Eine Chance für uns Schweinehalter
Pro: Ruedi Bigler, Moosseedorf BE
Wir produzieren zu viele Schweine, mehr als der Markt aufnehmen kann. Das hat einen negativen Einfluss auf den Schweinepreis. Gemäss Suisseporcs verlieren wir aktuell – im Vergleich zu einem guten Jahr – rund 200 Millionen Franken pro Jahr. Geld, das jedem Schweinehalter fehlt, um Schulden zu tilgen, Ställe zu amortisieren oder in neue zu investieren.

In der Milchproduktion haben wir zurzeit die gleichen Probleme – eine hohe Produktion und zu wenig Absatz. Mit dem gleichen Resultat: teilweise ruinöse Preise, welche die Produktionskosten nicht mehr decken.
Vor Jahren gab es einen Fonds in Produzentenhand, in den jeder Milchproduzent einzahlte. Mit diesem Geld konnten wir, wenn zu viel Milch vorhanden war, diese aus dem Markt nehmen und einen Preiszerfall verhindern. Leider wurde dieser Fonds durch Kreise aus der Ostschweiz wieder beerdigt.
Heute wäre mancher Milchbauer froh, wir hätten wieder so eine «Kriegskasse», um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht zu halten.
Nun schlägt uns Suisseporcs einen gleichen Fonds vor, um bei Bedarf aufgabewilligen Schweinezüchtern eine Stilllegungsprämie je Sauenplatz zu entrichten, unter der Bedingung, dass diese ihre Ställe schliessen und aus der Ferkelproduktion aussteigen.
So könnten wir die Produktion in eigenen Händen steuern und wieder marktgerecht produzieren. Das Resultat wäre, dass wir mindestens für die nächsten paar Jahre wieder kostendeckende Preise hätten.
Mit einer Abgabe von 2 bis 4 Franken pro Schlachtsau könnten wir bei kostendeckenden Preisen 50 bis 100 Franken pro Schlachtschwein mehr erlösen, als dies heute der Fall ist. Mancher Banker träumt von einem solchen Investment mit einer solchen Rendite.
Packen wir doch diese Chance und nehmen wir das Glück in unsere Hände. Ich appelliere an alle Delegierten der Suisseporcs: Stimmt für den Fonds, damit es wieder Freude macht, in den Schweinestall zu gehen.
Eine teure Illusion für uns Schweinehalter
Kontra: Bruno Wagner, Niederbüren SG
Das Stilllegungskonzept tönt verlockend – doch wer genauer hinschaut, erkennt mehr Fragen als Antworten. Bereits die blosse Ankündigung hat dazu geführt, dass Bewirtschafter auslaufender Betriebe abwarten und die Betriebsaufgabe hinauszögern – die Zeche bezahlen die aktiv produzierenden Betriebe. Gemäss Suisseporcs sollen zudem auch Betriebe in der Bauzone entschädigt werden, die sowieso keine langfristige Zukunft mehr haben.

Suisseporcs hat keinerlei Erfahrung mit einem solchen Instrument. Das Jagerpreismodell hat den gewünschten Erfolg nicht gebracht. Warum sollte ein noch komplexeres System gelingen? Die versprochene Rendite – zwei Franken einzahlen, ein Vielfaches zurückbekommen – ist ein Versprechen, das sich kaum halten lässt.
Mit dem Stilllegungskonzept würden ausgerechnet wir Schweinehalter selber ein Bürokratiemonster schaffen: mit Antragsverfahren, Kontrollen und absehbaren Rechtsstreitigkeiten, die wir auch noch per Abzug mitfinanzieren. Hinzu kommt: Ein Grundbucheintrag für 25 Jahre ist alles andere als Weitsicht – solche Fristen riskieren die Entwertung ganzer Betriebe.
Dabei fehlt von Anfang an die nötige Transparenz: Die Konzeptunterlagen wurden erst kurz vor den Versammlungen an nur einen Teil der Mitglieder verschickt, die Angaben zum Zuchtfortschritt von 1500 Zuchtschweineplätzen waren nachweislich falsch, und der Präsident erweckte den Eindruck, die Händler befürworteten das Konzept – was nicht stimmt.
Bereits vor kurzem ergab eine Umfrage in allen Sektionen zu einem Markteingriff eine klare Ablehnung. Eine Einführung ohne die Ostschweizer Sektion wäre eine enorme Herausforderung für den Zusammenhalt von Suisseporcs. Anpassungen am Jagerpreismodell und die Mengenerfassung des Säugerfutters als präziser Frühindikator wären mindestens so effizient – ohne neue Risiken und ohne neue Bürokratie. Hinzu kommt: Ein Grundbucheintrag für 25 Jahre ist alles andere als Weitsicht – das ist eine Generation. Was schaffen wir damit anderes als eine langfristige Entwertung unserer Betriebe auf Kosten unserer Nachfolger?

