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Die Geschichte der Urnäscher «Rhodsfahne»

In der Dauerausstellung des Brauchtumsmuseums Urnäsch wird die älteste, noch heute erhaltene Darstellung des Bären als Wappentier für das Land Appenzell neu präsentiert. Ursula Karbacher verrät uns die Geschichte dahinter.

Sicherlich kennen Sie das Wappentier der beiden Appenzell. Es ist ein schwarzer, aufrecht stehender Bär auf weissem Grund. Im Wappen Ausserrhodens stehen zusätzlich die Buchstaben «VR» für «Vsser Rhoden».

In der Dauerausstellung des Brauchtumsmuseums Urnäsch wird die älteste, noch heute erhaltene Darstellung des Bären für das Land Appenzell neu präsentiert. Das Wappentier findet sich auf einer Fahne der Urnäscher Talschaft, der Rhode Urnäsch. Datiert wird dieses absolute Highlight nach neusten Untersuchungen auf die Zeit um 1350.

Eroberung aus Feldzügen

Die Bezeichnung Rhod umschreibt den Teil eines grösseren Gebietes, in welchem Abgaben erhoben wurden. Rhod hat somit nichts mit roden zu tun. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts unterteilt der Abt des Klosters St. Gallen die appenzellischen Meierämter in sechs innere und sechs äussere Rhoden. Diese dienen als Verwaltungsbezirke und als Aushebungsrayons für militärische Zwecke.

Angeblich soll ein Urnäscher die Rhodsfahne aus den italienischen Feldzügen mitgebracht haben. Dazu gibt es keine weiteren Nachweise. Möglicherweise diente die Fahne auf äbtischen Feldzügen in Italien als Zeichen der Urnäscher Krieger.

«Ein elend gemaltes Tuch»

Neben dieser Überlieferung hat die Fahne eine weitere, ganz spezielle Geschichte: DasAppenzeller Wappentier ist nämlich nicht alleine zu sehen. Der schwarze, kraftvolle Bär mit leuchtend roter Zunge, Krallen, Maul, Ohren und erigiertem Glied schreitet auf seinen Hinterbeinen auf einen bärtigen Mann mit langen Haaren zu. Heiligenschein, Buch und Kreuz weisen den Mann als Apostel Philippus, den Urnäscher Kirchenpatron, aus.

Wegen der Darstellung des Heiligen verschwindet die Fahne 1524 im Zuge der Reformation für die nächsten dreihundert Jahre im kirchlichen Archiv. Erst 1816 wird das bemalte Tuch wiederentdeckt, abgebildet und beschrieben. Doch noch 1840 findet der reformierte Pfarrer von Urnäsch, dass die dargestellte Heiligenfigur «elend gemalet» sei und hält die Fahne nicht als wertvoll.

Kein Tausch mit den Innerrhödlern

Einen ganz anderen Bezug zum dargestellten Heiligen haben die Katholiken Innerrhodens. Für sie handelt es sich um eine Abbildung des verehrungswürdigen heiligen Philippus. Zum Tausch für die Fahne bieten sie den Urnäschern ihre holzreiche Sommeralp Langfluh, auch Nonnenfluh genannt, an. Aus Missgunst und «Religionshass» geht die Gemeinde Urnäsch jedoch nicht auf den Handel ein und behält trotzig die ihnen wertlos erscheinende Leinwand.

Glücklicherweise ändert sich mit der Zeit die Meinung der Urnäscher zu diesem für sie einst unnützen Tuch. Sie lassen die Fahne reparieren, später restaurieren, stilistisch einordnen und 1949 im Gemeindesaal aufhängen. Im Jahr 2007 untersucht, restauriert, datiert und montiert die Textilrestauratorin Meri Tuuli Aegerter von der Abegg-Stiftung in Riggisberg das Textil nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Zur Autorin

Ursula Karbacher ist Kuratorin des Appenzeller Brauchtumsmuseums Urnäsch. Sie schreibt regelmässig für die Rubrik «Arena» im Regionalteil Ostschweiz/Zürich der BauernZeitung.

Brauchtumsmuseum Urnäsch

Öffnungszeiten:

Mo bis Fr: 9 - 11.30 Uhr
Sa: 9 - 11.30 Uhr; 13.30 - 17 Uhr
So: 13.30 - 17 Uhr

Eintrittspreise:

  • Erwachsene: 8 Franken
  • Kinder/Schüler bis 16 Jahre: 4 Franken
  • Gruppen ab 10 Pers.: 6 Franken pro Person

Weitere Informationen: www.museum-urnaesch.ch

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