«Wird man Chef, bekommt man ein grösseres Büro. Diese Rechnung geht in der Landwirtschaft nicht auf», sagte Bündner Regierungsrat Marcus Caduff. Am 22. August 2026 gratulierte er 108 Meisterlandwirtinnen und Meisterlandwirten, vier Bäuerinnen sowie einem Obstbauern und einer Obstbäuerin zur erfolgreichen Fachprüfung. Die Feier fand am Plantahof statt, dem landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums des Kantons Graubünden.
Mit dem Titel hätten die Berufsleute zwar kein grösseres Büro, aber das Wissen, um die Verantwortung für einen eigenen Betrieb zu tragen. «Sie sind strategischer Planer, Produzentin, Meteorologe, Vermarkterin – und irgendwann dazwischen sollten Sie noch Bauern können», sagte Caduff. Die Zukunft der Landwirtschaft liege nicht bei ihm im Churer Regierungsgebäude oder in Bundesbern. «Sie findet auf Ihren Betrieben statt. Zwischen Tradition und Innovation.»
Bestens gerüstet
Für diese Zukunft seien die frisch diplomierten Berufsleute bestens gerüstet. «Sie lernten, Fragen zu stellen, als Betriebsleiterin oder Betriebsleiter Entscheidungen zu treffen und deren Konsequenzen zu tragen», führte Petra Sieghart, Leiterin des Geschäftsbereichs Agriprof, in ihren anschliessenden Worten aus. «Heute sind in der Landwirtschaft Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gefragt», unterstrich auch Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbands, in seiner Rede. Genau darauf seien die Berufsleute in ihrer Ausbildung vorbereitet worden.

Von den 46 000 Schweizer Betrieben würden 11 000 von Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern mit höherer Bildung geführt. Und die Zahlen der Absolventinnen und Absolventen lagen im Durchschnitt der letzten Jahre, erklärte Petra Sieghart. Sie schliesst ihre Rede mit den Worten: «Bleiben Sie neugierig und hören Sie auch jetzt nie auf zu lernen.»
Von den 114 diplomierten Meisterinnen, Meistern, Bäuerinnen und Obstbäuerinnen und ‑bauern wurden fünf besonders ausgezeichnet. Die Schweizer Agrarmedien AG, u. a. Herausgeberin der BauernZeitung, belohnt jährlich die drei besten Abschlüsse. «Doch das Niveau war dieses Jahr überragend. Die Noten lagen so nahe beieinander, dass sich fünf eine Auszeichnung verdienten», erklärte Markus Aebi, Verwaltungsratspräsident des Fachverlages.
Simon Bandi ist der beste Meisterlandwirt
Mit einer stolzen 5,9 sicherte sich der frischgebackene Meisterlandwirt Simon Bandi den ersten Platz. In seiner Abschlussarbeit plante er den künftigen Legehennenstall auf seinem 60 Hektar grossen Biobetrieb im bernischen Oberwil bei Büren. Mit 2000 Legehennen will er in die Bioeierproduktion einsteigen. «Diese Auszeichnung markiert den Schluss eines riesigen Lebensabschnitts.»

Dicht gefolgt wurde er von Patrik Dönz auf dem zweiten Platz, der die Ausbildung zum Meisterlandwirt mit einer 5,8 abschloss. «Ich bin in der Beratung tätig, und irgendwann wurde klar, dass ich noch den Meister brauchte. Doch diese Ausbildung hat auch mich und meinen Betrieb weitergebracht», sagte der Absolvent und schmunzelte ins Publikum.
Mit einer 5,7 lagen eine Meisterin und ein Meister gemeinsam auf dem dritten Platz. Samuel Hunkeler aus Schötz (LU) gab Landwirtinnen und Landwirten, die jetzt die Ausbildung zur Meisterin oder zum Meister beginnen, einen Rat mit auf den Weg: «Bleibt dran. Seid ehrgeizig, motiviert und gebt nicht auf.»
Neben dem hohen Niveau spielte auch das UNO-Jahr der Landwirtin eine Rolle für die zusätzlichen Auszeichnungen: Die Schweizer Agrarmedien AG wollte die Rolle der Frau in der Landwirtschaft unterstreichen. «Als Betriebsleiterinnen, Direktvermarkterinnen, Fachfrauen und Mitgestalterinnen prägen sie die Landwirtschaft mit», so Markus Aebi. Aus diesem Grund erhielt auch Carmen Hausheer, die sich den dritten Platz mit Hunkeler teilte einen eigenen Preis. Sie ist die beste Meisterlandwirtin 2026. Auch die beste Diplomierte Bäuerin Jennifer Fröhlich wurde ausgezeichnet.
Zwei Frauen, zwei Betriebe
Carmen Hausheers Weg führte sie allerdings nur über Umwege wieder nach Hause auf den elterlichen Betrieb. Sie liess sich zur Kauffrau ausbilden und arbeitete nach der Lehre fünf Jahre in diesem Beruf. Hausheer verbrachte ein halbes Jahr im Ausland, war viel unterwegs und nutzte den elterlichen Betrieb eigentlich nur als Schlafplatz. «Als ich während der Coronakrise an den Betrieb gebunden war, realisierte ich, wie schön das ist. Drei Monate später begann ich die Lehre zur Landwirtin», sagte die Zugerin. Diesen Entscheid habe sie nie bereut. Im Zuger Talgebiet führen ihre Eltern einen 28 Hektar grossen Betrieb mit 44 Milchkühen, den sie bald übernehmen wird.

Bei Jennifer Fröhlich ist die Betriebsübernahme schon konkreter: Die beste diplomierte Bäuerin mit der Note 5,3 übernimmt den Betrieb ihrer Mutter am 1. Januar 2027 im Zürcherischen Niederhasli. Die gelernte Drucktechnologin besuchte die Bäuerinnenschule, um doch noch in die Fussstapfen ihrer Mutter treten zu können. «Ich fand die Schule toll. Seither bin ich mit Leidenschaft dabei.» Mit der Ausbildung zur Meisterin fühle sie sich nun bereit dazu.
Diesen beiden Frauen dankte nicht nur Markus Aebi für ihr Engagement, sondern auch Anne Challandes, Präsidentin des Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV): «Ihr ermutigt Frauen, in die Landwirtschaft einzusteigen.» Doch nicht nur die Bäuerinnen und Meisterinnen, auch die Meister sollten sich Gehör verschaffen und sich in der Landwirtschaft engagieren, so Challandes weiter. «Sie sind die Zukunft der Branche.» Und worauf freuen sich die frisch Diplomierten nun am meisten? «Als Erstes aufs Anstossen. Wir sind stolz auf unseren Abschluss und wollen diesen feiern», sagte Jennifer Fröhlich.

