«Pferde sind seit frühester Jugend meine Leidenschaft. Wobei es mir nicht um das Reiten geht», sagt Isabella Debrunner. Umsichtig nimmt sie sich der Pflege und Betreuung der Tiere an. Ihr Hof, ein Biobetrieb, auf dem sie mit ihrem Mann Lukas und den Kindern Sven und Benny (beide im Vorschulalter) lebt, ist eingebettet in eine malerische Landschaft im thurgauischen Mettendorf und dem für «Mostindien» typischen «Bluescht» der Obstbäume.
Intensive Pflege von Pensionspferden
Die wichtigsten Betriebszweige der Familie Debrunner sind die Bio-Legehennenhaltung mit 2000 Tieren, Saatgutvermehrung für Sativa sowie Pensionspferde. «Ich bin mindestens fünf Stunden täglich mit den Pferden beschäftigt. Es gilt auszumisten, zu füttern, sie auf die Weide zu bringen und zu pflegen.» Mit Begeisterung schildert Isabella Debrunner ihre Arbeit mit den Pferden und erklärt dazu, dass die Herde teils aus Sportpferden besteht, die nicht mehr zum Einsatz kommen, weil sie z. B. unter Arthrose leiden oder sich ihre Besitzer umständehalber von ihnen trennten.
«Jedes Pferd bringt seine Geschichte mit.»
Isabella Debrunner, absolvierte den Lehrgang «Equigarde»
«Mich fasziniert bei den alten Pferden, wie unterschiedlich ihre Charaktere sind. Jedes bringt seine eigene Geschichte mit und ist ein Individuum.» Beim Gang durch den Freilaufstall betont sie, dass die Besitzer der Pferde deren Eigentümer bleiben und diese regelmässig besuchen. Die Pflege von Pensionspferden bezeichnet sie als sehr intensiv, da diese mehr Betreuung brauchen.
Beruf und Berufung wurden eins
Ihr täglicher Bezug zu den Tieren und aufmerksames Beobachten geben konkreten Aufschluss zum Gesundheitszustand der einzelnen Tiere. Die Landwirtin gewährleistet deren Rundumpflege. Darüber hinaus kommt regelmässig der Hufschmied zu Besuch. Bei diesem Gespräch Mitte April ist es fast unvermeidlich, über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft zu sprechen. «In Vorjahren half mein Schwiegervater bei Arbeitsspitzen aus. Meine Schwiegermutter hütete bei Bedarf unsere beiden Kinder. In diesem Jahr müssen wir auf ihre Mithilfe verzichten. Es ist keine leichte Situation, wenn den Generationen ein Kontaktverbot auferlegt wird», sagt Isabella Debrunner zu den persönlichen Auswirkungen auf ihre Familie.
Die Bäuerin wuchs in Hemishofen SH auf einem Bauernhof auf. Als sie 15-jährig war, hegte sie bereits den Berufswunsch Landwirtin. Sie sei sich bewusst gewesen, dass dieser Beruf körperlich anstrengend sei und besuchte zunächst eine Handelsschule. Danach absolvierte sie die Ausbildung zur Landwirtin und arbeitete an verschiedenen Orten als Betriebshelferin.
In Avenches VD besuchte sie den berufsbegleitenden, einjährigen Lehrgang «Equigarde» und vertiefte ihr Wissen rund um die Pferdehaltung und -zucht. 2008 lernte sie Lukas Debrunner kennen, 2013 heiratete das Paar.
Nicht mehr als zwölf Tiere in der Herde
Im Jahr darauf übernahm Lukas Debrunner den Hof seiner Eltern. Die junge Generation stellte den Hof nach ihren Bedürfnissen um und entschied sich in einem ersten Schritt für die Abkehr von der Milchwirtschaft und den Verkauf der Kühe. «Der Hof hat wenig Landwirtschaftliche Nutzfläche zur Verfügung, deshalb stellten wir auf Bio um, errichteten den Legehennenstall und entwickelten unser Konzept mit dem Freilaufstall für Seniorenpferde. Im ehemaligen Kuhstall fanden wir hierfür ideale Bedingungen vor», erklärt Isabella Debrunner.
Zum Betriebskonzept mit den Pferden gehöre, dass die Herde nicht mehr als zwölf Tiere umfasst. «Die Dynamik und Ruhe in der Herde erachte ich als sehr wichtig, da die Pferde bis zu ihrem Lebensende bei uns bleiben. Weil wir sie während der Wintermonate nicht auf die Weide lassen, brauchen sie genügend Platz im Stall», erläutert die Landwirtin.
Engagiert in Feld und Stall
Die Arbeit mit den Legehennen und für den neuesten Betriebszweig, die Saatgutvermehrung für Randen, Karotten und weiteres Gemüse, sorgen für ausgefüllte Arbeitstage von Isabella und Lukas Debrunner. Sie teilen sich die Arbeit und haben keine Angestellten. Isabella Debrunner ist bei der Arbeit auf dem Feld und im Stall in ihrem Element. Und nebst den vielfältigen Kontakten mit den Besuchern der Pensionspferde ist der jungen Frau das Engagement im örtlichen Landfrauenverein wichtig.
Stets sind ihre beiden Kinder in ihrer Nähe, etwas, das ihr am Beruf Landwirtin besonders zusagt. «Ich denke, Bauernkinder müssen auf vieles verzichten. Sie haben aber das Privileg, umgeben von der Natur aufzuwachsen und erleben Eltern, die auch tagsüber erreichbar sind für alle ihre Anliegen.»
Isabellas Tipp
«Ich schätze das Einfrieren von Gemüse aus dem Garten, um während vieler Monate versorgt zu sein.Da es enorme Arbeit verursacht, das Gemüse jeweils vor dem Einfrieren zu blanchieren, habe ich ausprobiert, ob man diesen Vorgang weglassen könnte.
Am Beispiel der Bohnen empfehle ich Folgendes: Zuerst sollen diese ‹gefädelt›, portioniert und frisch eingefroren werden. Wichtig ist, dass man die Bohnen erst aus dem Tiefkühler nimmt, wenn das Wasser bereits kochend heiss ist. Die Bohnen sollten nicht vorher schon angetaut sein, weil sie sonst beim Servieren ‹schlabberig› wirken.»

