ABO

Ausfallmais als Zusatzfutter: Wann Silieren oder Eingrasen sinnvoll ist

Junge Maispflanzen liefern in Zwischenfutter zusätzliches Futter. Laut Futterbauberater Hanspeter Hug bleiben doch nach Bodenfrost nur zwei bis drei Tage für die Ernte.

Bemerkenswert, wie viele junge Maispflanzen zurzeit auf den Feldern wachsen. Auf mancher Parzelle sieht es aus, als wäre er gesät worden. Doch wie kommt es? Hanspeter Hug, Futterbauberater Strickhof, erklärt die Situation folgendermassen: «Der Reifegrad war innerhalb der Maisparzellen sehr unterschiedlich. Aufgrund der Trockenheit sind viele Maisstauden bereits früh in die Notreife übergegangen. So konnten beim Silieren ausgereifte Kolben auf den Boden gelangen, die unterdessen gekeimt sind.»

Gern gesehenes Futter

Die jungen Maispflanzen entwickeln sich gut, doch wie ist er futterbaulich nutzbar? Hanspeter Hug würde ihn so lange wie möglich wachsen lassen, um möglichst viel zusätzlichen Ertrag zu erzielen. Ist der Ausfallmais in einem Zwischenfutter, beispielsweise in einer frisch angesäten Kunstwiese, kann er gut mit dem Zwischenfutter eingegrast oder siliert werden.

Grünschnittmais wird gerne gefressen und siliert gut. Das zusätzliche Futter ist willkommen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob der Mais gross genug wird, sodass er mit dem Maishäcksler geerntet werden kann, ohne dass es nur Mus gibt.

Hier sind betriebsspezifische Lösungen gefragt, es gibt wohl kein Rezept, das in alle Regionen und Betriebe passt. Laut Hug sind die Blausäuregehalte unproblematisch, daher gibt es bei den jungen Maispflanzen keine Einschränkungen wie beim Sorghum.

Kein Problem mit Schädlingen im Ausfallmais

Hanspeter Hug sieht auch von der Schädlingssituation her keine Probleme; der Maiszünsler überwintert in den alten Stoppeln, hier empfehlen sich die gleichen Vorgaben, die auch in anderen Jahren gelten. Die Maisstoppeln sollten zerkleinert und mit der Scheibenegge eingearbeitet werden. Der Zünsler wandert nicht in die Jungpflanzen. Für die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers ist es nach wie vor wichtig, die Fruchtfolge einzuhalten.

Im Herbst droht Bodenfrost: Wenn es frostig war, sollte der Mais innerhalb von zwei bis drei Tagen abgeräumt werden. Durch den Frost wird der Wasserfluss in der Pflanze zerstört, sie wächst nicht mehr.

Bei der Ernte liegengelassene Maiskolben haben wieder Pflanzen gebildet. (Bild: Jill Schuller)

Reinigungsschnitt in Neuanlagen

Zwischenfutter, das Mitte bis Ende August angesät wurde, ist unterdessen gut aufgelaufen. Je nach Region ist nach wie vor das fehlende Wasser ein stark limitierender Faktor. Auch hier sind die Parzellen teilweise mit Mais durchwachsen.

Hanspeter Hug empfiehlt, nach dem Äugstlen einen normalen Reinigungsschnitt durchzuführen. Er beobachtet aktuell viel Amarant, Hirse und Melden in den Neuligen. Wenn der Reinigungsschnitt als Futter genutzt werden soll, würde er das Eingrasen vorziehen. Die Beikräuter haben keine guten Siliereigenschaften.

Die Hafer-Wicke-Gemenge sind ebenfalls erfreulich aufgelaufen und versprechen einen schönen Ertrag. Es eignet sich sowohl zum Silieren als auch als frisches Futter im Tenn.

Sind noch aktive Bodenherbizide aus der Vorkultur?

Auch für Hanspeter Hug ist unklar, ob noch aktive Bodenherbizide die Saat beeinträchtigen können, wenn nach Mais Getreide in der Fruchtfolge geplant ist. Die Pflanzenschutzexperten und -expertinnen sind sich uneinig, wie stark allfällige Rückstände die Folgekultur belasten könnten. Da keine Erfahrungswerte aus Vorjahren oder Versuchen verfügbar sind, ist es empfehlenswert, den Boden gut zu bearbeiten und zu durchmischen.

Hug empfiehlt folgendes Vorgehen: Um die Bodenlebewesen zu aktivieren und damit eine raschere Umsetzung zu fördern, sollte das Saatbeet gut vorbereitet sein: Eine genügend tiefe Bodenbearbeitung hilft nicht nur den Bodenlebewesen, sondern fördert auch das Wasseraufnahmevermögen. Wichtig ist auch, dass anschliessend gut rückverfestigt wird.

Ein so bearbeiteter Boden nimmt Niederschläge besser auf. Das Wasser fliesst nicht durch Spalten ab, sondern steht den Keimlingen direkt zur Verfügung.

Weiterlesen

  • Ein paar Wolken, aber kein Regen in Sicht: Das Niederschlagsdefizit dieses Sommers liess die Pegel von Fliessgewässern und Grundwasser schwinden.

    Extremsommer 2026: Warum Toni Seeholzer den Boden flach bearbeitet

    Der Extremsommer 2026 hat jeden Betrieb etwas anders gefordert. Wir fragten bei drei Betrieben nach ihren Erfahrungen. Toni Seeholzer zieht Schlüsse für die nächste Saison: Bodenbearbeitung kostet Feuchtigkeit.
    Show more
    ABO
  • EuroTier 2026 – Die weltweite Leitmesse für Tierhaltungsprofis

    ✹
  • Landwirt Georg Dällenbach: «Alles läuft derzeit am Limit, es fehlt der Spielraum»

    ABO