Schon die Anfahrt zum Heimet Oberbärchi im Isenthal ist ein Erlebnis. Vorbei an Seedorf geht es dem Urnersee entlang Richtung Isleten. Trotz des kalten Winterwetters ist das milde Klima dieser Gegend an den exotischen Pflanzen wie Palmen oder Bananenbäumen erkennbar. Doch schon fünf Fahrminuten später ist man bereits in alpinem Gelände. Über die kurvige, in den Fels gehauene Strasse mit überhängenden Felswänden gehts zügig ins Isenthal. Zwei Kilometer nach dem Dorf heisst es raus aus dem geheizten Auto und Umsteigen auf die Seilbahn, welche zwar über eine romantische, aber auch sehr luftige Kabine verfügt.
Teurer Helikoptertransport
Für die Familie Eberli vom Heimet Oberbärchi ist die Bahn die einzige bequeme Verbindung ins Tal, denn eine Strasse gibt es keine. Die Bahnanlage ist ohne elektronische Steuerung und kann nur von der Bergstation aus bedient werden. «Gehen wir alle miteinander ins Tal, heisst das, dass auf dem Heimweg einer von uns erst hochlaufen und die Bahn bedienen muss», erklärt Thomas Eberli. Der familieninterne Speed-Rekord für die gut 200 Höhenmeter hält der 16-jährige Jonas mit gut neun Minuten. Wandernd ist das Wegstück in 30 Minuten zu schaffen. Mit bis zu 300 kg kann die 40-jährige Bahn beladen werden. Für schwerere Lasten kommt der Helikopter zum Einsatz. «Der Occasion-Mistkran, welchen ich kürzlich gekauft habe, war günstiger als dessen Flugtransport auf unseren Betrieb», so Thomas Eberli. Die eigenen Mastkälber können mit einer Transportkiste ins Tal gefahren werden. Rinder oder gar Kühe sind dafür aber zu schwer.
«Alle in der Familie sollen gesund bleiben.»
Dies wünscht sich die sechsfache Mutter Heidi Eberli-Ziegler zu Weihnachten.
Mit Wehen ins Tal
«Ende Oktober müssen wir definitiv entscheiden, welche Tiere wir hier oben überwintern wollen. Denn der Fussweg ist im Winter für das Vieh zu gefährlich.» Auch für Menschen ist es, wie aktuell wegen der Lawinengefahr, nicht immer möglich, die Oberbärchi zu Fuss zu erreichen. Bläst dann noch der Föhn und verhindert den Bahnbetrieb, kann die achtköpfige Familie überhaupt nicht mehr ins Tal. Da der älteste Urner oft über die exponierte Sonnenterrasse bläst, sind es sich die Eberlis gewöhnt, zu Fuss ins Tal zu gelangen. Auch bei den ersten Wehen vor der Geburt ihrer Tochter Carmen hiess es für Heidi Eberli die Wanderschuhe zu schnüren. «Wir machten uns einfach etwas früher als sonst auf den Weg ins Spital», kommentiert Bäuerin Heidi Eberli das spezielle Ereignis in ihrer unaufgeregten Art.

Acht Jahre z Alp
Sechs Kinder haben sie und ihr Mann Thomas. Sandro, Jonas und David kamen bereits zur Welt, als sie noch z Alp waren. Acht Jahre lang führten sie die Alpkäserei Surenen auf dem Usser Äbnet im Engelbergertal. Seit 2010 bewirtschaften Thomas und Heidi Eberli nun das Heimet Bärchi. Sie konnten den Bergbauernbetrieb von Ruedi Arnold, welcher heute noch auf dem Heimet lebt, käuflich erwerben. Bereits als junges Mädchen war Heidi Eberli oft bei Ruedi Arnold und unterstützte diesen beim Heuen. Sie ist im Isenthal auf einem Bauernhof, welcher heute von ihrem Bruder bewirtschaftet wird, aufgewachsen. Ganz anders Thomas Eberli, den man fast schon als Unterländer bezeichnen könnte. Er stammt aus dem luzernischen Altwis bei Hitzkirch. Nach seiner Ausbildung zum Käser machte er in Seedorf die Zweitausbildung zum Landwirt. In Seedorf befindet sich nicht nur die Bauernschule, sondern auch das Restaurant Rössli, welches für seine lüpfige Ländlermusik bekannt ist. Dort lernten sich Thomas und Heidi kennen. Ihre Kinder sind im Alter von 3 bis 17 Jahren. Sandro und Jonas sind bereits in der Ausbildung. Dem Alter entsprechend fiebern dem Weihnachtsfest nicht mehr alle gleich intensiv entgegen. Während die dreijährige Jasmin eine neue farbenfrohe Bettgarnitur unter dem Christbaum finden wird, erhofft sich die neunjährige Carmen vom Christkind eine Frisierpuppe, an der sie ihre ersten Versuche als Coiffeuse machen kann. Auch die Wünsche vom elfjährigen Marco sind bescheiden: Eine neue Ländlermusik-CD.
Beliebte Viehzucht
Da sieht es bei Sandro, Jonas und David, den älteren drei, etwas anders aus. Anstelle von Weihnachtsgeschenkprospekten studieren sie lieber Genetik-Kataloge und Zuchtwertlisten von Braunviehtieren. Dass ihre Lieblingskuh Alpenrose mit Alpina kürzlich ein weibliches Gurtkalb gebar, war für sie schon ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Und Sandro hat sich selber gleich noch ein Geschenk gemacht. Er kaufte sich auf einem Zuchtbetrieb im Berner Oberland das Original Braunviehkalb Adina. Die Viehzucht hat auf dem Betrieb Oberbärchi einen sehr hohen Stellenwert.
«Der Occasion-Mistkran war günstiger als dessen Flugtransport.»
Thomas Eberli, Bergbauer und Familienvater.
Erfolgreiche Jungschwinger
Nicht nur die Viehzucht ist eine grosse Leidenschaft der Familie Eberli, auch der Schwingsport steht hoch im Kurs. Alle vier Jungs frönen dem Schweizer Nationalsport mit grosser Begeisterung. Der mit Zweigen prall gefüllte Kranzkasten zeugt von vielen erfolgreichen Teilnahmen an Nachwuchsschwingen. Ihren grossen Bewegungsdrang können die vier Söhne aber auch auf dem Bergbetrieb ausleben. Denn ob im Stall, auf dem Wiesland oder im Wald, Arbeit hat es immer genug. Die aktiven Jungs benötigten auch entsprechend viel Energie und grosse Mengen an Kalorien. Das zeigt auch die diesjährige Weihnachtsguetzli-Produktion der Familie Eberli. Total sieben Kilogramm Brunsli, Mailänderli und Spitzbuben haben Heidi und Thomas bisher zusammen gebacken. Dass diese Menge bis Heiligabend ausreicht, davon ist die Bäuerin nicht wirklich überzeugt. «Wenn es keine mehr hat, hat es halt keine mehr», so Heidi Eberli mit einem Schmunzeln.
Das Bauernpaar produziert in ihrem fast neuen Wohnhaus aber nicht nur viel Weihnachtsgebäck, sie verarbeitet in der Kleinsennerei auch eine ansehnliche Menge Milch selber. So wird der eigene, tägliche Joghurtbedarf von eindrücklichen drei Litern selbst hergestellt. Vor allem im Frühjahr, bevor alle Kühe z Alp gehen und die Mastkälber den Betrieb bereits verlassen haben, werden auch Käse und Butter hergestellt. Zudem schlachten sie jährlich meist eine Kuh und drei Schweine.
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Christbaum bereits gewählt
Die Selbstversorgung ist wichtig, denn was auf dem Hof hergestellt wird, muss nicht mittels Bahn beschafft werden. Das gilt selbstverständlich auch für den Christbaum. «Den habe ich bereits im vergangenen Sommer während des Heuens entlang der Waldränder vorselektioniert», erklärt Heidi Eberli mit einem Lachen. Ihr eigener Weihnachtswunsch ist ganz simpel: «Dass alle in der Familie gesund bleiben.»
Betrieb Oberbärchi
Familie Heidi und Thomas Eberli-Ziegler mit Sandro (17), Jonas (16), David (13), Marco (11), Carmen (9) und Jasmin (3) Lage: Bergzone 3 auf 1100 m ü. M. Flächen: 17,5 ha LN (davon 3,5 ha Pachtland), 40 Prozent BFF-Flächen (vorwiegend Magerwiesen von nationaler Bedeutung), 87 Prozent mit mehr als 35 Grad Hangneigung; 4,5 ha Wald. Viehbestand: 17 GVE, davon 10 bis 12 Kühe, 10 Rinder, 6 Aufzuchtkälber, 20 Mastkälber (Swiss Quality Veal), 9 Ziegen und 3 Schweine. Alle Kühe und das Jungvieh werden extern gealpt. Gebäude: Wohnhaus (Jg. 2016), Stall (1994), vier weitere ältere Gebäude.

