Einen leuchtend grünen, luftigen Teig zauberte Ruth Stalder aus Hellbühl LU, gefüllt und aufgerollt mit Frischkäse und Sbrinz, auf Wunsch sogar mit Rohschinken. Die Spinatrouladen sind eines ihrer Paradestücke und bereichern jedes Apéro-Buffet von Agricatering. Nur "ihren Männern" macht sie damit keine allzu grosse Freude mehr. Doch mehr dazu später.
Flexibler dank Umstellung
Vor acht Jahren, zwei Jahre nachdem einige findige Bäuerinnen Agricatering gegründet hatten, trat auch Ruth Stalder bei. Ihre Kinder flogen langsam aus, die Betriebsausrichtung wandelte sich und die Bäuerin suchte eine neue Herausforderung. Davor hatte sie im Milchvieh- oder Schweinestall die Ablöse übernommen, beim Heuen oder der Obsternte mitgeholfen. Vor allem aber sorgte die gelernte Kauffrau jahrelang für das Wohl der Familie, Lehrlinge, Lehrtöchter und Angestellten: "Da führte ich einen Neun-Personen-Haushalt. Diese Zeit möchte ich nicht missen."
Nach der Umstellung auf Rindermast fällt auf dem Hellbühler Landwirtschaftsbetrieb weniger Arbeit an, weshalb sie heute oft nur noch mit ihrem Mann Josef am Mittagstisch sitzt. Wehmut schwingt keine mit: "Das gab mir auch die Gelegenheit, beim Catering mitzuarbeiten. Davor war ich zuhause sehr eingespannt, jetzt ich bin viel flexibler geworden."
Ehrwürdige Orte
Auf 25 Prozent schätzt die Bäuerin ihr Pensum im Jahresdurchschnitt. Darunter fallen sowohl die Zubereitung der Speisen zu Hause wie auch der Service vor Ort. Auf Bauernhöfe, zu Firmen oder auch in Privatwohnungen führen die Agricatering-Aufträge oft. Schon fast ehrfürchtig erzählt Stalder von den Anlässen im Luzerner Regierungsgebäude: "Ich darf an Orte, wo ich sonst nie die Gelegenheit hätte."
«Ich gebe mir immer genau gleich Mühe.»
Ruth Stalder, Hellbühl Agricatering-Mitarbeiterin
Eine Sonderbehandlung erhalten aber auch scheinbar gewichtigere Leute nicht, erklärt sie überzeugt: "Ich gebe mir immer genau gleich Mühe." Lediglich das Angebot unterscheidet sich, je nach Anlass, Zeitrahmen, Gästen und persönlichen Vorlieben. Da windet Ruth Stalder der Koordinatorin Irene Zemp (siehe Kasten) ein Kränzchen: "Sie hat ein gutes Gspüri entwickelt, wem sie was vorschlagen muss."
Der Dank der Braut
Von angekündigten Küchen, die sich als kleinen Raum herausstellen, oder Tischen, die wider Erwartung nicht aufgestellt sind, lassen sich die Agricatering-Mitwirkenden schon lange nicht mehr abschrecken. Als aber das im Freien eingerichtete Hochzeits-Apéro von einem Unwetter bedroht war, half nur blitzschnelles Handeln. "Wir packten die vollen Tische und trugen sie ins Zelt nebenan", erinnert sich Ruth Stalder mit Schrecken. Mit anzusehen, wie das liebevoll zusammengestellte Buffet vom Regen in Mitleidenschaft gezogen wurde, liess die engagierte Köchin nicht kalt: "Das wünsche ich niemandem. Zum Glück kam so etwas in acht Jahren nur ein einziges Mal vor." Die schönen Momente überwiegen aber klar, betont Stalder. Etwa, als ihr eine Braut beim Abschied um den Hals fiel, weil diese so gerührt war vom tollen Service. "Das motiviert zum Weitermachen, auch wenn es manchmal streng ist."
Die feine Handschrift
Die Tage können lange werden, vor allem wenn auf die Produktion zu Hause nahtlos der Service-Einsatz beim Kunden folgt. Es ist durchaus möglich, nur im Hintergrund oder ausschliesslich an der Front mitzuhelfen, ganz nach den eigenen Stärken. Ruth Stalder jedoch schätzt die Kombination der beiden Aufgaben am meisten: Von zu Hause arbeiten zu können, sowie beim Service unter die Leute zu kommen. Nicht selten erhält die 55-Jährige mit dem herzlichen Lachen dabei Komplimente für das abwechslungsreiche, frische und natürliche Buffet.
"Wir arbeiten alle nach den gleichen Rezepten. Und doch trägt alles ganz fein die Handschrift der jeweiligen Köchin. Man sieht, dass es handgemacht ist", so die Bäuerin, die seit einem Jahr auch Verwaltungsmitglied von Agricatering ist. Saisonal und regional gilt beim Cateringdienstleister schon seit zehn Jahren. Dies schliesst nicht nur ein Erdbeerdessert im Februar aus, sondern geht bis zum Gemüsedip, wo im Winter konsequent nur verschiedenfarbige Rüebli zu finden sind.
Genug von Rouladen
Doch nun zurück zur Spinatroulade: "Die Reste gehören dem Kunden. Falls er diese aber nicht will, werden sie nicht entsorgt, sondern wir nehmen sie mit nach Hause", führt Ruth Stalder aus. Das erklärt, weshalb ihr Mann und ihr jüngster Sohn, der noch zu Hause wohnt, von den leuchtend-grünen Rollen mittlerweile nicht mehr ganz so begeistert sind wie die Kundschaft.
Jubiläum
Die Mitarbeiterinnen von Agricatering feiern am Freitag, 3. Mai, ihr 10-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsfest, an dem sie die Kochschürzen für einmal an den Nagel hängen.

