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Cäcilia Brems Leidenschaft sind die Musik und ihre Jakobsschafe

Die Bäuerin Cäcilia Brem lebt mit ihrem Mann, den Kindern und den Tieren auf dem Familienbetrieb ihren Traum.

Die 54-jährige Bäuerin Cäcilia Brem geniesst vom Haus und der Terrasse aus an diesem sonnigen Herbsttag einen herrlichen Rundblick. Südlich grüssen in der Ferne der Titlis und der Pilatus. Lässt man den Blick gegen Westen wandern, sind Eiger und Mönch zu erkennen, der Lindenberg und im Norden die Lägern und das Limmattal.

Aufgewachsen ist Cäcilia in der östlichsten Gemeinde des Aargaus, in Islisberg, in einer Posthalter-Familie. Während sie erzählt, läutet ihr Handy. Als Klingelton ertönt das Jodellied «Blueme», vorgetragen vom Jodlerklub Wiesenberg.

Singen im Stall

Der besondere Klingelton passt zu Cäcilia Brem, denn Musik und das Jodeln ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. «Als ich ein kleines Mädchen war, traten meine Eltern als Duett an einem Jodlerfest auf», erinnert sie sich. «Ich hörte sie üben und bis zum Fest konnte ich alles auswendig.»

Mit 15 trat sie selber mit ihrer Mutter als Jodelduett auf und trat dem Jodlerclub Hard in Zürich bei, wo auch ihre Eltern sangen. Nach der Lehre als Lebensmittelverkäuferin absolvierte sie die Bäuerinnenschule im Kloster Fahr.

Kinderchor gegründet

Sie heiratete früh mit Anfang zwanzig und wurde zweimal Mutter. Wegen der Kinder pausierte sie im Jodelclub. Weil ihr nach zwei Jahren die Musik fehlte, absolvierte sie einen Laien-Dirigentenkurs beim Jodlerverband und übernahm die musikalische Leitung beim Jodelclub Hard.

Da es an ihrem Wohnort Islisberg kein Freizeitangebot für Kinder gab, gründete sie zudem einen Kinderchor und führte das Musical «Mary Poppins» auf. Sie übernahm die musikalische Leitung. «Sämtliche Rollen besetzte ich mit Kindern», betont sie. «Am Ende hatten wir drei Aufführungen vor jeweils 300 Leuten.»

Dies beflügelte sie, sich an der Musik-Hochschule Luzern für das Studium «Musikalische Grundschule» einzuschreiben. In den sieben Jahren, die sie unterrichtete, vermittelte sie ihre Begeisterung für Musik. Doch dann zerbrach ihre Ehe.

Neue Liebe

Einige Zeit später übernahm Cäcilia die musikalische Leitung des Jodelklubs Hasenberg im nahe gelegenen Widen. «Es kamen hie und da neue Jodlerinnen und Jodler – doch als Daniel dazu kam, änderte sich alles», erzählt sie lachend. Der gelernte Metzger und Landwirt fiel ihr auf. «In den Singstunden, bei den Chorproben, den Auftritten und den Vereinsausflügen lernten wir uns näher kennen, lieben und heirateten schliesslich.»

Mit der Geburt von Silvan im November 2009 wechselte sie ihre Tätigkeit von Musikerin zur Bäuerin. Sie erinnert sich: «Ab dann sang ich unseren Limousin-Kühen im Stall unsere Jodellieder vor.» Vieles war neu für sie, etwa der Umgang mit der Mutterkuhherde und das Traktorfahren. Aber das Wissen aus der Bäuerinnenschule kam ihr zugute. Das Familienglück wurde perfekt, als im März 2011 Karin geboren wurde.

Schaf an der Hundeleine

Heute überlässt Cäcilia Brem die Maschinen lieber ihrem Mann und macht dafür die Handarbeit. Beim Heuen der Ökoflächen kam ihr die Idee, dass Schafe diese Flächen beweiden könnten, und sie entdeckte für sich die Jakobsschafe. «Das sind so schöne Tiere, das passt», spürte sie sofort.

Die robusten, mittelgrossen, schwarz-weiss gefleckten Landschafe haben zwei oder sogar vier Hörner. Ihre Familie liess sich überzeugen und im Februar 2018 zogen zwei trächtige Jakobsschaf-Auen ein, die schon bald je Zwillinge bekamen. «Die Auen waren von Anfang an zutraulich. Auch die Kinder können zu jeder Zeit auf die Weide mitkommen und sie helfen gerne beim Zügeln.»

Beim Umzug auf eine neue Weide läuft sie mit ihrem Lieblingsschaf Trixli an der Hundeleine durch das Dorf und die übrige Herde folgt, betreut von ihren Kindern. Im Zucht-Verein «Jakobsschafe Schweiz» holte sie viel Fachwissen ab. An Zuchtschauen stellt sie ihre Schafe aus und lässt sie beurteilen. Aus lauter Wissensdurst liess sich zur Expertin ausbilden. Strahlend erzählt sie: «Vergangenen September holten unsere drei Jungauen und ein Jungbock die Maximalnoten an der Zuchtschau in Huttwil.»

Den Fünfer grad sein lassen

Cäcilias Mann Daniel Brem arbeitet mit einem 50-Prozent-Pensum bei der Landi, dazu kommt der Landwirtschaftsbetrieb mit 20 Hektaren Fläche. Sie selber dirigiert den Jodelchor Mellingen. Und da sind der Haushalt, die Kinder und die Jakobsschafe. Wie schafft sie das alles? «Erstens lasse ich mal den Fünfer grad sein und zweitens delegiere ich wenn nötig Arbeiten.»

Der 13-jährige Silvan sei bereits ein geübter Traktorfahrer, so dass er allein mit dem Mischwagen die Mutterkühe füttere. «Und unsere 11-jährige Karin übernimmt auch mal das Kochen für uns.» Das selbstständige Arbeiten gebe den Kindern ein gesundes Selbstvertrauen, weiss sie. Ihr Mann Daniel singt nicht mehr, aber dafür Tochter Karin, und Silvan spielt Handorgel. So wird nach wie vor täglich bei Brems musiziert.