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Markus Sarbach ist der "Geissenkusi" vom Wallis

Bergbauer, Bergführer, Lehrer und sechs Jahre Politiker – Markus Sarbach ist ein vielseitiger und engagierter Mensch.

"Ja, das Freilichtspiel in Zermatt ‹Matterhorn: No Ladies please! › ", sagt Markus Sarbach, von allen ‹Kusi› genannt, "interessiert mich natürlich als Bergführer von hier." Er habe sich bereits mit den zwei früheren erfolgreichen Freilichtspielen "Matterhorn Story" (2015) und "Romeo und Julia am Gornergrat" (2017) befasst. Die Aufführungen der beiden ersten Stücke der Regisseurin Livia Anne Richard hat er besucht und die Theaterfrau getroffen. Sie sei eine feine, beharrliche Person, eigentlich so wie die Engländerin Lucy Walker, die Hauptperson in dem von ihr geschriebenen Stück. Die Geschichte der jungen Adligen, die 1871 als erste Frau das Matterhorn erklimmen wollte und damals selbstverständlich auf viele Widerstände stiess, interessiere ihn. Aber auch die Darstellung der Bäuerinnen im Dorf zur damaligen Zeit, deren Männer feine Frauen mit manikürten Händen aufs Matterhorn begleiteten, berühre ihn.

Das Matterhorn als gewaltige Kulisse für ein Freilichtspiel

Auf 2600 Meter über Meer finden diesen Sommer zum dritten Mal die höchstgelegenen Freilichtspiele Europas statt. Mit grandioser Aussicht aufs Matterhorn kommt erneut eine emotionale und packende Geschichte auf den Riffelberg, gesprochen in Walliserdeutsch, Deutsch und Englisch. Die Aufführungen finden statt vom 13. Juli bis 1. September. Eine kurze Vorstellung sowie ausführliche Informationen über Vorstellungsdaten und Preise, Tickets, Packages und Anfahrt gibt es unter: http://freilichtspiele-zermatt.ch/de/ oder Dienstag und Donnerstag von 10 bis 15 Uhr unter Tel. 027 527 01 50.

Kinder sind unkompliziert

Seit rund drei Jahrzehnten stellt sich Markus Sarbach selbst als Bergführer Frauen und Männern zur Verfügung; daneben ist er noch Bauer und Lehrer und machte während der letzten sechs Jahre einen Abstecher in die Gemeindepolitik. Er ziehe allerdings die Natur, die Berge, seine geliebten Geissen, seine Schottischen Hochlandrinder und – besonders – die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen der Atmosphäre in der Amtsstube vor. Kinder seien noch ehrlich und der Umgang mit ihnen unkompliziert.

Exotische Ziegen

"Meine 20 Pro-Specie-Rara-Ziegen der Gruppe der Walliser Ziegen, nämlich Schwarzhalsziege, Capra Sempione (Simplonziege) und Grüenochte Geiss sind wie Lucy Walker Exotinnen", lacht der "Püür". Er schüttelt oben an einem Hang im Weiler Tennjen Altbrot in einer Papiertasche. Die Ziegen ruhen 200 Meter weiter unten, schauen herauf, erheben sich gemächlich und kommen gemütlich und vornehm ihrem Halter entgegen. Da gibt es kein Rennen, kein Drängen, kein Zicken. Sie umringen ihn, es scheint weniger des Brotes wegen, als weil sie nah bei ihm sein wollen. Kusi Sarbach schwärmt von den schlanken Tieren, ihrem prächtigen langen Haarkleid, ihren kräftigen Hörnern und ihrem ruhigen Charakter. Die Tiere sind eine Augenweide und lassen sich auch von Unbekannten streicheln. Der Ziegenzüchter nimmt sich Zeit, es ist spürbar, dass er sich hier am Hang mit Blick auf das Brunegghorn wohl fühlt.

Heiratsantrag auf dem Gipfel

Kusi Sarbach erzählt von seiner Arbeit als Bergführer, wobei er öfter auf dem Dom war als auf dem Matterhorn. Der Dom ist Teil der Walliser Alpen und mit 4545 Metern der höchste Berg, dessen ganze Basis in der Schweiz liegt. Der Bitte um eine schöne Geschichte kommt er gerne nach und berichtet über die schönste aus seiner Sicht, welche sich an Weihnachten zutrug. Er führte ein Paar, sie Amerikanerin, er Schweizer, aufs Breithorn, ein stark vergletscherter Bergkamm der Walliser Alpen mit 4164 Meter. Auf dem Gipfel sei es eisig kalt gewesen und sie hätten nur eine kurze Pause eingelegt. Beim Abstieg habe der Mann auf einem Felsen seiner Begleiterin einen Heiratsantrag gemacht, den sie angenommen habe. "Die meisten machen das auf dem Gipfel", erklärt der Bergführer. Das sei ein spezielles Erlebnis gewesen und er sei natürlich zur Hochzeit eingeladen worden.

Die Berge und der Mensch

Die Berge und was sie mit den Menschen machen, ist ein weiteres Thema, worüber er gerne philosophiert. Er setzt sich seit bald 30 Jahren dafür ein, dass junge Menschen ebenso den Weg finden zu den Bergen. Jeden Mittwoch organisiert Markus Sarbach Kletternachmittage für Kinder und Jugendliche; es kommen jeweils über 20. Er ist nämlich überzeugt, dass Berge Lebensschule sein können. Er brauche für ein Beispiel gar nicht weit zu gehen, lächelt er, denn er sei als Kind ein Angsthase gewesen. Der Umgang mit dem Berg habe ihm aufgezeigt, was alles in ihm stecke. Kusi Sarbach, ein stark engagierter Mann mit Familie: Seine Frau Stephanie leitet eine Hofspielgruppe, Sohn Grégory macht eben die Matura und unterstützt den Vater bei der Betreuung der Tiere und Tochter Livia baute selbständig eine gut besuchte Tanzschule im Dorf auf. Trotz der vielen unterschiedlichen Engagements gibt er einem in keinem Moment das Gefühl, er stehe unter Druck. Im Gegenteil! Die Familie, die Berge, die Ziegen und die jungen Menschen sind es wohl, die ihm guttun.

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