Früher war die Rolle der Bäuerin klar definiert: Sie war familienbezogen, führte einen grossen Garten zur Selbstversorgung, half auf dem Betrieb mit – kurz sie war einfach für alle und alles da. Dieses Bild hat sich gewandelt. Die Rolle der Bäuerin ist heute nicht mehr so klar vorgegeben. "Bäuerin sein ist heute ein Spagat zwischen Tradition und Moderne", findet Regula Bucheli. Sie war am 19. November Gastreferentin am Bäuerinnenforum, das von der Kommission Frauen in der Landwirtschaft des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL) organisiert wurde.
Jede Frau muss ihre Rolle auf dem Betrieb finden
Regula Bucheli und ihr Mann führen mit Sohn und Schwiegertochter in Ruswil LU einen Generationenbetrieb. Bucheli ist zudem Präsidentin des Luzerner Bäuerinnenverbands und Vizepräsidentin des Luzerner Bauernverbands. Kein Beruf sei so abwechslungs- und facettenreich wie jener der Bäuerin, hob Bucheli hervor. "Und doch muss sich jede Frau selber in diesem Beruf finden."
Die Bäuerin ist das Rückgrat von Betrieb und Familie. Sie hat andere Wertvorstellungen und Ansichten als der Bauer. Aber beide zusammen ergeben ein Ganzes, sie machen den Betrieb aus. Zu dieser Teamarbeit gehört für Bucheli auch, dass bei einem Maschinenkauf oder bei einem Stallbau auch die Frau die Verträge mitunterschreibt.
Junge Frauen bringen heute andere Voraussetzungen mit. Sie haben meistens einen Beruf erlernt, kommen in einen neuen Betrieb und arbeiten dort mit, viele zusätzlich noch auswärts. "Dann sollten sie auch ein Mitspracherecht haben", findet Bucheli. Eine klare Meinung hat die Referentin zur sozialen Absicherung der Bäuerin: "Es ist wichtig, dass die Bäuerin einen Lohn hat und richtig abgesichert ist. Aber es wäre falsch, dies als Bedingung an den Erhalt von Direktzahlungen zu knüpfen."
Der Druck von aussen ist gross
Bei der anschliessenden Podiumsdiskussion, moderiert von Maja Grunder, trafen vier verschiedene Lebensmuster aufeinander. Köbi Hug (57), Daniela Lobsiger (50), Tobias Kraft (34) und Franziska Schär (32) legten dar, was Bäuerin sein in ihren Augen bedeutet.
Daniela Lobsiger stellte fest, dass die Öffentlichkeitsarbeit stark an Bedeutung gewonnen hat. "Früher waren die Leute näher an der Landwirtschaft, man musste nicht alles erklären und rechtfertigen."
Franziska Schär pflichtete ihr bei. Man müsse viel mehr ausführen und erklären. Dennoch empfindet sie es als Privileg, Bäuerin zu sein. Die gelernte Pflegefachfrau arbeitet in einem 30-Prozent-Pensum im Spital Münsterlingen. Ist sie auf Arbeit, kümmern sich ihre Schwiegereltern um den dreijährigen Sohn. Wie sie diesen Spagat schaffe, wollte Grunder von Schär wissen. "Es braucht eine gute Organisation, um alles unter einen Hut zu bringen", gab sie zu. Für sie sei es eine Abwechslung und auch eine Art der Wertschätzung gegenüber den Schwiegereltern.
Tobias Krafts Frau geht keiner ausserbetrieblichen Tätigkeit nach. "Klar geht ihr der Spruch 'Was, du bist nur zu Hause?' manchmal nahe. Aber uns ist es wichtig, die Kinderbetreuung selber zu machen", erklärte Kraft.
Absicherung ist ein Thema
Wie es denn um die soziale Absicherung der Bäuerin auf ihren Betrieben stehe, wollte Maja Grunder wissen. Daniela Lobsiger arbeitete immer voll auf dem Betrieb. Sie hatte nur steuertechnisch einen Lohn, versichert war sie aber immer. "Für mich hat das gestimmt", sagte sie. Heute freut sie sich, wenn sie in ihrem Mandat als Verwaltungsrätin der Fenaco ein bis zwei Tage pro Monat für Sitzungen in Bern aus dem Haus kommt.
Franziska Schär zahlt mit ihrem Krankenschwesternlohn den Lohn der Schwiegereltern, die auf dem Betrieb mitarbeiten. "Wir haben die soziale Absicherung noch nicht geregelt", räumte sie ein. Das habe damit zu tun, dass die Schwiegereltern in einem Notfall vieles auffangen könnten. Tobias Kraft zahlt seiner Frau einen Lohn, auch die soziale Absicherung haben sie geregelt. Köbi Hug erklärte, dass es für sie erst jetzt möglich sei, eine Altersvorsorge aufzubauen.
Einig waren sie sich, dass es ab und zu eine Auszeit vom Betrieb braucht. "Wir haben uns immer im Winter und im Sommer Ferien genommen", sagte Lobsiger. Für Familie Hug, deren Betrieb im Berggebiet liegt, waren nur Skiferien möglich. Bei Kraft und Schär arbeiten die Eltern respektive Schwiegereltern noch auf dem Hof, was die Ferienorganisation im Moment vereinfacht.

