Das ist ein heisses Eisen, da verbrenne ich mir nur die Finger als Biobauer, deswegen Hände weg davon! Dies geht mir zuerst durch den Kopf, als ich das Thema Massentierhaltungs-Initiative (MTI) wähle für diesen Artikel. Verwendet man jedoch das richtige Werkzeug, ist auch ein heisses Eisen kein Problem. Als Demeter-Kleinbauer mit 15 Milchkühen, 24 Mastsauen und acht Hühnern ist es ja scheinbar sowieso klar, welche Meinung ich dazu haben soll.
Doch so einfach, wie es aussieht, ist es nicht, denn ich bin mit meinen Berufskollegen sehr freundschaftlich verbunden und finde den Zusammenhalt sehr wichtig. Dabei achte und respektiere ich die Meinung Andersdenkender, das ist vor allem in der jetzigen Zeit sehr wichtig.
Meister im Abstimmen
Wir Schweizer sind Weltmeister im Abstimmen. Laut Bundeskanzlei sind zurzeit fast 30 Volksinitiativen in irgendeinem Stadium der Sammlung, eingereicht oder bald abstimmungsreif. Darunter hat es skurrile Namen wie Helikopter-Initiative oder Einmal-darüber-schlafen-Initiative, was zeigt, dass der Fantasie keine Grenzen gesetzt werden. In dieser Flut hat es neben der MTI (Abstimmung Herbst 2022), etwa eine Hand voll, welche die Landwirtschaft betreffen. Darunter sind vor allem die Landschafts-Initiative sowie die Biodiversitäts-Initiative, welche die Landwirtschaft teilweise stark betreffen. Erfreulicherweise sind aber danach keine nennenswerten neuen Initiativen im Sammelstadium, welche unsere Betriebe direkt betreffen. Dass in mittelfristiger Zukunft der Dauerdruck nachlässt, stimmt mich positiv.
Dieses ständige Schlechtmachen der Schweizer Landwirtschaft schlägt auch mir langsam auf die Moral. Ausgerechnet in unserem Land, wo in der Raumplanung und im Umwelt- und Tierschutz höchste Standards gelten, will man dauernd mit noch mehr staatlichem Druck die Betriebe bevormunden. Dabei ist der Wandel ohnehin stetig im Gang, mit steigendem Absatz von naturnahen Lebensmitteln bei den Konsumenten. Mit den Labels ist die Auswahl riesig und der Konkurrenzdruck steigert das Tierwohl automatisch. Die Massentierhaltungs-Initiative haben wir Biobauern nicht gesucht! Uns nützt sie überhaupt nichts. Wir alle wissen, dass die tierfreundliche Bestandesgrösse gar nicht genau definiert werden kann und sehr wenig mit Tierwohl zu tun hat. Auch die Betriebsgrösse ist nicht unbedingt relevant.
Fragen um Fragen
Ich stelle mir dazu etliche Fragen: Könnte es auch eine Chance für eine Verkleinerung des Bauernsterbens sein? Geht die regionale Düngerbelastung zurück? Wird schon wieder etwas in die Verfassung geschrieben werden, was gar nicht dorthin gehört? Will man schon wieder die Bauernbetriebe gegeneinander ausspielen? Wäre die Annahme der Anfang vom Ende von Bio Suisse? Wieso sollten Konsumenten und Lizenznehmer noch mehr bezahlen für eine bioähnliche Standardtierhaltung in unserem Land? Kann sich die Biotierhaltung nach den 25 Jahren noch abheben und einen Mehrwert generieren? Dies ist ja ein Hauptargument zum Mehrpreis für Bioprodukte.
Es soll jeder seine Schlüsse ziehen, diese Diskussion hat auch seine guten Seiten. Vielleicht kommt man dann zum Schluss, dass es im Moment doch nicht so schlecht ist, wie einige glauben.

