22 Jahren den Hof übernommen hat, sah 1999 ein Inserat der Friedwald GmbH in einer landwirtschaftlichen Zeitschrift. Die Nutzungsidee von Initiant und Unternehmer Ueli Sauter aus Mammern TG fand er passend für den 89 Aren grossen Wald über eine Vertragsdauer von insgesamt 99 Jahren. Der Vertrag wurde unterzeichnet, die Bewilligung erteilt und alles konnte im Grundbuch eingetragen werden. «Ein Baum kostet über 4500 Franken und ich erhalte einen vereinbarten Anteil. Auch für mich stimmt das», sagt Sohn und Besitzer Peter Rutishauser.
50 von 80 Bäumen bereits belegt
Es ist ruhig wie auf einem normalen Friedhof. Das Laub verschluckt unsere Trittgeräusche. Der Friedwald fällt nicht besonders auf. Er ist eingebettet in der Thurgauer Landschaft. Einzig die Tafel mit dem Hinweis «Friedwald – Baumbestattung» erinnert einen dann doch daran. Die Buchen und Birken sind in Peter Rutishausers Wald nur noch leicht belaubt.
Jetzt feiert der Lenz seine Triumphe zu Füssen der Bäume. «Bettseicherli» (Buschwindröschen) bilden einen weissen Teppich. In seinem Wald im «Schmittenholz» über der Hauptstrasse Amriswil–Arbon gibts Ahorn, wilde Kirschbäume, Linden, Walnuss, Douglasien, Fichten, Föhren und Vogelbeeren. «Es ist ein Mischwald mit über 80 Bäumen, über 50 davon sind bereits vom Friedwald belegt», so Rutishauser.

Bis zu 10 Gräber pro Baum möglich
Bei einem Friedwaldbaum können bis zu zehn Gräber im Erdreich im Umkreis von einem Meter um den Stamm liegen. Peter Rutishauser pflegt seinen Wald gerne, den die Friedwald GmbH bis 2099 nutzen kann. Er hebt auch mal eine Öffnung für eine Baumbestattung für das Unternehmen selbst aus. «Ein Loch für die Totenasche hat etwa einen Durchmesser von dreissig Zentimetern. Für mich ist es eine Arbeit wie jede andere.»

Parzelle wird möglichst naturnah gehalten
Viel Arbeit hat er mit dem Wald nicht und das Grundstück soll möglichst «naturnah» bleiben. Mit einer Motorsense mäht er die Brombeerdornen ab und entfernt dürres Geäst. Der Zugang soll Angehörigen und Freunden der Bestatteten immer möglich sein. Naturnah – das ist für viele Menschen ein wichtiges Argument für den Bestattungswald, weiss Rutishauser, der auch mal mit Trauernden oder Besuchenden in seinem Wald ins Gespräch kommt. An einer Bestattung hat er hier allerdings noch nie teilgenommen.

Auf Rutishausers Hof gibt es auch Parkmöglichkeiten für Besucher. Ab und zu schaut Thomas Brändle, der ausgebildete Forstwart und Beauftragte der Friedwald GmbH, vorbei und steht ihm für Rat und Tat zur Seite. Mehr Arbeit hat Rutishauser mit dem Wald nicht.
Ein weiterer Friedhof in Oberaach gut vorstellbar
In den vergangenen 20 Jahren auf dem Amriswiler Friedwald habe Peter Rutishauser nie daran herumstudiert, dass auch er einmal hier liegen werde. Seine Eltern hätten dagegen bereits einen Baum ausgesucht. Peter Rutishauser besitzt in Oberaach, etwa vier Kilometer entfernt, einen anderen Mischwald mit Eichen. Er könnte sich einen weiteren Friedwald dort gut vorstellen.
Konzept Waldfriedhof
Etwa 3000 Beisetzungen haben seit 1995 in den Schweizer Friedwäldern stattgefunden. Ueli Sauter, 1941 in Kreuzlingen TG geboren, gilt als eigentlicher Erfinder der Idee, die Asche von Verstorbenen im Wald bei den Wurzeln eines Baumes zu bestatten. Sein patentiertes Geschäftsmodell mit dem Namen «Friedwald» hat er 2000 auch erfolgreich nach Deutschland exportiert. 80 Friedwälder in 12 Kantonen In der Schweiz umfasst sein Angebot aktuell 80 verschiedene Wälder in 12 Kantonen, die eine Fläche von 1 bis maximal 5 Hektaren umfassen. «Ein Nutzungsrecht kostet ab 4900 Franken exkl. MwSt. Beim Baum dürfen dann bis 10 Bestattungen – die Sie bestimmen – vorgenommen werden», schreibt die Friedwald GmbH in Mammern TG auf ihrer Webseite. Schön gelegene Laub- und Mischwälder haben am meisten Erfolg Sauter ist an weiteren Waldparzellen in der ganzen Schweiz interessiert. Er betont, dass schön gelegene Laub- und Mischwälder am meisten Erfolg haben, zum Beispiel mit Blick auf einen See, Fluss oder die Alpen. Solche Wälder gibt es beispielsweise in Mammern oder Tägerwilen am Bodensee oder auf dem Berner Hausberg Gurten. Ziel sei es, in schönen Waldregionen ein einheitliches und ökologisch anerkanntes Naturbestattungskonzept zu gewährleisten. «Wichtig ist für mich aber nicht nur ein schöner Wald, sondern ich erwarte auch, dass der Waldbesitzer mit Freude und Engagement hinter meiner Idee steht», so Ueli Sauter (80). Ein weiteres wichtiges Kriterium sind Parkplätze in der Nähe des Waldstücks. Website: www.friedwald.ch

