ABO

Bäuerinnenporträt: «Ich will am Tisch mitdiskutieren»

Der Kindheitswunsch von Bettina Steiner war ein Bauernhof ohne Schweine. Nun lebt sie auf einem Hof mit Schweinen, was ihr aber auch gefällt. Die Ausbildung zur Bäuerin FA hat Steiner vor allem gemacht, um mitreden zu können.

Bettina Steiner ist mitten in Willisau aufgewachsen. Nun wohnt sie seit drei Jahren mit ihrem Mann Marco in Grossdietwil auf dem Betrieb ihrer Schwiegereltern. Im Mai haben sie geheiratet, im Januar werden sie Eltern.

Dann doch mit Schweinen

Als Kind war die 26-Jährige immer gerne auf Bauernhöfen, hatte aber nie das Gefühl, sie wolle später unbedingt einen Bauern heiraten. In den Freundschaftsbüchern schrieb Bettina Steiner bei ihrem grössten Wunsch: «Ich möchte einen Bauernhof ohne Schweine.» Warum ohne Schweine, wisse sie nicht mehr, und nun sei sie auf einem 35 ha grossen Betrieb mit 51 Milchkühen, ­ungefähr 40 Legehennen und 400 Mastschweinen zu Hause und es gefalle ihr sehr gut.

Bettina Steiner hat 2018 die berufsbegleitende Bäuerinnenschule in Sursee abgeschlossen. Die gelernte Fachfrau Gesundheit Fachrichtung Altersheim hatte davor bei der Spitex gearbeitet. «Ich habe die Bäuerinnenschule erst unterschätzt, das ist eine richtige Zweitausbildung», stellte sie nach dem Start der Ausbildung fest. Zudem sei es eine Lebensschule und man lerne sehr viel Neues.

«Zu Hause bin ich dann noch lange genug.»

Bettina Steiner hat ihr bäuerliches Praktikum auswärts absolviert.

Praktikum auswärts

Die Praxiszeit für die Fachprüfung Bäuerin hat sie bei einer Bauernfamilie in Richenthal gemacht. Natürlich hätte sie, wie es die meisten Frauen machen, das Praktikum auch zu Hause auf dem Bauernbetrieb absolvieren können. Aber sie wollte gerne noch etwas anderes sehen. «Zu Hause bin ich dann noch lange genug», sagt Bettina Steiner und lacht.

«Ich habe diese Stelle nicht gesucht, es war ein Zufall, dass ich das Inserat in der Schule gesehen habe», erklärt Bettina Steiner. Die Stelle auf diesem Bauernbetrieb habe sie anfangs körperlich sehr gefordert, da sie sich viele Arbeiten noch nicht gewohnt war. «Im Nachhinein gesehen war es auch ein Fitnessprogramm», meint sie. «Es harmonierte mit der Familie extrem gut. Wir gehen noch heute zu Besuch, um zu plaudern und uns auszutauschen. Daraus ist eine richtige Freundschaft geworden.»

Mitreden dank Ausbildung

Eigentlich wäre es nicht zwingend notwendig gewesen, dass Bettina Steiner die Bäuerinnenausbildung mit Fachausweis macht. «Mein Mann und sein Bruder haben beide die Ausbildung zum Landwirt und wollen später den Betrieb gemeinsam führen», erzählt sie. Sie wollte aber einfach mehr wissen. «Ich möchte am Mittagstisch mitdiskutieren können», berichtet sie weiter. Immer wieder lerne sie auf dem Betrieb neue Sachen dazu. Nach Abschluss der Ausbildung zur Bäuerin ist die junge Frau wieder zu 100 Prozent auf ihrem erlernten Beruf eingestiegen und hat auswärts gearbeitet.

Eigenständig bleiben

Bettina Steiner arbeitet aktuell auf einer Wohngruppe mit Schwerbehinderten. Dieses zweite Standbein ist ihr sehr wichtig, sie möchte gerne auch in Zukunft zu einem kleinen Teil auswärts in ihrem gelernten Beruf arbeiten. «Inzwischen habe ich auf 60 Prozent reduziert, um zu Hause mehr hinter die Kulissen zu schauen», erzählt sie weiter. Auf dem Betrieb ist sie meistens im Haushalt und Garten tätig. Auch bei den Kälbern hilft sie gerne mit.

«Ab und zu helfe ich am Mittag meiner Schwiegermutter beim Kochen», erzählt Bettina Steiner. Meistens isst die ganze Familie an einem Tisch. «Es ist super, dass diese Zusammenarbeit so gut funktioniert», es sei ja keine Selbstverständlichkeit, wenn man zusammen auf dem Betrieb arbeitet und lebt.

In der Freizeit ist in Bettina Steiner in der Guggenmusik in Willisau aktiv. Sie spielt Trompete. «Die Familie und meine Freunde sind das grösste Hobby von mir», erzählt sie voller Begeisterung. Bettina Steiner ist neu in der Kommission der Luzerner Bäuerinnen, sie ist für die Region Hinterland und Napf zuständig.

Bei den Luzerner Bäuerinnen

Die Kommission plant Anlässe für die Luzerner Bäuerinnen. «Viele Frauen arbeiten Teilzeit auswärts, haben mit der Familie viel zu tun, sind in einem Verein und es läuft auch sonst viel. Die jungen Bäuerinnen zu begeistern, um an einen Anlass zu kommen ist schon schwierig», erklärt Bettina Steiner. Sie sehe das bei sich selber. Erst habe sie sich das Amt nicht ganz zugetraut, da sie ganz frisch von der Ausbildung komme und noch sehr jung sei. «Vo nüd chond nüd – das ist mein Motto», so habe sie sich dann zum Mitmachen überzeugen lassen.

Weiterlesen