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Ein Gespräch mit Judith Locher über den Stellenwert von Nähen und Flicken

Judith Locher, Fachperson für textiles Gestalten, ist der Meinung, dass Flicken schnell gehen sollte. Ausserdem verrät sie ein paar einfache Tipps rund ums Nähen und auf was man beim Kauf einer Nähmaschine achten sollte.

An den Bäuerinnenschulen ist Nähen ein Wahlmodul und im Modul Reinigungstechnik, in dem Flicken gelehrt wird, werden Lektionen zugunsten betriebswirtschaftlicher Fächer gestrichen (wir berichteten). Ein Gespräch mit Fachfrau Judith Locher über den Stellenwert von Nähen und Flicken.

BauernZeitung: Judith Locher, was ist der häufigste Anfängerfehler beim Nähen?

Judith Locher: Dass man sich überfordert.

Was meinen Sie damit?

Die Frauen gehen in einen Stoffladen, kaufen sich einen schönen Stoff und wollen daraus z. B. ein Abendkleid nähen. So etwas braucht Zeit und Geduld, vor allem fürs Anpassen und Ausarbeiten. Das sind Arbeiten, von denen man nicht viel sieht, und sie müssen gegen Ende des Moduls gemacht werden.

Ein Ratschlag von Ihnen, dass das nicht geschieht?

Früher begleitete ich die Frauen ins Fachgeschäft und half beim Aussuchen des Stoffs. Oft könnte man für den Preis des Materials bereits ein fertiges Abendkleid kaufen. Meine häufigste Empfehlung war dann, das Kleid zu kaufen und als Start mit einem einfachen Jäcklein dazu zu beginnen. Oder ein Schnittmuster auswählen, das für Anfängerinnen geeignet ist.

Flicktipps von der Fachfrau

Die richtige Einlage: Beim Wiefeln oder beim Flicken mit der Bogennaht eine gewobene Klebeeinlage verwenden. Die Klebevliese aus dem Verkauf sind die falsche Einlage, sie lösen sich auf oder können die Belastung nicht aushalten. Dabei sollte die Unterlage eine Hilfe sein und das Gewebe zusammenhalten.

Auf den Faden kommt es an: Auf Qualitätsfaden achten und keine alten Fäden verwenden.

Das sollte man regelmässig tun: Die Nadel wechseln.

Nur Originalspulen verwenden: Die billigeren sind manchmal krumm und ­machen so die Maschine kaputt. 

Zur Person

Judith Locher unterrichtet am BBZ Arenenberg textiles Gestalten. Von 1998 bis 2013 war sie Lehrerin für textiles Gestalten an der Bäuerinnenschule Kloster Fahr.

Ein Gespräch mit Judith Locher über den Stellenwert von Nähen und Flicken

(Bild Judith Locher)

Wie ist das Vorwissen der Frauen in Sachen Nähen bei Ihnen in der Ausbildung?

Es wird immer weniger. Auch die Ausbildung hat sich verändert. Früher mussten an der Bäuerinnenschule alle an die Nähmaschine. Ab 2003 wurde Nähen dann ein Wahlmodul und ich beobachtete, dass textiles Gestalten mit anderen Wahlmodulen konkurrieren musste. Mit 60 Lektionen plus den Materialkosten ist es eher ein teures und zeitintensives Modul. Es muss schon ein Hobby sein, dass man das macht. Selber nähen ist ein Luxus, doch die, die kommen, kommen wirklich gerne.

Ich habe mich auf zehn Frauen pro Kurs beschränkt, damit ich für alle genügend Zeit habe. Denn, wenn ich nur bei jeder Teilnehmerin drei Minuten erkläre, ist bereits eine halbe Stunde vorbei.

Was mache ich, wenn ich nähen will, aber nicht genügend Know-how habe?

Ich würde mir eine Nähgruppe suchen. Nebst Unterstützung hat man dort auch Gesellschaft. Es gibt auch auf Facebook Nähgruppen, die sich austauschen.

Nebst textilem Gestalten gibt es ja noch das Flicken.

Das ist im Modul Reinigungstechnik immer noch obligatorisch. Wir lehren in acht Lektionen wiefeln, Risse flicken, bei Überkleidern Knie ersetzen, Knöpfe oder Aufhänger annähen. Gemeinsam suchen wir auch nach Lösungen, wie etwas geflickt werden kann.

Hätten Sie ein Beispiel dazu?

Das Lieblingshemd meines Mannes hat ein Loch. Wo nehme ich Ersatzstoff her? Eine mögliche Lösung wäre, die Brusttasche zuzunähen und den Stoff auf der Innenseite herauszuschneiden. Mit kreativem Freisticken wäre ich vorsichtig. Selbst Kinder mögen es nicht unbedingt.

Was lohnt sich zu flicken?

Grundsätzlich lohnt es sich, alles zu flicken: also Kinderkleider, Socken, Unterwäsche usw. Wir haben ja auch eine Verantwortung der Umwelt gegenüber und sollten darauf achten, dass der Abfallberg nicht zu gross wird.

Auf jeden Fall würde ich eine Überhose flicken. Das ist auch eine Wertschätzung an die Person, die sie trägt und damit hart gearbeitet hat. Wer mit einer schön geflickten Hose herumläuft, kann stolz sein, auf das, was er oder sie leistet.

Flicken sollte übrigens schnell gehen. Wenn ich also anstatt auswärts Kaffee zu trinken, etwas flicke, lohnt sich das. Sobald ich aber eine Lohneinbusse in Kauf nehme, sollte man es sich schon überlegen.

Zum Nähen gehört auch eine Nähmaschine. Worauf achte ich beim Kauf?

Bei einer neuen Maschine muss man mit zirka 2000 Franken rechnen. Der Freiarm sollte eine gewisse Breite haben. Bei den billigen Maschinen ist dieser meist zu kurz und es hat zu wenig Platz zum Arbeiten. Das stört z. B. beim Flicken eines Knies einer Überhose. Auf Zierstiche und ein Stickmodul kann man verzichten. Für wenig Geld kann ich mir im Fachgeschäft etwas sticken lassen. Wer nur ab und zu einen Saum umnähen will, kann auch eine Occasionsmaschine kaufen.

Buchtipp: Flicken mal anders

Im Buch «verflickt und zugenäht» beschreibt die Autorin nicht nur, wie man Löcher und Risse richtig flickt. Sie hat auch Lösungen für den Notfall parat und zeigt, wie man auf dekorative Weise etwas reparieren kann. Das Buch ist für Anfängerinnen, sowie für Personen, die mal etwas Neues ausprobieren möchten.

Kerstin Müller, «verflickt und zugenäht», 128 Seiten, Haupt Verlag, Fr. 27.–

Ein Gespräch mit Judith Locher über den Stellenwert von Nähen und Flicken

Buchcover (Bild Haupt Verlag)

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