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Wildschweine breiten sich aus: Klima und Ackerbau treiben Bestände und Schäden

Mehr Mais, mildere Winter und hohe Fruchtbarkeit lassen Wildschweine in der Ostschweiz zunehmen, was Schäden auf Ackerflächen verstärkt und Landwirte zu mehr Prävention zwingt.

Gemäss der eidgenössischen Jagdstatistik wurden 2021 in den Ostschweizer Kantonen Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Graubünden, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und Glarus 1758 Wildschweine erlegt.

Bestände werden geschätzt

Im Kanton Zürich ist die Ausbreitung der Tiere weiter vorangeschritten. 2021 erlegte man hier 2004 Tiere. Seither haben sich die Bestände auf tieferem Niveau stabilisiert, trotz fortschreitender Verbreitung. Schweizweite Daten zeigen zudem, dass die Wildschweinpopulation seit 2021 tendenziell steigen, wenngleich regional grosse Unterschiede zu erkennen sind. Doch wie werden die Bestände der enorm anpassungsfähigen und hochintelligenten Tiere überhaupt erhoben?

Im Kanton Zürich werden diese nicht erhoben, sondern durch die Jagdgesellschaften auf Revierebene geschätzt: «Diese Schätzung zeigt, wie sich ein Bestand entwickelt, nicht jedoch, wie hoch er genau ist. Auch können mit diesen Indexwerten nur Aussagen über die Vergangenheit gemacht werden. Für aktuelle Bestände bräuchte es einen grossen Aufwand», erklärt Sandro Stoller, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fischerei- und Jagdverwaltung beim Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich. 

Die Frage nach der Dunkelziffer sei hier von Interesse, denn es stelle sich die Frage, wie repräsentativ die Erhebungen, die in den Revieren gemacht werden, sind, ergänzt Manuel Wyss, ebenfalls wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung.

In die Bestandsschätzungen fliessen die Abschusszahlen ein, die innerhalb von 24 Stunden durch die Jäger zur Verfügung gestellt werden müssen, sowie die Anzahl der Tiere, die durch Wildunfälle auf der Strasse oder durch Krankheiten zu Tode gekommen sind.

Über Jahre hinweg entsteht so ein Datenstamm, durch den retrospektiv auch die Veränderungen der Bestände analysiert werden können. Auch die fortschreitende Technik macht es möglich, dass Tiere zum Beispiel durch Drohnen mit Wärmebildkameras erfasst werden können. Die Schadenssituation in der Landwirtschaft trage ebenfalls zur Aussagekraft der Bestandsentwicklung bei. Viele Umweltfaktoren wirken sich auf diese aus. 

Je besser genährt, desto fruchtbarer

Je besser der Ernährungszustand einer weiblichen Wildsau, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Nachwuchs überlebt. Manuel Wyss erklärt, dass die Wildschweine von den milden Wintern und den Mastjahren der Eichen und Buchen profitieren und somit ihre Reproduktions- und Überlebensrate steigt.

Immerhin habe eine Bache eine Fortpflanzungsleistung von 300 Prozent, so Wyss. Aber auch die Entwicklungen in der Landwirtschaft tragen zur Bestandsentwicklung der Wildschweine bei. Der Abbau der Milchwirtschaft und die Steigerung des Ackerbaus spielen hier eine Rolle.

Die meisten Schäden entstehen in energiereichen Kulturen wie Mais, Getreide oder Zuckerrüben. «Die Situation ist eine grosse Herausforderung und wir haben bislang kein Patentrezept, um Schäden gänzlich zu vermeiden», sagt Manuel Wyss. Dennoch soll die konsequente Bejagung der richtigen Tiere gemeinsam mit einer räumlich gelenkten Jagd Schäden reduzieren, fügt Sandro Stoller hinzu. 

In Prävention investieren

Wollen Landwirte und Landwirtinnen Entschädigungszahlungen aus dem Wildschadenfonds im Kanton Zürich geltend machen, muss der Schaden zunächst der Jagdgesellschaft gemeldet werden. Ein Schadenexperte bewertet die Schäden im Anschluss vor Ort und meldet dies dem Amt für Landschaft und Natur, welches den durch die Wildschweine verursachten Schaden ausgleicht.

«Es wird der gesamte entstandene Schaden ausbezahlt. Nicht nur der Ertragsausfall. Auch etwaige Folgeschäden sind abgedeckt», erklärt Sandro Stoller. Wie Manuel Wyss weiter erklärt, investiere man vonseiten des Kantons Zürich vielfältig in Prävention: Zaunsysteme und auch der Zaununterhalt zählen zu den Kostenpunkten. 

Schutz der Kulturen

Landwirte und Landwirtinnen müssen präventiv wildschadensverhütende Massnahmen treffen. Diese stehen in Abhängigkeit von dem Wert der Kultur. Ansonsten kann es zu Kürzungen bei den Entschädigungen kommen. Präventionsmassnahmen, Zaununterhalt und Ertragsentschädigungen addieren sich jährlich im Schnitt auf eine Million Franken, berichtet Manuel Wyss.

Detaillierte Leitfäden zum Thema Verhütung und Vergütung von Wildschäden sind auf der Webseite der Fischerei- und Jagdverwaltung zu finden. Auch eine Übersichtskarte mit wildschadengefährdeten Parzellen und ein Massnahmenkatalog zur Wildschaden-Prävention sind dort zu finden. 

«Die Frage, wie Wildschweine bejagt werden, sodass weniger Schäden in der Landwirtschaft entstehen, wird uns sicher noch über die nächsten Jahre beschäftigen», schliesst Manuel Wyss. 

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