Bei einem Hofrundgang merkt man schnell: Hier sind kreative Köpfe am Werk. «An den Ideen mangelt es uns nicht, es fehlt meistens an der Zeit, diese umzusetzen», sagte Martin Zimmermann. Seit über 30 Jahren bewirtschaftet er mit seiner Frau Verena Zimmermann einen Betrieb gemäss den Richtlinien von Bio Suisse. Damit gelten sie im Linthgebiet quasi als Bio-Pioniere in der Region. Der Hof liegt weit über dem Walensee in steilem Gelände mit wunderbarem Blick auf den See und die umliegenden Berge.

Regenerative Landwirtschaft
Martin arbeitet Vollzeit auf dem Betrieb. Verena hilft auf dem Hof und arbeitet nebenbei noch in einem 45 %-Pensum als Lehrerin. Mit seiner Produktionsrichtung strebt das Betriebsleiterpaar nicht nur Nachhaltigkeit an, sondern eine regenerative, also aufbauende Landwirtschaft. Eine von ihnen angewandte Methode ist zum Beispiel der Humusaufbau auf den Wiesen. Durch die Herstellung von Pflanzenkohle aus dem eigenen Holz haben sie einen perfekten Naturstoff, der Nährstoffe im Boden speichert und dosiert wieder an die Pflanzen abgibt.
Auf dem Hof fühlen sich verschiedene Tiere wohl. Ein junger Stier, eine grosse Herde Rinder, die im Aufzuchtvertrag mit anderen Biobetrieben gehalten werden. Neu leben Mutterkühe der kleinen Rasse Lowline Cattle ebenfalls auf dem Hof. Diese sind mit ihrem geringen Gewicht ideale Pflanzenfresser für die steilen Hänge und Weiden. Eine kleine Ziegenherde, Hühner, eine Katze und der Hofhund runden den vielseitigen Betrieb ab. Die fünf gemeinsamen Kinder, wovon vier noch zu Hause leben, unterstützen Martin und Verena Zimmermann so gut es geht bei allen Arbeiten.

Spontaner Hofbesuch
«Martin arbeitet 150 % auf dem Hof, trotzdem bleibt ab und zu die Zeit, um gemeinsame Projekte zu realisieren», sagt Verena Zimmermann. Eines dieser Projekte begann im Jahre 2016.
Als Lehrerin bekam Verena Zimmermann an einem Mittwochnachmittag die Möglichkeit, mit ihren Gymnasiasten eine Exkursion zu machen. Dort kam sie auf die Idee, dass sie den Jugendlichen den Hof zeigen könnte, damit die Lernenden einen Einblick in den Biolandbau und die Tierhaltung erhalten.
Nach dem erfolgreichen Nachmittag nutzte Verena diese Möglichkeit und wollte das Angebot erweitern. Daraufhin erstellte sie zusammen mit ihrem Mann verschiedene Lernstationen mit Aufgaben. Als Belohnung wartet auf die Besucherinnen eine Schatztruhe zum Öffnen. Zusätzlich errichteten sie auch einen Grillplatz mit Blick auf den See.
Erfolgreiches Modell
Seit sechs Jahren begrüssen sie auf ihrem Hof immer wieder verschiedene Klassen oder andere Gruppen. Die Besuchenden können die Landwirtschaft hautnah erleben und Neues zu Natur und Tier erfahren. «Ich merke einen riesigen Unterschied, ob ich das den Schüler(innen) im Schulzimmer oder direkt auf dem Hof zeige. Wenn sie die Sachen mit eigenen Augen sehen, dann lernen sie viel schneller», bestätigt die Lehrerin. Die Besucher(innen) kommen meistens aus der Region. Einmal kam eine Klasse aus der Stadt Zürich. Die fünffache Mutter schätzt den Austausch mit den Jugendlichen: «Alle haben einen anderen Hintergrund. Der Unterschied zwischen den Stadt- und Landkindern ist nicht so gross, wie wir das anfangs dachten. Nur weil jemand auf dem Land aufgewachsen ist, hat er nicht zwingend einen Bezug zur Landwirtschaft.»
Verena Zimmermann möchte den jungen Erwachsenen in erster Linie aufzeigen, was es alles braucht, bis ein Produkt im Landen steht. Jeder Konsument hat eine Verantwortung, die er wahrnehmen muss. Das, was von der Konsumentin gekauft wird, unterstützt sie. «Der Konsument trägt die Verantwortung, wie es dem Tier geht. Wenn ich als Bürgerin ein billiges Import-Ei kaufe, dann bin ich indirekt für das Wohlergehen dieses Huhns verantwortlich», ist Verena Zimmermann überzeugt. Wenn sich die Besucher(innen) am Ende des Tages dieser Verantwortung bewusst seien, habe sie ihr Hauptziel erreicht, äussert sich dieGymi-Lehrerin. Sie weiss, dass die Jugendlichen in dieser Hinsicht zu wenig aufgeklärt werden. Es ist ihr deshalb ein grossesAnliegen, diese Konsumentenverantwortung den jungen Leuten aufzuzeigen.

Weitere Spezialangebote
Vor gut einem Jahr wurden die Räumlichkeiten auf dem Hof ausgebaut und vergrössert. Ein multifunktioneller Schulungsraum wurde gebaut. «Dieser ermöglicht den Lernbauernhof-Besuchern auch bei ungünstiger Witterung einen unvergesslichen Tag zu erleben», zeigt sich Verena Zimmermann stolz.
Der Raum wird aber für weit mehr genutzt. «Letzte Woche fand hier eine Hochzeit statt.Aktuell haben wir vermehrtBuchungen für Firmenessen», erklärt sie. Es werden aberauch Geburtstage, Gruppen-events oder Sonntagsbrunchs auf diesem Hof gefeiert.
Die Familie Zimmermann hat diesen Raum mitten in der Corona-Krise fertiggestellt. «Das Interesse war gross und wir bekamen viele Anfragen, doch aufgrund der Restriktionen konnten wir fast keine Anlässe durchführen», sagt Verena Zimmermann enttäuscht. Seitdem die Innenräume wieder offen sein dürfen, kommt auch mehr Leben auf den Hof und die Besuche und Lerntage häufen sich. «Zwischen den Sommer- und den Herbstferien, konnten wir pro Woche im Durchschnitt rund drei Klassen begrüssen», zeigt sich die Lehrerin erfreut.
Offen für Neues
Diese Grossfamilie hat noch viele Projekte und Ideen. «Im Moment ist aber nichts Neues geplant, wir sind sehr zufrieden mit der aktuellen Situation. Die neue Infrastruktur bietet uns für den Moment genügend neue Möglichkeiten», sagt Martin Zimmermann.
Weitere Informationen: www.lernbauernhof.ch
Betriebsspiegel Biohof Saalen
Name: Biohof Saalen, Lernbauernhof Ort: Weesen SG Wies- und Weideland: 30 ha Produktionsrichtung: Bio Suisse Betriebszweige: Aufzuchtrinder und Schulungsangebote Tierbestand: 55 Rinder, 5 Ziegen, 3 Lowline-Kühe, 5 Hühner

