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Ihre Hochstammkirschbäume bedeuten Christa Tschan-Meury alles

Die Bäuerin wuchs in Blauen im Laufental auf. Auf dem Betrieb ihrer Eltern standen 300 Hochstammkirschbäume. Noch heute schwärmt Christa Tschan von diesen Bäumen.

«Über mich gibt es kaum etwas Interessantes zu berichten», sagte Christa Tschan-Meury am Telefon, als die BauernZeitung sie um einen Termin für ein Porträt bat. «Bald nach der Schule heiratete ich, bekam vier Kinder und betreibe zusammen mit meinem Mann den Hof Lochhus.»

Weil sie unter starkem Heimweh leide, habe sie ausserhalb ihrer Region keine Reisen unternommen, ausser im Jahr 2018. Zu ihrem 55. Geburtstag besuchte sie zusammen mit ihrer Tochter ihren einzigen Bruder, Daniel, der seit 31 Jahren in Thailand lebt, wo er ein Hotel managt.

Obwohl sie eine enge Beziehung zu ihm habe und er seinen Verwandten einen aussergewöhnlichen Aufenthalt bescherte, habe sie das Ende der 14-tägigen Reise herbeigesehnt. Sie wisse nicht, ob sie ihn je wieder besuchen würde. Eben, wegen des Heimwehs. «Immer zur ‹Chiirsizeit› besucht er uns aber», erzählt sie. «Also sehen wir uns jährlich.»

Gerne auf den Bäumen

«Chiirsi» – von ihnen kann Christa Tschan trotz der vielen Arbeit, die sie machen, nicht genug schwärmen. Ihre Eltern Vreni und Markus Meury besassen auf ihrem Hof in Blauen 300 Hochstammbäume. In der Gemeinde Blauen, damals Kanton Bern, ab 1994 Baselland, kam Christa als Bauernmädchen zur Welt und ging dort zur Schule.

Nach der Schule absolvierte sie das erste Bäuerliche Haushaltlehrjahr und arbeitete im Winter danach, als eine von vier jungen Frauen, als Haushalthilfe am Bildungszentrum Wallierhof. Im folgenden Jahr bediente sie bei Ricola Laufen eine «Dääfi»-Einpackmaschine. «Aber im Sommer, da war ich stets auf und in den Bäumen», strahlt sie.

Etwas fürs Leben mitnehmen

Am 7. Juli 1984 heiratete sie Koni Tschan und zog mit ihm auf den Hof Lochhus, wo das junge Paar zwölf Jahre im gleichen Haushalt lebte wie die Schwiegereltern. Erst als sie 1996 den Hof übernahmen, zogen Konis Eltern ins Stöckli.

Christa Tschan lacht: «Die Heirat von Koni und mir wurde angebahnt vom ‹Ehevermittlungs-Institut Wallierhof›.» So etwas geschah dort immer wieder. Koni Tschan war in der landwirtschaftlichen Ausbildung, als er Christa kennenlernte. Noch heute empört er sich: «Sie wollte mich damals nicht einmal grüssen, geschweige denn mit mir reden.»

Mutter und Grossmutter

Der Schulleiter habe den jungen Landwirten am Ende der Ausbildung gesagt, sie sollten etwas mitnehmen ins Leben, das ihnen nütze, schmunzelt er. «Also habe ich meine Frau mitgenommen!» Christa Tschan gebar vier Kinder: Martina (1984), gelernte Topfpflanzengärtnerin, arbeitet jetzt im Verkauf; Rebekka (1986) ist Stellenleiterin bei Jungwacht Blauring Solothurn; Markus (1988), Leiter Landwirtschaft Zentrum Erlenhof, Reinach Baselland; Regina (1990) Hotelfachangestellte in der Lenzerheide. Seit dem 12. Juni 2022 sind Tschans überglückliche Grosseltern der Zwillingsmädchen von Sohn Markus und seiner Frau Leonie.

Mit ihrem Mann Koni betreibt Christa Tschan einen Milchwirtschaftsbetrieb von 30 Hektaren. Im Stall stehen 24 Simmentaler-Reinzuchtkühe. Die Milch bringt die Bäuerin alle zwei Tage ins Milchhüsli Holderbank.

Zu ihrer Hochzeit erhielten sie ein Fohlen, von ihm stammen die vier Pferde ab, die im Lochhus die «Weiden putzen». Sie habe sich nie für Pferde interessiert, sagt die Bäuerin. Im Gegenteil, sie habe Angst vor den grossen Tieren. Koni Tschan sei früher auf ihnen geritten.

Fast 20 Jahre Präsidentin

Als weitere Nutztiere leben zwei Saanengeissen auf dem Hof. Christa Tschan ist seit einem Vierteljahrhundert Zuchtbuchführerin der regionalen Ziegenzuchtgenossenschaft ND. Seit 16 Jahren macht sie Milchkontrollen in Hägendorf und Holderbank.

Viel Freude und Abwechslung bringen ihr die Mitgliedschaften im 1870 gegründeten Kirchenchor Holderbank und im Verein Bäuerinnen und Landfrauen Balsthal-Thal. Dort hält sie seit bald 20 Jahren das Präsidium. «Eigentlich will ich das Amt seit einiger Zeit weitergeben», sagt Christa Tschan, «aber ich finde keine Nachfolgerin.»

Sie seien rund 170 Mitglieder und an der Generalversammlung hätten fast 80 Frauen teilgenommen. Das zeuge doch von einem guten Zusammenhalt. Auch im Vorstand würden sie virtuos zusammenarbeiten. «Trotzdem», meint sie, «nach 20 Jahren trete ich zurück; das habe ich ‹meinen› Frauen prophezeit.»

Ein besonderes Verhältnis

Zum Schluss meldet sich ihr Mann: «Erzähle der Zeitung, was früher passierte, wenn du spürtest, dass im Laufental die Chiirsi reif wurden!» Er verrät der Journalistin, seine Frau sei in diesen Zeiten aus dem Häuschen gewesen, auf Leitern geklettert und in Baumkronen herumgeturnt. Manchmal sei sie über Nacht gar nicht nach Hause gekommen. Christa Tschan schmunzelt, gibt ihrem Mann aber recht, sie habe tatsächlich ein besonderes Verhältnis zu Hochstammkirschbäumen. «Diese Bäume bedeuteten mir alles.»

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