Dominique Kern kommt direkt von der Arbeit bei der Gemeindeverwaltung. Grossgewachsen, im elegant-schlichten Blazer, steht sie am Bahnhof, um die Besucherin abzuholen. Auf den ersten Blick sieht sie nicht wie eine Bäuerin aus. Dessen ist sich die 38-Jährige sehr wohl bewusst: «Aber diese Klischees sind schliesslich auch sehr verbraucht und von vorgestern.» Wie oft bekomme sie zu hören, dass sie doch mit den manikürten Händen nicht in den Stall könne. «Diesen Leuten antworte ich jeweils, dass ich auch mit lackierten Nägeln den Kühen misten kann», sagt die Bäuerin und lacht.
Ihr gemeinsames Projekt
Dominique Kern kann anpacken. Oder am Karren reissen, wie sie das formuliert. Seit ihrer Heirat vor fünf Jahren macht sie das zusammen mit ihrem Mann Hanspeter auf dem Hof in Mettmenstetten ZH. Die beiden haben schon einige Projekte in Angriff genommen. Ein besonderes Anliegen ist ihnen das Hoflädeli: «Das hat sich über längere Zeit entwickelt. Gestartet haben wir mit einem alten Postpaketwagen, auf dem wir unsere Kirschen verkauft haben», erzählt Kern.
Das Angebot im Laden wächst
Im Februar haben Kerns einen alten Schopf ausgeräumt, getäfert und mit Licht und Kühlschrank ausgestattet. Nun können die Kunden nebst Eiern und Süssmost auch Frischmilch und im Sommer verschiedene Früchte kaufen. Zudem sollen dieses Jahr Heidelbeer-, Himbeer-, Brombeer-, und Minikiwi-Sträucher gepflanzt werden, um das Angebot weiter auszubauen. Das Lädeli nimmt langsam Gestalt an. «Das ist unser Baby. Es darf gerne weiterwachsen. Wir werden nach und nach schauen, was die Kunden gerne kaufen und was wir anbieten können», so Kern. Ideen seien sicher viele vorhanden, meint sie. Den Hühnerstall könnten sie sicher noch ausbauen, nennt sie als Beispiel und schmunzelt.
Mit Ordnung und System
Abgesehen vom gemeinsamen Projekt Hofladen haben Kerns eine klassische Rollenaufteilung: «Mein Mann ist für den Stall, die Felder und die Maschinen zuständig. Ich schmeisse den Haushalt, koche und putze», erklärt Dominique Kern. Daneben arbeitet sie 70 Prozent auswärts, als Leiterin Einwohnerkontrolle einer Gemeindeverwaltung. Das ist ein ziemliches Pensum. Um das alles unter einen Hut zu bringen, sei vor allem eine gute Organisation gefragt, sagt Kern. «Ordnung und System sind mir wichtig.
Dominiques Tipp
«Ich nehme mir bewusst Zeit für etwas Abwechslung neben all meinen Verpflichtungen. Ich habe mich mit einer Kollegin zusammengetan, gemeinsam gehen wir regelmässig ins Fitness. So habe ich Kontakt mit Kolleginnen und mache zugleich etwas für meine Gesundheit. Auch die gemütlichen Teile dürfen nicht fehlen. Essen gehen mit Freundinnen und einfach mal wieder über dieses und jenes quatschen – das tut mir sehr gut.»
Als wir letzten Sommer die erste Auszubildende anstellten, warf mich das ganz schön aus dem Konzept.» Es sei stressig und auch frustrierend gewesen. Aber mittlerweile hat sich das wieder eingependelt. «Wenn wir einmal Kinder haben, wird mich das wohl wieder etwas durcheinanderbringen. Aber das gehört ja dazu, und wir werden auch das meistern», ist sich Dominique Kern sicher.
Plan A, B und C
Sie lässt sich nicht so schnell unterkriegen. Stattdessen sucht sie nach pragmatischen Lösungen. «Ich bin ein Kopfmensch. Am liebsten habe ich neben Plan A auch schon ein B und ein C parat. Nur für den Fall, dass etwas schiefgeht», erzählt die Bäuerin. Ihr Mann sei da ganz anders, er sei ein Bauchmensch. «Zusammen ergänzen wir uns wunderbar», sagt Kern.
Sprung ins kalte Wasser
Auch wenn es manchmal stressig wird, ist Dominique Kern die Arbeit auf der Gemeinde wichtig. «Das ist ein Teil von mir und dient auch als Ausgleich», sagt die Bäuerin. Bevor sie ihren Mann kennenlernte, hatte sie mit Landwirtschaft nicht allzu viel zu tun. Auf einem Bauernhof zu leben, war daher eine grosse Umstellung: «Niemand bereitet dich darauf vor. Du springst ins kalte Wasser», beschreibt Kern die damalige Situation.
Die eignen Bedürfnisse nicht vergessen
Seither ist einige Zeit vergangen und sie hat sich gut eingelebt. Dabei geholfen hat unter anderem die Ausbildung zur Bäuerin am Strickhof. «Ich dachte immer, ich könne ja kochen. Wozu also diese Ausbildung? Aber es war so viel mehr: Hofmanagement, politische Situation der Landwirtschaft und ja, auch das Kochen waren Teil des Stoffs», erzählt Kern. Nun weiss sie: Wenn es schwierig wird, hilft es, einmal durchzuatmen, sich gut zu überlegen, was alles getan werden muss und dabei nicht etwa die eigenen Bedürfnisse zu vergessen.
Gartenarbeit ist ihr Hobby
Auf ihren Alltag angewendet heisst das: «Ich muss manchmal Abstriche machen. Ich koche zum Beispiel Diverses vor, und das reicht dann für etwa drei Tage», erklärt Kern. So hat sie ab und zu auch etwas Zeit für sich selber – um ihrem Hobby, der Gartenarbeit, nachzugehen. Oder um bei der Kosmetikerin die Nägel zu pflegen, die bei der Stallarbeit gelitten haben.

