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Anonymität als Vertrauensbasis bei den Telefongesprächen

Wie gehen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des bäuerlichen Sorgentelefons ihre Einsätze an? Ein Teammitglied erzählt.

Es ist Dienstag. Heute betreue ich das Bäuerliche Sorgentelefon von 13 Uhr bis 17 Uhr.

Zur Einstimmung auf meinen Telefondienst zünde ich eine Kerze an. Gedanklich frage ich mich: Mit welchen Themen/Sorgen rund um die Landwirtschaft werde ich heute konfrontiert? Ich bin mir bewusst, dass die Umsetzung der AP 23/24+ für einige Landwirtschaftsbetriebe sehr herausfordernd ist. Es birgt die Gefahr, dass dies Betriebsleiter(innen) gar überfordert. Oft kann eine kleine Unsicherheit das Fass zum Überlaufen bringen. Nicht zuletzt hat dies dann auch gesundheitliche Auswirkungen.

Vielleicht aber werden es heute eher persönliche Anliegen sein? Generationenprobleme, Fragen zu einer Trennung oder Scheidung oder auch Einsamkeit aufgrund fehlender Partnerschaft sind Themen, die am Telefon häufig angesprochen werden.

Absolute Schweigepflicht

Kurz nach Dienstbeginn klingelt das Telefon auch schon. «Grüezi, da isch’s Büürlichä Sorgätelefon. Wiä chan’ich Ihnä hälfä?», erklingt meine Stimme im Hörer.

Die männliche Stimme am anderen Ende klingt etwas verunsichert. Ich erkläre ihm, dass wir der absoluten Schweigepflicht unterliegen. Seine Telefonnummer ist nicht ersichtlich und nicht rückverfolgbar.

So bin ich es, welche die Gesprächsführung übernimmt. Ich versuche mich an die Person heranzutasten und zu erfahren, «wo denn der Schuh drückt». Plötzlich sprudelt es aus ihm heraus. Aufmerksam höre ich ihm zu und lasse ihn erzählen. Der Anrufer findet Worte für seine Gefühle, seinen Zustand. Eine Vertrauensbasis konnte geschaffen werden.

Oft werden zum Abschluss weitere Adressen vermittelt: Das kann unter anderem ein Coaching, eine rechtliche Begleitung, eine Hilfestellung bei finanziellen Problemen, eine Partnerschaftsvermittlung oder eine landwirtschaftliche Beratung sein. Es ist unser Ziel, dass der/die Anrufer/in am «Ende des Tunnels» wieder Licht erkennen kann.

Basis für das Vertrauen

«Ich bin froh, dass ich den Mut gefasst habe, Ihre Nummer zu wählen.» «Wie ist Ihr Name?», fragt er mich. Ich lasse ihn wissen, dass auch wir die völlige Anonymität pflegen. Dies sei die Basis für das gegenseitige Vertrauen.

Nach mehreren Telefongesprächen endet mein Dienst um 17 Uhr. Gedanklich lasse ich den Nachmittag Revue passieren. Ich bin dankbar, dass ich Mitmenschen auf ihrem Lebensweg ein Stück begleiten darf. Mit dem Auspusten der brennenden Kerze streife ich bewusst mein «Dienstkleid» ab und tausche es gegen meine privaten Kleider ein.

www.baeuerliches-sorgentelefon.ch

Bäuerliche Sorgentelefon

Das ist dreimal in der Woche betreut: Montag 8.15-12 Uhr Dienstag 13-17 Uhr Donnerstag 18-22 Uhr Telefonnummer 041 820 02 15