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Der Gipfel für das Pulver

Weil die Vermarktung schwierig ist, soll die Milchbranche nun von der Maschinenindustrie lernen. SVP-Nationalrat Andreas Aebi organisierte dazu ein Treffen zwischen dem Industrieverband Swissmem und Milchverarbeitern.

Im Schweizer Milchmarkt sorgt die Preisspanne zwischen dem besten und dem schlechtesten Milchpreis regelmässig für Diskussionen. Besonders frappant ist die Differenz im Einzugsgebiet von Gruyère-Käsereien – da erhalten die einen Bauern 80 bis 90 Rappen je Kilo Milch, während andere für ihre Milch gerademal mit 50 Rappen je Kilo Milch über die Runden kommen müssen.

Positionierung verbessern

Erklärt werden diese Preisdifferenzen gerne mit der Positionierung der verschiedenen Unternehmen und der Tatsache, dass die Produzenten nicht alleine die Preise bestimmen können. Die schlechtesten Aussichten hat, wer an einen Verarbeiter liefert, der Milchpulver herstellt. Strategisch hätten die Verarbeiter drei Optionen, damit sie die Einkaufspreise nicht senken müssen: sie können draufzahlen, in neue Märkte vorstossen, oder in die Vermarktung investieren.

Dass vor allem letzteres geht, zeigt laut SVP-Nationalrat Andreas Aebi das Beispiel Irland. Der Nachbar Grossbritanniens schaffe es, sein Milchpulver im Ausland erheblich teurer zu verkaufen, als die anderen europäischen Milchpulverexporteure. Weil Aebi will, dass auch der Export aus der Schweiz für die Produzenten ein lohnendes Geschäft ist, hat er deshalb Milchpulver-Verarbeiter und eine Delegation des Industrieverbandes Swissmem ins Bundeshaus eingeladen.

"Allerdings haben wir noch keinen Weg gefunden, um diese Produkte an jene Kunden zu bringen, die einen super Preis dafür bezahlen würden"

An der Sitzung schliesslich teilgenommen haben unter anderem Vertreter der Firmen Emmi, Cremo und Hochdorf sowie der Vereinigung der Schweizer Milchindustrie und Stephan Hagenbuch als Vertreter der Schweizer Milchproduzenten. Vonseiten Parlamentarier waren Markus Ritter (CVP/SG) und Duri Campell (BDP/GR) zugegen. Ausserdem war die internationale Marketing-Beratungsfirma Bain mit zwei Vertretern präsent. Öffentlich Stellung nehmen wollten lediglich Andreas Aebi und Swissmem-Präsident Hans Hess.

Voneinander Lernen

Hans Hess betonte, dass man schon im Vorfeld an das Treffen in mehreren Sitzungen die Frage erörtert hat, «wie wir das Know-How, das wir in verschiedenen Bereichen aufgebaut haben, auch der Landwirtschaft zugänglich machen könnten.» Er sei überzeugt, dass die Landwirtschaft «phänomenale, hochqualitative Produkte» herstelle. «Allerdings haben wir noch keinen Weg gefunden, um diese Produkte an jene Kunden zu bringen, die einen super Preis dafür bezahlen würden», so Hess weiter. Seiner Meinung nach müsse auch die verarbeitende Industrie «einen Weg finden, die Top-Produkte der Schweizer Landwirtschaft international an Kunden bringen, die einen höheren Preis bezahlen.» Die Industrie habe in diesem Bereich sehr viel Erfahrung und könne entsprechende Expertise zur Verfügung stellen. Das Ziel: das Know-How der Schweizer Exportindustrie soll gebündelt und zugunsten der Landwirtschaft eingesetzt werden können.

Andreas Aebi betont: «Es ist keine gegenseitige Bevormundung, sondern eine gegenseitige Bereicherung.» Ausserdem sei man sich einig darin, dass «dringender Handlungsbedarf besteht.» Schliesslich gehe es um etwa 15 Prozent der Schweizer Milchproduktion, die als Milchpulver verarbeitet und seiner Meinung nach schlecht verkauft wird.

«Es ist keine gegenseitige Bevormundung, sondern eine gegenseitige Bereicherung.»

Dass für die Beschaffung von Milch zur Herstellung von Milchpulver gemäss Reglement der Branchenorganisation Milch B- und C-Milch ausreicht, macht es für Aebi schwierig. Hinzu kommt die Tatsache, dass inbesondere Magermilchpulver als Regulierprodukt in milchstarken Monaten dient. Damit eine Qualitätsstrategie zu lancieren, ist schwierig.

Anders ist es beim Vollmilchpulver – die Produktion ist relativ stabil, da sie für die Schokoladenindustrie bestimmt ist. Sofern die Schokoladenhersteller das Schweizerkreuz auf der Packung haben, müssen sie aufgrund der Swissness-Verordnung Schweizer Milchpulver und Schweizer Zucker einsetzen. Ob hier noch Spielraum vorhanden ist, ist noch offen, zumal längst nicht alle Schokoladenhersteller auf das Schweizerkreuz als Differenzierungsmerkmal setzen.

Nächste Schritte folgen

Wie es in der Vermarktung vom Schweizer Milchpulver nun weitergeht, ist noch nicht restlos geklärt. Wie Aebi sagt, will man die Ergebnisse des Treffens auswerten und die nächsten Schritte definieren. Laut Aebi ist geplant, dass man wieder in derselben Gruppe zusammenkomme. Der Gipfel lässt hoffen, dass sich die Positionierung von Milchpulver im Export verändern wird. Bedingung dürfte sein, dass die Milchbranche dem Denken der Industrie folgt und in die Vermarktung investiert. Einfach wird das garantiert nicht.

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