Sepp Käslin kommt direkt vom Gade zum Interview. «Haben wir zu früh für das Gespräch abgemacht?», fragt die Schreiberin den Bauern. «Nein, nein, mein Sohn Hans und meine Frau Agnes führen noch die letzten Stallarbeiten aus», beruhigt der Landwirt.
Auch bekannt als «Mitscho»
Bauer Käslin kennt man hier in Beckenried, vor allem im Skigebiet, eher als «Mitscho». Ein etwas ungewöhnlicher Name für einen eingefleischten Beckenrieder mit einem Nidwaldnerdialekt wie es urchiger nicht sein könnte. Das sei jugoslawisch und heisse auf Deutsch Chef. Diesen Namen habe er als 15-jähriger erhalten, als er seine Wintersaison am Skilift bei den Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG startete. «Das ist heuer nun schon 45 Jahre her», erwähnt er mit Stolz.
Sepp hat seinen 17 ha grossen Bio-Milchwirtschaftsbetrieb «Kellermatt» mit 40 Stück Vieh (Milchkühe und Rinder in Aufzucht) in Bergzone 1 und 2 vor fünf Jahren seinem damals 28-jährigen Sohn Hans übergeben. Er und seine Frau Agnes seien sehr froh, diesen Schritt frühzeitig getan zu haben.
«Wir wollten unserem Sohn eine Zukunft bieten.»
Sepp Käslin zur Übergabe seines Hofes im Alter von55 Jahren.
Sehr frühe Betriebsübergabe
Dazumal war Sepp erst 55 Jahre alt, relativ jung für eine Hofübergabe. «Ja, das ist so. Wir wollten unserem Sohn eine Zukunft bieten, so dass er für sich und seine Familie eine Existenz aufbauen kann. Hans war schon vor der Übergabe der Betriebsleiter, da ich im Winter im Skigebiet und im Sommer auf der Alp tätig bin», es sei eine perfekte Lösung. Viel geändert hat sich somit bei der Arbeitsaufteilung nicht, denn schon vor der Übergabe hätten Käslins stets Hand in Hand gearbeitet. «Ausser, dass nun Hans mein Chef ist», lächelt «Mitscho».
Tief verwurzelt ist Sepp vor allem mit seiner Alp Ergglen, oberhalb der Bergstation Klewenalp auf 1650 Meter über Meer, mit einer der schönsten Aussichten auf den Vierwaldstättersee und die umliegenden Berge.
Hier sömmern ihre 20 Braunviehkühe, die immer noch sein Stolz sind. Die Milch musste er früher in Kannen mit der Bahn ins Tal liefern. «Nun ist es einfacher alle zwei Tage wird die Milch abgeholt.» «Die Alp ist seine zweite Heimat», schmunzelt seine Frau Agnes, die soeben vom Stall in die warme Küche gekommen ist. Er fühle sich dort so wohl, dass er früher höchstens einmal die Woche ins Tal fuhr, um sich wieder mal richtig zu duschen. «Nun kommt er gar nicht mehr hinunter», neckt Agnes ihren Mann, «denn er hat seit ein paar Jahren eine eigene Dusche auf der Alp.» Die Alp Ergglen liegt direkt im Skigebiet. «Es gibt, wenn wie heuer nicht viel Schnee liegt, schon Landschäden», gibt Sepp bekannt. Aber er nimmt es gelassen: «Die Spuren verschwinden im Verlauf des Sommers. Es ist ein Geben und Nehmen.»
45 Jahre im Skigebiet tätig
Seit 45 Jahren ist der Landwirt in der Wintersaison bei den Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG tätig. Nur dank der grossen Unterstützung seiner Frau sei dies früher möglich gewesen. Zuerst half er den Gästen bei den Skiliften. Bald darauf war und ist er noch immer als Pistenpatrouilleur und stets auf Pikett für Rettungseinsätze tätig. «Diese Tätigkeiten bereiten mir sehr viel Freude. Ich sehe es eher als Hobby», meint Sepp Käslin. Da er im Stundenlohn arbeitet, seien seine Einsätze meist wetterabhängig. Er nimmt es gelassen: «Auf dem Hof gibt es immer etwas zu tun. So bin ich dann halt eher im Wald beim Holzen, statt auf der Piste anzutreffen.» Auch Pistenkontrollen gehören zu seinem Aufgabengebiet. Diese Jahr sei er vor allem wegen den Sturmschäden unterwegs gewesen.
«Ich sehe diese Tätigkeit eher als Hobby.»
Sepp Kälin zu seinem Job bei der Bergbahn Beckenried-Emmetten.
Sepp’s Jubiläumsjahr
Dieses Jahr ist ein Jubiläumsjahr für «Mitscho»: «Im März feiere ich meinen 60. Geburtstag und gleichzeitig darf ich auf 45 Jahre Einsatz im Skigebiet Region Klewenalp zurückschauen.» «Und wir sind 35 Jahren verheiratet», lächelt seine Frau ihn an.
Er blickt zurück und meint: «Meine Frau und ich haben vier Kinder grossgezogen, sind stolze Grosseltern von vier Enkelkindern, zwei weitere kommen dieses Jahr hinzu. Es geht uns so gut. Wir sind dankbar für alles.» Bescheiden ist er, der «Mitscho». Eben ein Chef – Chef seines eigenen Glücks.

