Die Bäuerin und vierfache Mutter Edith Camenzind aus Gersau ist eine routinierte Köchin. Und doch holt sie immer mal wieder das Kochbuch der Schwyzer Bäuerinnen hervor. «Ich koche nicht so nach Rezept, aber das Kochbuch gibt mir Ideen und Inspiration», sagt die Präsidentin der Schwyzer Bäuerinnenvereinigung.
Anderen Menschen geht es offenbar genauso. Seit das Buch «Schwyzer Bürinne chochid» vor 20 Jahren herausgegeben wurde, ist bereits die 8. Auflage ausverkauft. Jetzt wurde das Kochbuch zum 9. Mal mit 600 Exemplaren aufgelegt.
Es war streng
Marlen Betschart war vor 20 Jahren Präsidentin der Schwyzer Bäuerinnen. Damals gaben erste kantonale Bäuerinnenverbände Kochbücher heraus. «Das machen wir auch», erinnert sich Marlen Betschart an die Devise im Vorstand der Schwyzerinnen – alles Frauen mit Freude am Kochen und Backen. Die Begeisterung schwingt 20 Jahre später noch mit, wenn die Bäuerin über das Projekt spricht. «Das hat uns zusammengeschweisst. Es war streng, neben der Arbeit auf den Betrieben und die meisten mit kleinen Kindern, aber wir hatten den Plausch.»

300 Rezepte nachgekocht
Der Vorstand rief die Mitglieder auf, Rezepte einzuschicken, es kamen über 300 Einsendungen. «Wir haben so gut wie alle nachgekocht», erinnert sich Marlen Betschart. Zweimal mieteten sie dafür die Küche der Bäuerinnenschule in Pfäffikon, ihre Männer waren anschliessend zum Essen eingeladen. Viele überlieferten Rezepte wurden erst für das Kochbuch schriftlich festgehalten. «Jetzt habe ich mich mal hingesetzt und notiert, wie ich das koche», hörte Marlen Betschart damals von etlichen Frauen.
Sie selber holt das Kochbuch regelmässig aus dem Schrank, etwa an der Bäuerinnenschule am BBZ Pfäffikon, wo sie das Modul Produkteverarbeitung unterrichtet. «Vor Kurzem haben wir Sommersirup gemacht», auch der Zucchetti-Schoggi-Cake kommt ab und zu auf den Tisch.
Alltagstaugliche Rezepte
Der Kochbuchmarkt wird geflutet von neuen Werken, die sich auf die unterschiedlichsten Ernährungstrends berufen. Was macht ausgerechnet das Kochbuch der Schwyzer Bäuerinnen zu einem Evergreen? «Alltagstaugliche Rezepte mit regionalen Zutaten, die meistens auf Vorrat sind», lassen sich die Antworten von Edith Camenzind und Marlen Betschart zusammenfassen. Es gebe einfache Gerichte und festliche, Pikantes und Süsses, Vorspeisen, Beilagen, Hauptgänge, Desserts. «Für jede Gelegenheit etwas», sagt Edith Camenzind. Sie passe die Gerichte oft an, variiere zum Beispiel das Gemüse je nach Saison und was gerade so anfalle.

Jedes Mal, wenn auf SRF eine neue Staffel der Landfrauenküche laufe, sei das Kochbuch der Schwyzerinnen wieder stärker gefragt, weiss Edith Camenzind. «Dieses Kochbuch ist das Aushängeschild von uns Bäuerinnen und es ist ein Stück Schwyzer Kulturgut.» Sie schenkt es jeweils den jungen Frauen, die ein Jahr lang das bäuerliche Haushaltsjahr «Agriprakti» auf dem Betrieb ihrer Familie absolvieren.
Das Buch ist illustriert mit Zeichnungen zum Schwyzer Brauchtum. Das wurde vor 20 Jahren an der Vernissage zelebriert, mit Brauchtumsgruppen wie Klausjäger, Fasnachtsgesellschaft und anderem. «Das Buch war danach restlos ausverkauft», erinnert sich Marlen Betschart, «auch die Bestände, die wir eigentlich für uns zurückbehalten wollten, gingen weg.»
Jetzt kann das Kochbuch wieder gekauft werden via Bäuerinnenvereinigung und im Buchhandel. Auch ins Sortiment von Schwyzer Hofläden würde es ideal passen, findet Edith Camenzind.
Bilder gibts auf Instagram
Die 9. Auflage ist nebst wenigen Anpassungen unverändert. Ihr fehle höchstens etwas, sagt Edith Camenzind: «Die nächste Auflage könnten wir mit Bildern von den Speisen ergänzen.» Die gibt es schon heute auf dem Instagramkanal der Schwyzer Bäuerinnen, sie posten dort regelmässig Fotos von Gerichten, die sie nach Rezepten aus dem Kochbuch gemacht haben.

