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«Nicht immer auf der Schweizer Landwirtschaft herumhacken»

Für Nationalrat Mike Egger sind die Schweizer Bauern top. Er findet, dass es sinnvoll wäre, das Thema Bevölkerungswachstum einmal genauer zu beleuchten, anstatt immer auf der Schweizer Landwirtschaft herumzuhacken.

Die Schweizer Landwirtschaft gehört punkto Tierwohl und Nachhaltigkeit zu den Spitzenreitern weltweit. Es gibt kein anderes Land auf der Welt, welches derart hohe Anforderungen an die bäuerlichen Betriebe stellt.

Aber nicht nur in den Bereichen Tierwohl und Nachhaltigkeit hat sich die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, sondern auch in ihrer Produktivität.

In Bundesbern haben viele Politiker Ideen, wie man die Landwirtschaft noch produktiver machen oder wie der Ressourcenverbrauch gesenkt werden könnte. Dies, obwohl die Faktenlage klar aufzeigt, dass sich die Schweizer Landwirtschaft in diesen Bereichen deutlich verbessert hat.

Massives Bevölkerungswachstum

Die Schweiz verzeichnet in den vergangenen 20 Jahren ein Bevölkerungswachstum von zirka 1,5 Millionen Menschen, in Deutschland sind es zirka 1,1 Millionen. Dies bedeutet ein 16-mal schnelleres Wachstum als in unserem Nachbarland, obwohl in Deutschland 84 Millionen Einwohner leben, also fast 10-mal so viel wie bei uns.

Ein solches massives Wachstum hat einen direkten Einfluss auf den Ressourcenverbrauch in der Schweiz. So konnte der Stromverbrauch pro Kopf von 2001 bis 2019 zwar um über 10,3 Prozent gesenkt werden, in absoluten Zahlen verzeichnen wir aber eine Zunahme von 6,4 Prozent.

Die Schweizer Landwirtschaft ist auch hier vorbildlich. Sie hat es geschafft, trotz höherer Produktion den Stromverbrauch im gleichen Zeitraum um über 7,3 Prozent zu senken. Seit 1979 hat die Siedlungsfläche in der Schweiz als Folge des Bevölkerungswachstums um 31 Prozent zugenommen, die Landwirtschaftsfläche aber reduzierte sich leider um 7 Prozent.

Widersprüchliche Politik

Trotz des Flächenschwundes fordern Politikerinnen und Politiker in Bern von der Landwirtschaft noch mehr Biodiversitätsfläche ein. Gleichzeitig verlangen dieselben Politiker einen möglichst hohen Eigenversorgungsgrad von Schweizer Lebensmitteln.

Was für ein Widerspruch! Man kann nicht die produktive Landwirtschaftsfläche verringern und gleichzeitig den Anteil an Schweizer Lebensmitteln erhöhen.

Für mehr einheimische Lebensmittel muss der Rückbau von Landwirtschaftsfläche verhindert werden. Die Schweizer Bauernbetriebe haben in den vergangenen Jahren nicht nur das Tierwohl verbessert und die Nachhaltigkeit massiv gesteigert, sondern auch die Produktivität, was als echte Meisterleistung bezeichnet werden kann.

Seit 2020 ist die Bevölkerung der Schweiz um 20 Prozent angestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe um 30 Prozent reduziert.

Im Jahr 2000 produzierte ein Landwirtschaftsbetrieb Lebensmittel für 102 Einwohner, 2020 bereits für 176 Einwohner – eine solche Produktivitätssteigerung trotz den erwähnten Herausforderungen zu realisieren, ist eindrücklich und muss unbedingt besser gewürdigt werden.

Schweizer Bauern sind Trumpf

Aufgrund der genannten Zahlen ist es offensichtlich, dass sich die Schweizer Landwirtschaft den aktuellen Herausforderungen erfolgreich stellt.

Für mich steht damit fest, die Schweizer Bauern sind Trumpf. Die Zahlen belegen aber ebenso, dass der massiv höhere Stromverbrauch, der höhere Treibausgasausstoss und der Schwund von Landwirtschaftsflächen direkt mit dem Bevölkerungswachstum der Schweiz in Verbindung stehen.

Deshalb wäre es sinnvoller, das Thema Bevölkerungswachstum einmal genauer zu beleuchten, anstatt immer auf der Schweizer Landwirtschaft herumzuhacken.