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Jürg Jordi verlässt das BLW: Ein Rückblick

Der Kommunikationschef geht nach 19 Jahren beim Bundesamt für Landwirtschaft in den Ruhestand und muss sich nicht mehr Ärgern.

Jürg Jordi tritt ab. Der Kommunikationschef vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat am 29. Oktober 2019 seinen Badge abgegeben und «Adieu» gesagt. Die E-Mail, die er am Montagnachmittag vor seinem Abschiedsapéro an seine Kontaktpersonen verschickte, war kurz und klar – wie seine Antworten, die er auf Medienanfragen verschickte. Jordis Zeit ist nach fast zwanzig Jahren, rund sieben Reformen der eidgenössischen Agrarpolitik und zwei Amtsdirektoren abgelaufen. Rund 30'000 Medienanfragen hat er in dieser Zeit beantwortet. Praktisch immer pünktlich; sieben Tage die Woche.

Redaktionen wissen weniger

Jürg Jordi hat in einer Zeit angefangen, in der das BLW die Medienmitteilungen noch per Post verschickte. Und er hört in einer Zeit auf, in der sie über den Kurznachrichtendienst Twitter verteilt werden. Jordi hat erlebt, wie Zeitungen ihre Spezialisten wegsparten. Bis am Montag erlebte er den Horror von unqualifizierten Anfragen zur Landwirtschaft. «Ich habe das Gefühl, für Journalisten ist es heute viel einfacher, zu recherchieren», sagt Jordi. «Aber dann fragen sie mich, ob Schweizer Landwirte auch Subventionen erhalten». Jordi verdreht die Augen. «Ab und zu habe ich schon gedacht ‹Gopfertelli›, zwei Klicks und dann hättest du das gewusst. Da müsste ich nicht eine lange E-Mail-Antwort schreiben.»

Komplizierte und mühsame Prozesse machen ihm zu schaffen

Der ehemalige Journalist spricht leise. «Ich kann aber schon auch laut werden», sagt er. Wenn sich Personen hinter Paragrafen verstecken, zum Beispiel. Jordi stellt fest, dass die Verbeamtung generell zunehme. Nicht nur im Bundesamt, sondern auch in der Landwirtschaft. Nicht nur unqualifizierte Medienanfragen, sondern auch komplizierte und mühsame Prozesse machen ihm zu schaffen. «Vielleicht, weil ich älter werde. Vielleicht aber auch, weil ich eigentlich weiss, wie es läuft.» Jordi sitzt entspannt auf einem Holzstuhl und erzählt, wie das Beschaffungswesen kleinere Projekte verkompliziert, wie er für ein Faltblatt einen Beschaffungsantrag durch zwei Bundesämter schicken muss, bevor er mit dem Grafiker die eigentliche Arbeit beginnen kann. «Fairerweise muss man sagen, dass die Vorgaben wieder gelockert wurden», sagt Jordi.

Über Kühe wollte er nicht schreiben

Dass Jordi seine berufliche Laufbahn beim BLW beendet, war so eigentlich nicht geplant. Er fing als Journalist an, arbeitete beim «Bieler Tagblatt», später bei der «Berner Zeitung». Dort brachte er es zum Inlandchef, dann musste er sich entscheiden: Zwischen einer Option, die für ihn nicht in Frage kam – und zu der er während des Gesprächs nichts sagt – und einer Versetzung zum «Schweizer Bauer». Letzterer gehörte wie die «Berner Zeitung» damals zur Espace Media Gruppe und wurde von Ruedi Haudenschild geführt. Diesem hat Jordi gleich beim ersten Gespräch klargemacht, dass er nicht über Kühe schreiben werde.

Ein stürmischer Start beim BLW

So kam es, dass Jürg Jordi fünf Jahre lang über Agrarpolitik und über bäuerliche Organisationen schrieb. Der Bezug zur Landwirtschaft war ein professioneller – und ist es auch geblieben, als Jordi im Jahr 2000 auf die Seite des Bundesamtes wechselte.

Die erste Woche war stürmisch: Der damalige Bundesrat Pascal Couchepin stellte Manfred Bötsch als neuen BLW-Direktor vor. Und dieser wiederum präsentierte den Horizont 2010, ein Strategiepapier für die Ausgestaltung der Agrarpolitik. Jordi beschreibt die Reaktionen als «vom strübsten», ähnlich geharnischt, wie jene zur Gesamtschau im November 2017. «Der Bauernverband hat uns damals sämtliche Lieben gekündet», frotzelt Jordi rückblickend.

Der goldene Bremsklotz war ein Highlight

Im Herzen, das wird bei solchen Episoden deutlich, ist Jordi Journalist geblieben: er ist politisch interessiert, aber in keiner Partei aktiv. Seine Meinung tue, wenn überhaupt, Amtsintern etwas zur Sache. «Ich will ja nicht gross rauskommen», sagt Jordi nur. Neben geschätzten 30 000 beantworteten Medienanfragen hat Jordi auch dafür gesorgt, dass das BLW den kommunikativen Anschluss an die Medienwelt nicht verliert.

Dass er in den letzten zwanzig Jahren noch Pionierarbeit für die Umsetzung des Öffentlichkeitsgesetzes geleistet hat, freut ihn besonders. Als «Highlight» bezeichnet er die Auszeichnung mit dem goldenen Bremsklotz – einem Schmähpreis, den das Schweizer Recherche-Netzwerk für Journalisten jenen Organisationen und Medienbeauftragten vergibt, die besonders zurückhaltend auf Anfragen reagieren.

Bearbeitungsgebühren für den Beobachter

Jürg Jordi hat den Preis erhalten, weil er dem Beobachter für die Herausgabe von allen Direktzahlungsdaten Bearbeitungsgebühren von rund 250'000 Franken verrechnen wollte. Grund für die hohen Gebühren war der Umstand, dass das Öffentlichkeitsgesetz Bundesämtern erlaubte, Bearbeitungsgebühren zu verrechnen. Da für die Herausgabe aller Daten zunächst auch die Landwirte hätten informiert werden müssen, fiel der Kostenvoranschlag «halt etwas höher aus». Dass er den golden gefärbten Bremsklotz in Zürich gleich selbst abholte, versteht sich von selbst. Jordi erzählt von dieser Episode mit Witz, feiner Ironie und kühler Gelassenheit.

Lieber Chauffieren, als Fragen beantworten

Ähnlich entspannt sieht er den Übergang in den Ruhestand – er werde sich vermutlich daran gewöhnen müssen, nicht mehr immer auf Empfang zu sein, sagt Jordi. Als Erstes wolle er sein Büro entrümpeln und seiner Tochter als Chauffeur dienen, weil sie sich den Fuss brach. Das ist angenehmer, als unqualifizierte Anfragen von Journalisten zu beantworten. Letzteres ist nun die Aufgabe von Florie Marion.

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