Rund 4500 Mitglieder zählt der Ehemaligenverein. Die Mitglieder sind hauptsächlich ehemalige Schüler(innen) der Landwirtschafts- und Bäuerinnenschulen des Kantons Luzern und weitere Interessierte. Er zählt mit seiner hohen Mitgliederzahl zu den grössten Vereinen im Kanton Luzern.
Weder Werbung noch Politik
Das Ehemaligenblatt ist das wichtigste Kommunikationsmittel des Vereins, das geht gar ins Staatsarchiv. Vonseiten Staatsarchiv erhalten die Federführer des Blättchens beste Rückmeldungen. «Für sie ist unser Blatt sehr interessant, speziell weil wir ohne Werbung existieren und politisch neutral bleiben», erklärt Helen Husmann, die Präsidentin des Vereins. Schwierig sei es, wenn man Anfragen für Zusammenarbeiten erhalte. So musste sie schon einzelne Anfragen absagen, weil es nicht zum Leitbild des Ehemaligenvereins passt. «Oberstes Gebot ist, dass wir politisch neutral bleiben», erklärt sie.
Husmann und ihre Vorstandskolleg(innen) haben sich vorgenommen, in Zukunft das Kursangebot für Frauen auszuweiten. Es sollen die Erfahrungen und Erlebnisse aus dem bäuerlichen Alltag geteilt und diskutiert werden. Auch die restlichen Vereinsmitglieder werden zur Weiterbildung und zum Austausch an den jährlich zwei Flurbegehungen eingeladen.
Keine klassische Landwirtin
Helen Husmann wurde 2021 ins Amt als Präsidentin gewählt. Ihr Werdegang ist nicht die klassische Ausbildung zur Landwirtin. Sie absolvierte die Matura, anschliessend ein einjähriges Landwirtschaftspraktikum auf einem Lehrbetrieb und besuchte danach die HAFL (Fachrichtung Agrarwirtschaft). Ihr Entscheid für die Ausbildung zur Agronomin war naheliegend. «Ich wollte die Matura nutzen und trotzdem in der Landwirtschaft tätig sein, die HAFL bietet die idealen Möglichkeiten», erklärt Husmann. Noch immer bereitet ihr die Arbeit im Stall oder auf dem Feld viel Freude. Mittlerweile hat Husmann aber auch gefallen am Haushalten und Gärtnern gefunden und könnte sich gut vorstellen, das klassische Rollenbild zu leben, sollte sie mit ihrem Partner dessen elterlichen Hof übernehmen.
Moderne Rollenverteilung
Den Hof ihrer Eltern hat ihr Bruder übernommen. «Oft ist bei einer Hofübergabe klar, dass der Sohn übernehmen wird», aber ansonsten findet die Präsidentin die Geschlechterrollen auf Bauernhöfen immer moderner verteilt. Auch in ihrem Beruf als Mandatsleiterin Treuhand fühlt sie sich als junge Frau nicht benachteiligt. «Ich habe nicht das Gefühl, von den Landwirten anders behandelt zu werden, wenn ich mit ihnen den Buchhaltungsabschluss, die Steuererklärung oder eine Betriebsberatung bespreche.»
Mann und Frau betroffen
Angesprochen auf ihre Ansicht bezüglich sozialer Absicherung der Bäuerinnen, möchte sich die Treuhänderin nicht zu stark äussern. Sie ist der Auffassung, dass dieses Thema sehr umfassend und gleichzeitig auch individuell ist. «Wenn Frauen eine schlechte Vorsorgeabsicherung haben, sind in den meisten Fällen deren Männer auch betroffen. Natürlich gibt es noch viel Verbesserungspotenzial in diesem Bereich, vor allem bei den älteren Generationen.» Bei der jüngeren Generation sei dies bereits etablierter. Zudem gäbe es Vorteile gegenüber der privaten Bevölkerung. So habe man als selbstständig erwerbende Person die Möglichkeit, seiner Frau einen Lohn zu bezahlen und freiwillige Beiträge in die Vorsorge zu bezahlen.
Wenn sie nicht an Buchhaltungen oder Steuern für die landwirtschaftliche Bevölkerung sitzt, nutzt Helen Husmann ihre Freizeit, um auf dem elterlichen Hof oder dem des Partners mitzuhelfen. Überhaupt verbringt sie ihre freien Stunden gerne in der Natur, im Garten, in der Küche oder beim Wandern. An ihrer Arbeit im Ehemaligenverein schätzt sie den Austausch mit den Vorstandskollegen und der landwirtschaftlichen Bevölkerung. Auch die Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Teil des Vereins. Zum Beispiel die Aktion «Luzern muht», die alle drei Jahre stattfindet, so auch im September 2022.
Gelebte Nachhaltigkeit
«Wir suchen den Kontakt mit den Konsumenten, wir möchten ihnen die Landwirtschaft und die Arbeit näherbringen. Dadurch ergeben sich wertvolle Gespräche.» Die Bevölkerung fordert Nachhaltigkeit und stellt dabei die Landwirtschaft und somit die Bauernfamilien oft an den Pranger. «Dabei sind es eigentlich genau diese Werte, welche auf den Bauernhöfen schon immer gelebt werden. Bäuerinnen kochen saisonal, regional und nicht verschwenderisch. Wir alle wissen, wie viel Zeit die Produktion von Lebensmittel benötigt.» Die Arbeit mit und in der Natur sei eine Bereicherung. «An einem Samstag müssen wir nicht mit dem Auto ins Grüne fahren, um uns zu erholen», stellt Husmann fest.

