Das Bundeshaus blüht – doch wie kam die Geranie eigentlich zum Bauernhaus?

Das Bundeshaus mit Blumen auf den Fenstersimsen: Das Bild im neuen Rendez-vous Bundesplatz erinnert an Bauernhäuser mit roten Geranien. Die Blumen gelangten schon 18. Jahrhundert auf Schweizer Höfe.

Igel, Steinbock und Eichhörnchen: Tiere spielen dieses Jahr an der Lichtshow «Rendez-vous Bundesplatz» in Bern eine besondere Rolle. Unter dem Motto «Natur pur» wird bis zum 21. November dreimal täglich die Schweizer Tierwelt beleuchtet. Die halbstündige Show folgt den Jahreszeiten – Eichhörnchen, die im herbstlichen Blätterwald spielen, Steinböcke, die am eisigen Hang klettern. Und plötzlich wird es Frühling: Die Lichtshow lässt die Fenstersimse des Bundeshauses erblühen. Rosa, gelbe und purpurfarbene Blütenpracht – der Schmetterling Kleiner Fuchs erfreut sich daran. 

So erinnert das Bundeshaus schon fast an ein Bauernhaus, auf dessen Simse Blumenkistchen farbige Blütenpracht enthalten. Eigentlich würden die farbigen Blüten dem sandsteinfarbigen Bau noch guttun. Rote Geranien, die die Fenster des alten Bauernhauses säumen. Ein klischeehaftes Bild. Doch woher kommt es? 

Geranien blühen von Mai bis Oktober. Die Exotinnen mögen keinen Frost. (Bild: BauernZeitung)

Eine Nationalblume aus dem Ausland 

Es gibt keine offizielle Statistik zu den häufigsten Balkonpflanzen. Othmar Ziswiler von Jardin Suisse gibt aber eine kurze Einschätzung: «Ich kann es nicht mit 100% Sicherheit bestätigen, aber die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Geranien die häufigsten Balkonpflanzen sind», sagt er. 

Und das kommt nicht von ungefähr. Geranien sind robust und wuchsfreudig. Sie mögen Trockenheit und Sonne. Botanisch gesehen ist die Geranie aber kein Geranium (Storchenschnabel). Die Exotin stammt aus Südafrika und gelangte im 17. Jahrhundert nach Europa. Europäische Botaniker hielten sie wegen der ähnlichen Blüte für eine Geranium-Art. Das ist sie aber eigentlich gar nicht; sie trägt den Gattungsnamen Pelargonium. 

Im 18. Jahrhundert gelangte sie in die Schweiz, blühte aber vorerst nur in botanischen Gärten. Danach holten sich reiche Patrizier die Blütenpracht nach Hause. Bedienstete trugen die Geranienstecklinge aufs Land – und dort schmückten sie die nächsten Jahrhunderte Bauernhaus um Bauernhaus. 

So gilt die Geranie heute in der Schweiz schon fast als Nationalblume. Ein bedeutender Teil der frischen Blumen wird aber wie bei anderen Zierpflanzen importiert. Laut SRF stammt nur die Hälfte aller im Detailhandel verkauften Topfpflanzen aus dem Inland. Und selbst bei diesen kommen die Jungpflanzen oft aus dem Ausland und werden hier lediglich fertig kultiviert. Die Schweiz produziert jährlich zwei Millionen Geranien – längst nicht genug für den nationalen Markt. 

Nicht entsorgen, sondern überwintern 

Geranien blühen von Mai bis Oktober. Was sie gar nicht mögen, ist Frost. «Geranien werden im Mai gepflanzt und meist im Herbst entsorgt», meint Othmar Ziswiler. Doch eigentlich wäre es keine Hexerei, Geranien zu überwintern. Sie können direkt im Kistchen vor dem ersten Frost ins Winterquartier einziehen. 

Im Winterquartier sollte die Temperatur zwischen fünf und zehn Grad Celsius liegen. Kalte Keller oder die Garage sind also ideal.

Rückschnitt, bevor es ins Winterquartier geht 

Bevor die Geranien ins Winterquartier ziehen, müssen sie aber zurückgeschnitten werden. Dafür werden alle Seitentriebe auf zwei bis drei Triebknoten gekürzt – also 10 bis 15 Zentimeter. Bäuerinnen sollten Blüten, Knospen und den Grossteil der Blätter gleich mit abschneiden. Sie rauben den Pflanzen nur unnötig Energie. 

Ist die Geranie im Winterquartier, sollte sie regelmässig auf Fäulnis und Schädlinge kontrolliert werden. Wasser brauchen die Pflanzen nur noch spärlich. 

Im Februar oder Anfang März wollen Geranien wieder ans Sonnenlicht. Sobald im Mai die Spätfröste vorbei sind, dürfen sie wieder den Fenstersims zieren. 

Fenstersimse voller Blüten. Das wäre doch was fürs Bundeshaus. (Bild: Anna Suter / BauernZeitung)

Heute gibt es 200 bis 300 verschiedene Arten von Geranien, die sich in Blütenfarbe und Blattwerk unterscheiden. Im Detailhandel gibt es auch einige Hybride und unzählige Züchtungen. Die «Stadt Bern» ist eine davon. Sie wurde 1947 gezüchtet, wächst buschig und leuchtet in Weiss, Rosa oder Rot. Wäre das nicht was fürs Bundeshaus? 

Eichhörnchen, die im Herbst miteinander spielen. In der Berner Lichtershow dreht sich heuer alles um die Schweizer Tierwelt. (Bild: Rendez-vous Bundesplatz)

Rendezvous gefällig? 

Das Rendez-vous Bundesplatz findet vom 17. Oktober bis zum 21. November täglich auf dem Bundesplatz in Bern statt. Jeweils um 19.00, 20.00 und 21.00 Uhr. Die Vorstellung dauert rund 30 Minuten. Je nach Wetter lohnt sich also warme Kleidung.

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