In der BauernZeitung vom 30. Juli schilderte der deutsche Landwirt Stefan Leichenauer Landübernahmen durch Schweizer Landwirte. Leichenauer prangerte an, dass Schweizer Bauern wirtschaftliche und rechtliche Vorteile gegenüber ihren deutschen Berufskollegen nutzen. David Fuchs, Landwirt aus Altdorf im Kanton Schaffhausen, findet, dass diese Darstellung zu kurz greift. Im Gespräch mit der BauernZeitung erklärt er, weshalb.
«Wir zahlen auch in Deutschland Steuern»

Seine Landwirtschaftsflächen liegen auf Schweizer und deutschem Gebiet. David Fuchs Mutter ist in einer deutschen Nachbargemeinde aufgewachsen. Ihre Familie bewirtschaftete dort einen Landwirtschaftsbetrieb. «Wir sind hauptsächlich durch die Verwandtschaft zu Landkauf in Deutschland gekommen, aktiv beworben haben wir uns nur in geringem Mass», sagt er.
Der Schaffhauser Landwirt erinnert daran, dass in den 70er- und 80er-Jahren den Schweizer Grenzlandwirten das Land regelrecht nachgeworfen wurde, oftmals mit einer dazugehörigen Streuobstwiese. Die deutschen Bauern wollten diese Flächen nicht, weil sie nicht so effizient zu bewirtschaften waren und Handarbeit nötig war, erklärt Fuchs. «Wir waren also schon auch Lückenbüsser.»
In Deutschland Land zu bewirtschaften, habe nicht nur Vorteile. «Die Administration für unseren Betrieb ist viel aufwendiger. Alleine die Zollanmeldungen während der Erntesaison beeinflussen ein effizientes Arbeiten erheblich.» Dass Schweizer Betriebe in Deutschland nicht kontrolliert würden, wie von Stefan Leichenauer dargestellt, stimme nicht. Ebenfalls falsch sei, dass er in Deutschland keine Steuern zahle.
Es gibt nicht unbegrenzt Direktzahlungen
Bei der Aussage, dass Schweizer Grenzbauern in der Schweiz wie auch in Deutschland Direktzahlungen beziehen, stellt David Fuchs klar: «Schweizer Landwirte, die seit 1984 ununterbrochen Flächen in Deutschland bewirtschaften, erhalten für diese Flächen einen Teil der Schweizer Direktzahlungen, aber nicht zusätzlich auch noch EU-Zahlungen.» Er könne auf diesen Flächen keine Biodiversitäts-, Landschaftsqualitäts- oder Hangbeiträge beantragen. Auf deutschen Flächen, die nach 1984 in die Bewirtschaftung aufgenommen wurden, erhalten Schweizer Betriebe keine Schweizer Direktzahlungen.
Hier besteht aber die Möglichkeit, EU-Zahlungen zu beantragen. Diese bestehen laut Fuchs aus einem Basisbeitrag, einem Umverteilungsbeitrag sowie einem Greening-Beitrag. Er beziffert diesen Betrag auf rund 300 Euro pro ha und Jahr. Für die Zukunft sehe es aber nach einer Reduktion dieser Beiträge aus. «Uns wird der Zugang zu länderspezifischen Beiträgen von deutscher Seite her verweigert, obwohl wir heute schon Teile dieser Vorgaben erfüllen müssen», sagt Fuchs. «Wir Schweizer Landwirte stehen in gewisser Weise zwischen Stuhl und Bank.» Die Direktzahlungen so zu vergleichen, wie dies Stefan Leichenauer tue, entspreche nicht den Tatsachen.
Der durchschnittliche Betrieb hat 70 ha Land
David Fuchs hat auch wenig Verständnis für den Vorwurf, Schweizer Landwirte würden die Pacht- und Kaufpreise in die Höhe treiben. «Es gibt noch weitere ‹Mitstreiter›, zum Beispiel Biogasanlagen-Betreiber oder Landinvestoren. Aber es ist einfacher, den Schwarzen Peter immer den Schweizern zuzuschieben», sagt er. Der Druck auf Landwirtschaftsland sei auch in der Schweiz hoch, merkt Fuchs an. «Aber hierzulande versucht man halt, sich in einem anderen Bereich etwas aufzubauen.»
Stefan Leichenauers schildert im besagten Artikel, dass er mit 145 ha Land nicht von der Landwirtschaft leben könne. Er wie auch seine Frau gehen einem Nebenerwerb nach. Dazu sagt Fuchs: «Das Problem in unserem Gebiet ist, dass das Land durchzogen ist von Wald, Hecken, Streuobstwiesen, Tälern und Hügeln mit Hangneigungen von 40 Prozent und mehr.» Die durchschnittliche Parzellengrösse liegt zwischen einer und zwei Hektaren. Hier werde es nie möglich sein, Grosstechnik einzusetzen. Also nütze es auch irgendwann nichts mehr, mehr Fläche zu haben. Die durchschnittliche Betriebsgrösse in Baden Württemberg liege im Übrigen bei 50 bis 70 ha.
Fuchs teilt die Meinung, dass die Erzeugerpreise in der EU katastrophal sind. Deutsche Grenzbauern würden aber durch aus von den höheren Schweizer Preisen profitieren. Solche zum Beispiel, die ihre Zuckerrüben an die Zuckerfabrik Frauenfeld liefern oder Heu und Stroh in die Schweiz verkaufen.
Darstellung der Fakten aus Schweizer Sicht
Die Landwirtschaft im Grenzgebiet sei ein hochkomplexes Thema, dass keine Schwarz-Weiss-Betrachtungsweise zulasse, hält David Fuchs fest. Es gehe ihm nicht darum, weitere Emotionen zu wecken. «Aber die Darstellung der Fakten aus Sicht der Schweizer Landwirte ist wichtig.»
Die Lösung für die Probleme – egal auf welcher Seite der Grenze – sei, auf bessere Produktpreise hinzuarbeiten, zusammen und grenzüberschreitend. Die Position der Landwirtschaft in der ganzen Wertschöpfungskette müsse sich verbessern. «Das wäre echte, faire und gelebte Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit.»

