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Tim Marchesi macht sehr viel, um seine Schafe zu schützen, aber der Herdenschutz kommt an Grenzen

Tim Marchesi ist Schafhalter im Bündner Puschlav. Er und sein Hirte geben alles, um die Tiere zu schützen. Doch die Wölfe kommen näher.

Wenig Niederschlag und spärliche Futtererträge: Aus diesen Gründen entschied sich Tim Marchesi 2019, die Milchproduktion aufzugeben und in die Schafhaltung zu investieren. Innert weniger Jahre ist er zu einem der grössten Schafhalter im Puschlav geworden.

Tim Marchesi macht sehr viel, um seine Schafe zu schützen, aber der Herdenschutz kommt an Grenzen
Die auf 500 Tiere angewachsene, gesömmerte Schafherde werde wohl auch mit allen ausgeschöpften Herdenschutzmassnahmen nicht von Wolfsangriffen verschont bleiben, befürchtet der Schafhalter.

Grosser Aufwand

Heuer konnte Tim Marchesi erstmals die 300 ha grosse Alp Canfinal (2000 bis 2400 m ü. M.) pachten. Der 18-jährige Junghirte Nicola Buzzetti betreut die Herde mit 500 Tieren mit vier Herdenschutz- und drei Treibhunden. Er unterteilt die grossflächigen Alpwiesen in sieben Sektoren in Tages- und Nachtweiden.

LN:

Betriebsspiegel: Tim Marchesi, San Carlo GR 35 ha im Eigentum Label: Bio Suisse Tierbestand: 450 Schafe, davon 220 Muttertiere Rassen: Auen aus Kreuzungen mit WAS, SBS, Texel, Spiegelschaf Widder: reinrassige Texel (Zukauf) Hunde: 4 Herdenschutzhunde, 3 Treibhunde Remontierung: 25 Jungauen / Jahr Deckzeit: November/Dezember Ablammungen: April/Mai Alpung: Sömmerung von 400 eigenen und 100 Schafen eines Schafhalterkollegen Vermarktung: Graubünden Vieh AG /regionale Annahmen August bis November Nebenerwerb: Zucht-/Ausbildungsbetrieb von Pyrenäenberghunden/Vertrag mit Agridea Arbeitskräfte: Betriebsleiter/Partnerin Teilzeit/ 1 Alphirt (4 Monate), 1 Mitarbeiter für Heuernte (6 Monate)/ Bruder Teilzeit

Um Wolfsangriffe nachts zu verhindern, wird ein Nachtpferch mit Zäunen mit vier Litzen, 90 cm hoch, und einer Stromspannung von 3000 Watt eingerichtet. Dank des zusätzlichen Herdenschutzgeldes vom Bund für 2022 konnte der Betrieb weiteres Zaunmaterial kaufen.

«Die Kosten für den Hirten, die mit dem Helikopter transportierte Hirtenunterkunft und das Hundefutter sowie der Pachtzins für die Alp werden gerade durch die Beiträge für die Sömmerung gedeckt. So kann ich, ohne meinen persönlichen Aufwand zu rechnen, meine Herde gratis sömmern», erklärt Marchesi.

Pyrenäenberghunde zu züchten ist zeitaufwändig und braucht Behutsamkeit

Herdenschutzhunde sind in der Regel im Alter von 1 bis 1 ½ Jahren für die Bewachung einer Schafherde und Abwehr des Wolfes , oft im Hundeteam, für den Betrieb einsatztauglich. Mit einer Ausfallquote von 15-20 % absolvieren die Zuchthunde eine Leistungsprüfung , bei welcher sie in einer Schafherde zum Ereignisort rennen , bellen und der störende Hund vertreiben müssen. Für den Test wird oft mit Attrappen ein Wolf simuliert. Für die Ausbildungszeit von über einem Jahr (3. bis 15. Lebensmonat) entschädigt der Bund die Züchter mit einer monatlichen Pauschale von Fr 250.- und Fr 100.- Futtergeld. Mit der Ausdehnung des Herdenschutzes ist die Nachfrage nach ausgebildeten Herdenschutzhunden stark angestiegen. Obwohl 2022 90 Hunde platziert werden konnten, fehlen noch Ausbildungsplätze von über 200 Herdenschutzhunde mit einer Wartezeit von 1 bis 3 Jahren.

Trotz optimalem Herdenschutz ist sich der Schafhalter bewusst, dass auch seine Herde von möglichen Wolfsrissen nicht verschont sein wird. Zuletzt wurde mehrmals ein Wolfspaar in der Region gesichtet.

Tim Marchesi macht sehr viel, um seine Schafe zu schützen, aber der Herdenschutz kommt an Grenzen
Für etwas mehr Wetterschutz, Schlaf- und Ruhekomfort für den Alphirten wurde dieser Container eingeflogen und neben der alten Berghütte platziert.

Hoffen auf Politik

Tim Marchesi hofft, dass mit der Revision des Jagdgesetzes und der Jagdverordnung künftig auch bei auffälligem Verhalten von Wölfen durch Annäherungen eine Abschussbewilligung erteilt werden kann. Zehn Risse bis zur Entfernung seien zu viel, umso mehr, wenn DNA-Proben durch Verwischungen durch andere Tiere nicht auf den Wolf zurückzuführen seien.

Bei den Rudeln müsste wie beim Beispiel Beverin nicht nur die Hälfte der Jungwölfe, sondern der Leitwolf oder das ganze Rudel erlegt werden. Die Entscheide des Bafu und der Kantone seien oft zu weit weg vom praktischen Geschehen. Jeder Bergkanton müsse die gleichen Regeln haben, aber Detailabklärungen an Wildhut und betroffene Schafhalter müssten delegiert werden.

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