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Das Geheimnis von Elisabeth Gebhards Blumensträussen: «Zehn Prozent ist Technik, der Rest ist Freude»

Seit über 40 Jahren bringt Elisabeth Gebhard aus Möriken im Kanton Aargau Schönheit unter die Menschen. Als junge Bäuerin begann sie mit dem Verkauf von Blumensträussen. Auch heute noch fährt die 69-Jährige zusammen mit ihrem Ehemann auf den Wochenmarkt.

Auf einem Urlaub in Sizilien wurde Elisabeth Gebhard angesprochen: «Sie sind doch die Blumenfrau aus Aarau?» Ja, die ist sie, seit über 40 Jahren. Für viele Menschen gehört zum Wochenende ein Strauss der Bäuerin aus Möriken. Die verkauft sie auch mit 69 Jahren noch immer auf dem Samstagsmarkt in Aarau.

Die romantisch-natürlichen Sträusse der Bäuerin sind auf dem Wochenmarkt in der Stadt sehr gefragt.
Die romantisch-natürlichen Sträusse der Bäuerin sind auf dem Wochenmarkt in der Stadt sehr gefragt.

Paradies hinter dem Haus

Schon als Kind liebte Elisabeth Gebhard Blumen und wollte haltmachen, wenn sie bei einer Fahrt über Land etwas Blaublühendes entdeckte. «Heute mag ich Rosatöne lieber», erzählt sie beim Rundgang durch ihren Naturgarten. Dort dominiert derzeit das Gold des Sonnenhutes, zartrosa schimmern die Hortensien, Zitronenfalter flattern um Schmuckkörbchen. Die Bäuerin pflegt ein kleines Paradies hinter dem 150-jährigen ehrwürdigen Bauernhaus in Möriken.

Das braucht viel Zeit. «Ohne die Hilfe von Köbi würde es nicht gehen», stellt sie klar. Köbi ist seit 44 Jahren ihr Ehemann.

Am Freitag ist Produktionstag. Jakob Gebhard rüstet die Pflanzen und bindet die Sträusse, die seine Frau zusammengestellt hat.
Am Freitag ist Produktionstag. Jakob Gebhard rüstet die Pflanzen und bindet die Sträusse, die seine Frau zusammengestellt hat.

Die Arbeit im Hausgarten bucht Elisabeth Gebhard als Freizeit ab. Ein halbes Dutzend Sitzplätze gebe es hier, sagt sie und lädt an diesem heissen Sommertag unter den schattigen Feigenbaum zu hausgemachtem Zitronenmelissen-Eistee und Seeländer Wassermelonen und schaut zurück.

Sie machte als junge Frau eine Lehre bei der Post, hängte die Ausbildung zur Hauspflegerin an und später die Bäuerinnenschule. Sie heiratete den Landwirt Jakob Gebhard und zog nach Möriken auf den Betrieb mit Ackerbau, Gemüse, Obst und Munimast.

Das Marktfahren hatte sich dort schon unter Mutter Gebhard etabliert. Die junge Bäuerin stieg in den Betriebszweig ein, zuerst eher widerwillig, schon bald mit Leib und Seele. «Statt nur Karottenbündel würde ich auch gerne Blumensträusse verkaufen», sagte sie sich eines Tages. Sie startete mit zehn Sträussen, später verkaufte sie an guten Markttagen 100 bis 150.

Die Technik der Spiralbindung liess sich die Bäuerin von einer Fachfrau zeigen, alles andere brachte sie sich selber bei.

Bärlauch und Apfelküchlein

Jakob und Elisabeth Gebhard probieren gerne Neues aus, brachten Chestenberger Bärlauch auf den Markt, lange bevor er gross in Mode kam. Apfelküchlein am Rüeblimärt bereiteten sie beim ersten Mal in der eigenen Fritteuse zu, für die grosse Nachfrage brauchte es schon bald drei Gastro-Fritteusen.

Die Munimast gaben sie während der BSE-Krise auf, die Direktvermarktung von Gemüse und Blumen trug den Betrieb weiter. Im Lauf der Zeit kam zu den Markttagen ein Hofladen.

Das Geheimnis von Elisabeth Gebhards Blumensträussen: «Zehn Prozent ist Technik, der Rest ist Freude»
Nicht nur am Wochenmarkt, sondern auch im Märthüsli vor dem Haus gibt es die Sträusse von Elisabeth Gebhard.

Zwei der drei Söhne sind in die Landwirtschaft eingestiegen. Der eine hat den Hof mit Ackerbau und Spezialkulturen übernommen und arbeitet noch 70 Prozent auswärts, der andere führt den Hofladen und das Marktgeschäft. Die Eltern haben den Betriebszweig Blumen behalten, vom Anbau auf 25 Aren bis zum Verkauf auf dem Wochenmarkt. Die meisten Blumen kommen vom eigenen Feld, die Blumenbörse dient zur Ergänzung.

Das Geheimnis von Elisabeth Gebhards Blumensträussen: «Zehn Prozent ist Technik, der Rest ist Freude»
Die meisten Blumen schneiden Gebhards auf ihrem eigenen Feld, von der Blumenbörse wird nur bei Bedarf ergänzt.

Elisabeth und Jakob Gebhard sind immer mit offenen Augen unterwegs und bringen spannende Gräser und Gewächse, Samen und Setzlinge nach Hause. Jeden Donnerstagmorgen schneiden sie Blumen auf ihrem Feld, putzen die Stiele und bringen sie zur Erholung in den Kühlraum. Freitag ist Produktionstag. Dann duftet die kühle Luft im Schopf nach Blumen, das Paar arbeitet Hand in Hand, ein eingespieltes Team seit Jahrzehnten: Er rüstet die Blumen, sie kreiert die Sträusse, er bindet sie, schneidet die Stiele zurecht und stellt sie in ein Gefäss. Nicht in irgendeines – es muss genau zum Strauss passen.

Plastik würde nicht passen

Krüge und Vasen füllen im Arbeitsraum ein Regal bis unter die Decke, Gebhards wollen ihre Sträusse auf dem Markt stilvoll präsentieren. Eingepackt werden sie in Papier, «Plastikfolie würde nicht passen», sagt Blumenfrau Elisabeth energisch. Bei solchen Dingen sei sie stur, Kundenwünsche hin oder her, auch Perlen und andere künstliche Dekorteile gibt es bei ihr nicht. Das schätze gerade eine junge Kundschaft, das Natürliche sei sehr in Mode. «Wild und romantisch, halt passend zu meinem Temperament», beschreibt die Bäuerin mit einem Lächeln ihren Stil. Die Kundschaft bevorzuge harmonische Ton-in-Ton-Kreationen. Kunterbunte Sträusse seien seltener gefragt, die würden meist von Männern gekauft.

Das Geheimnis von Elisabeth Gebhards Blumensträussen: «Zehn Prozent ist Technik, der Rest ist Freude»
Blumen und stilvolle Dekorationen gibt es rund um das Haus.

Das sind ihre liebsten Sträusse

«Ich hole meine Kraft aus dem Garten und den Blumen», kommentiert Elisabeth Gebhard ihr grosses Arbeitspensum trotz Rentenalter. Sie bindet fünf bis zehn Sträusse pro Stunde; eine mechanische Arbeit ist das nie. Geht es ihr einmal nicht gut, macht sie eine Weile etwas anderes, «sonst gibt es keine schönen Sträusse». Und was ist das Geheimnis eines schönen Strausses? «Etwa zehn Prozent ist Technik, der Rest ist Freude. Und Liebe und Fleiss.» Darum sind ihr auch jene Sträusschen besonders lieb, die sie manchmal beim Zubettgehen auf dem Nachttisch findet: ein Gruss von ihrem Köbi.

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