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Bäuerinnenporträt: Die Ausbildung machte sie sattelfest

Manuela Luder bekommt glänzende Augen, wenn sie von ihrem Pferd spricht und ist stolz, einheimisches Wild zu produzieren.

In der Pferdepension werden Freizeit- und Sportpferde gepflegt und gefüttert. Seit jeher waren Pferde ein Bestandteil des landwirtschaftlichen Betriebes von Manuela und Christoph Luder. «Mein Schwiegervater und mein Mann hatten immer Armeepferde», erklärt die Betriebsleiterin der Pferdepension. «Angefangen haben wir mit drei Boxen. Inzwischen hat unser Stall geräumige, helle Boxen, sechs mit und zwei ohne Auslauf.» Der tierschutzkonforme Stall wird täglich zwei Mal ausgemistet und mit eigenem Heu oder Stroh frisch eingestreut.

Pferde als Leidenschaft

Während einiger Zeit half ihr ein Mann mit einer Beeinträchtigung bei der Arbeit. «Eine schöne Erfahrung.» Seine Sorgfalt und Genauigkeit seien eindrücklich gewesen. Auch wie die Pferde auf ihn reagierten: rücksichtsvoll und anders. Manuela Luder führt die Pferde regelmässig an die frische Luft. «Auf unseren Weiden, die nur wenige Meter vom Hof entfernt sind, können sie sich im Sommer und Winter frei bewegen.» Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihren «Pensionären» und natürlich von ihrem eigenen Pferd, Cornado, spricht. Leise wiehert der braune Warmblüter, als sie auf dessen Box zugeht, legt ein Ohr nach hinten, um genau zu hören, was da vor sich geht.

Die langen Ausritte mit dem 12-jährigen Wallach und die Ruhe in der Natur bedeuten Manuela Luder sehr viel. Damit sie nicht nur auf den Pferden, sondern auch als Bäuerin sattelfester wurde, absolvierte sie im Winter 1998 den bäuerlich-hauswirtschaftlichen Fachkurs im Inforama Waldhof und gleich anschliessend die Schule zur Betriebsleiterin. Sie engagiert sich auch bei den Landfrauen in Seeberg-Hermiswil. Als Ausgleich zum Reiten geht sie gerne Walken oder ins Aerobic.

Herzlicher Empfang

Aufgewachsen ist Manuela Luder im solothurnischen Derendingen. Als Zehnjährige kam sie nach Grasswil BE, wo sie schon während der Schulzeit ein Pferd betreute und reiten lernte. Später machte sie ihre Leidenschaft zum Beruf und bildete sich in Zürich zur Bereiterin aus. Nach einem Rotkreuzkurs für Grundpflege arbeitete sie auch in einem Altersheim in Burgdorf BE.

«Aus Begegnungen entstehen einmalige Freundschaften.»

Manuela Luder, Bäuerin und Betriebsleiterin einer Pferdepension

Als Manuela Luder ihren Mann Christoph kennenlernte und zu ihm auf den Bauernhof zog, wurde sie von seinen Eltern herzlich aufgenommen. «Augenblicklich wurden meine Bedenken zerstreut, weil ich nicht von der Landwirtschaft kam, ebenso bezüglich Generationenkonflikte», sinniert die Bäuerin. Es sei wichtig, dass man nicht gleich alles auf den Kopf stelle, be-hutsam und geduldig vorgehe, wenn man etwas verändern wolle.

Auf den Hirsch gekommen

Heute lebt Grosi Annemarie, ihre Schwiegermutter, im Stöckli, ebenso Tochter Nadja mit ihrem Freund. Die beiden Söhne, Adrian und Matthias, wohnen im Bauernhaus, wo sich an diesem nebelverhangenen, nasskalten Vormittag wohltuende Wärme ausbreitet. In der vorweihnachtlich geschmückten Küche duftet es herrlich nach Kaffee. «Ich liebe es, zu dekorieren und das Haus heimelig zu halten. Obschon die Kinder jeweils scherzen: ‹Mueti ist schon wieder im Weihnachtsmodus.›»

1993 übernahm Christoph Luder den 16 Hektaren umfassenden Hof von seinen Eltern. Mit einem anderen Landwirt führten sie sieben Jahre lang eine Betriebsgemeinschaft. Damals wurden noch Milchkühe und Schweine gehalten. Daher erhielt eine kleine umgebaute Scheune auch den Namen «PigBarn» (Schweinescheune). Dort werden im privatem Rahmen hin und wieder Country-Konzerte organisiert. «Die amerikanischen oder kanadischen Bands schätzen die familiäre Atmosphäre und das fröhliche Essen am grossen Küchentisch. Aus den Begegnungen mit den Musikern entstehen einmalige Freundschaften», schwärmt Manuela Luder. Die Reiselust und die Liebe zur Countrymusik entdeckte sie durch ihren Mann.

Auf einer ihrer Reisen besuchten sie eine Farm im US-Staat Missouri, wo sie mit Wildtieren in Berührung kamen. Daraus entwickelte sich 2003 die Idee einer Hirschfarm in Grasswil. Mittlerweile werden 45 Rothirsche auf der Swissdeerefarm auf einer Fläche von 4,5 Hektaren gehalten. Manuela Luder zeigt aus dem Küchenfenster auf das nahegelegene Gelände mit dem Chrümelbach als natürliche Tränk- und Bademöglichkeit. «Schön ist, wie aufmerksam die Nachbarn zu unseren Hirschen schauen und sofort melden, falls etwas nicht stimmt», sagt die 46-Jährige erfreut.

Sie mag Menschen

Die Aufzucht erfolgt nach strengen Qualitätskriterien. Deshalb wird auf den Einsatz von Hormonen oder Steroiden komplett verzichtet. «Damit können wir dazu beitragen, dass vermehrt einheimisches Wildfleisch konsumiert wird», betont Manuela Luder. Sie verpackt und etikettiert das Fleisch beim Dorfmetzger. Verkauft werden die Wildprodukte direkt ab Hof zum Endabnehmer. Auch hier schätzt die aufgestellte Bäuerin den Kundenkontakt.

Sie hat gerne Menschen um sich: «Im Rahmen von IFYE-Swiss haben wir als Gastfamilie Jugendliche aus anderen Ländern bei uns aufgenommen. Durch den Landjugendaustausch sind unsere Kinder offen geworden für andere Kulturen, das Miteinander und Teilen», erklärt die dreifache Mutter. Das Zusammensein mit ihrem Mann, das gegenseitige Gebrauchtwerden, bezeichnet sie als grosses Geschenk. Genauso wie eine gute Familie und ein intaktes Umfeld. «Und dass ich, was ich mache, gerne mache.»

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