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Porträt: Die Kombination von «Grün» und «Biobauer» passte

Der Grüne Biobauer Simon Weilenmann aus Basadingen schaffte am 15 März völlig überraschend die Wahl ins Thurgauer Kantonsparlament. Vielleicht passte die Kombination von «Grün» und «Biobauer» mutmasst der Überflieger.

«Ich bin dabei. Aber nicht zuvorderst.» So hat Simon Weilenmann aus Basadingen stets geantwortet, wenn er von der Grünen Partei angefragt wurde, ob er sich für die Thurgauer Grossratswahlen auf die Liste setzen lassen wolle. Der 30-jährige Biobauer aus Basadingen wurde mehr als einmal angefragt – und hat jeweils die Wahl ins Thurgauer Kantonsparlament weder erwartet noch geschafft.

Als Überflieger gewählt

Auch vor dem Urnengang vom 15. März dieses Jahres war die Ausgangslage die gleiche: Simon Weilenmann wurde angefragt, ob er kandidieren wolle und er sagte zu. Er wurde nicht auf einen der vorderen Listenplätze gesetzt, sondern irgendwo im Mittelfeld, auf Platz 11. Von diesem Platz aus holte Weilenmann im Wahlkreis Frauenfeld völlig überraschend am viertmeisten Stimmen auf der Liste der Grünen und schaffte als Überflieger die Wahl ins Thurgauer Kantonsparlament. Als klassischen Listenfüller hat sich Simon Weilenmann allerdings nicht gesehen. Mit seiner Kandidatur wollte er auch zusätzliche Stimmen für die Grüne Partei und deren Anliegen gewinnen. Aber mit einer Wahl hatte Weilenmann wirklich nicht gerechnet. So sass er denn am Wahlsonntag auch nicht vor irgendeinem Newsticker, um den Ausgang der Kantonsratswahlen möglichst genau zu verfolgen. Er erfuhr erst von seinem Erfolg, als ihn sein Vater anrief, um zu gratulieren.

Erfreut aus vielen Gründen

Auch wenn er in keiner Weise damit gerechnet hat: Nach der unerwarteten Wahl wirkt Weilenmann zufrieden. Er sei zwar eher der Praktiker und nicht der Mann der Theorien, sagt Weilenmann von sich, der bis anhin keine politischen Ämter innehatte. Aber die Wahl freut ihn, aus ganz verschiedenen Gründen. So will er eine Stimme für Klein- und Biobetriebe sein und sich dafür einsetzen, dass landwirtschaftliche Familienbetriebe erhalten bleiben. Er will sich dafür engagieren, dass es mit der Ökologisierung der Landwirtschaft vorwärts geht. «Die Zeit drängt», sagt Weilenmann.

Politik kann vieles bewirken

Wenn der Wille vorhanden ist, könne die Politik viel bewirken, ist er überzeugt. Das würden die Reaktionen auf die Coronakrise zeigen. Jetzt sei es an der Zeit, dass auch in ökologischen Fragen mit der gleichen Entschlossenheit reagiert werde. Nicht zuletzt freut sich Weilenmann aber auch darüber, dass mit seiner Wahl die Vertretung der Region Untersee und Rhein im Thurgauer Kantonsparlament gestärkt wird.

In der Region aufgewachsen

Mit einer schlüssigen Antwort, weshalb er den Sprung ins Thurgauer Kantonsparlament geschafft hat, kann Simon Weilenmann nicht aufwarten. Einen Grund für die Wahl sieht er darin, dass man ihn in der Region kennt. Er ist in Basadingen aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat den Betrieb seines Vaters übernommen. Das hat in der Region für zusätzliche Stimmen über das Potenzial der Stammwähler der Grünen Partei hinaus gesorgt. Hinzu kommt, dass Weilenmann von den zusätzlichen Stimmen für die Grünen profitierte, die bei dieser Wahl im Zeichen des Klimawandels auch im Thurgau kräftig zulegten. Einen weiteren Grund für seine Wahl sieht ­Weilenmann darin, dass die Kombination von «Grün» und «Biobauer» bei den aktuellen Diskussionen rund um die Landwirtschaft für viele passte.

Hof von Eltern übernommen

Der 30-jährige Simon Weilenmann hat den Hof Chalchofen vor zehn Jahren zusammen mit seiner Frau Coralie Wenger, einer freischaffenden Pressefotografin, von seinen Eltern übernommen und ist Vater von vier Kindern im Alter zwischen einem und acht Jahren.
In Zeiten des Coronavirus findet das Gespräch mit Simon Weilenmann nicht auf dem Hof statt, sondern in einem Zwei-Meter-Abstand auf einer Sitzbank oberhalb eines kleinen Rebbergs etwas ausserhalb des Dorfes. Diesen hatte bereits Simon Weilenmanns Vater angelegt. Umrundet wird der Rebberg von einer Weide für Weilenmanns Mutterkühe. Auf dem lediglich 35 Aren grossen Rebberg werden gleich drei Piwi-Sorten kultiviert: Seyval Blanc, Marréchal Foche und Léo Millau. Der Schädlingsdruck in diesem Rebberg ist gering, weil er nicht von weiteren Rebbergen umgeben ist. Weilenmanns Vater, der den Rebberg als eine Art Hobby pflegt, kommt ganz ohne Pflanzenschutzmittel aus. Auch im schlimmsten KEF-Jahr sei man glimpflich davongekommen, sagt Simon Weilenmann. Man habe die Lese nur um wenige Tage vorverlegen müssen.

Vielfalt auf kleinem Raum

Simon Weilenmann ist ein Anhänger der Permakultur. Dies widerspiegelt sich auf den beiden Parzellen, auf denen das Gespräch stattfindet, in einer hohen Artenvielfalt auf kleinem Raum. Weilenmann weist auf die zahlreichen Hecken und Büsche rund um den Rebberg hin und das Weideland, die Lebensräume für viele Nützlinge sind. Auf der Viehweide hat er einen alten Bestand ersetzt und neue Hochstammobstbäume gepflanzt. Es handelt sich vorwiegend um alte Sorten. Durch die Beweidung soll der Bestand an Mäusen in Grenzen gehalten werden.
Die Ration für seine 15 Mutterkühe und deren Kälber setzt sich aus dem Grundfutter zusammen. Im Sommer werden die Tiere gealpt.

Direktermarktung ist ihm wichtig

Wenn es um den Vertrieb seiner Produkte geht, setzt Weilenmann auf die Direktvermarktung. Das funktioniert bei seinem Bio-Weidebeef, das im regionalen Schlachthof geschlachtet und vom Dorfmetzger in kundengerechte Stücke zerlegt wird, zu 100 Prozent. Das gilt auch für den Wein und den Traubensaft aus seinem Rebberg. Das Getreide vertreibt Weilenmann über die Genossenschaft Biofarm. Abnehmer für Weilenmanns Karotten, Kartoffeln und Randen ist zu 70 Prozent die Bio-Produzentenorganisation Terraviva. Die restlichen 30 Prozent gehen an Marktfahrende oder werden direktvermarktet.

Gespannt auf die erste Sitzung

Mit 21 Hektaren Landwirtschaftlicher Nutzfläche ist Simon Weilemanns vielseitiger Betrieb vergleichsweise klein. Es handelt sich aber, wie Weilenmann betont, um einen Vollerwerbsbetrieb. Auf dem Betrieb arbeiten Simon Weilenman und dessen Vater. In Spitzenzeiten helfen Freunde und Bekannte mit. Ausserdem arbeitet Weilenmann mit sozialen Institutionen der Region zusammen.


Seiner ersten Sitzung im Thurgauer Kantonsparlament vom 20. Mai sieht der 30-Jährige mit Spannung entgegen. Dass er dort mit dabei sein kann, sieht er auch als Bestätigung für seine politische Haltung, die er bisher in einem kleineren Kreis vertreten hat. Er geht davon aus, dass er sein neues Amt zeitlich bewältigen kann. Höchstens, wenn ein Sitzungstag nach einer Schlechtwetterperiode in ein kurzes Zeitfenster mit günstigem Wetter fällt, könnte es eng werden.

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