Der Bund kürzt die Tierzuchtbeiträge für die Freiberger um jährlich 300 000 Franken. Für das Schweizer Warmblut sollte die Unterstützung bereits in diesem Jahr eingestellt werden. «Jetzt gibt es, gemäss Plänen des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), erst ab 2028 kein Bundesgeld mehr», so Christoph Neuhaus, Präsident des Zuchtverbandes Schweizer Sportpferde ZVCH.
Ausserdem streicht das BLW die Mittel für die Absatzförderung für die Freiberger: Der heutige Beitrag von jährlich CHF 60 000 Franken wird bis 2029 schrittweise vollständig gestrichen. Es kommt dazu, dass Agroscope am Schweizerischen Nationalgestüt die Pferdeforschung einstampft.
Damit nicht genug. Während ausländische Zuchtprodukte innerhalb des Importkontingents mit tiefem Zollansatz für lediglich 120 Franken in die Schweiz eingeführt werden können, wird beim Export von Schweizer Pferden den Züchtern das Leben schwer gemacht.
Christoph Neuhaus rechnet vor: Während im Ausland ein Pferd für 15 000 Franken gekauft und für durchschnittlich 510 Franken zusätzlich importiert werden kann, muss für das gleich teure Schweizer Pferd beim Exportieren nach Deutschland ein Zuschlag von 32 Prozent Zollgebühren und Mehrwertsteuer bezahlt werden. «So kassiert die Eidgenossenschaft für Pferdeimporte um die zwei Millionen Franken jährlich, Geld, das uns inländischen Züchtern nicht zugutekommt», enerviert sich Christoph Neuhaus.
Die Frage, ob der Bund einen Frontalangriff gegen das Pferd als Bestandteil der Landwirtschaft plant, scheint nicht unberechtigt.
Wie zur Wehr setzen?
Die Freibergergemeinschaft hat den diesjährigen Marché Concours zum Anlass genommen, sich gegen diese Massnahmen aufzubäumen. In einem Schreiben wandte sich der Schweizerische Freibergerverband (SFV) an die nationalen und kommunalen Politiker, damit sich diese für den Erhalt der einzigen Schweizer Pferderasse einsetzen mögen.
Am Abschlussumzug des jurassischen Pferdefestes wurde plakativ die Frage in die Runde gebrüllt, ob das BLW vorhabe, das Freibergerpferd zu Grabe zu tragen, und gleichzeitig der Appell an die beiden Bundesräte Rösti und Baume-Schneider gerichtet, sich für die Anliegen der Pferdezüchter zu engagieren.
Auch wenn Christoph Neuhaus das BLW als Totengräberin der hiesigen Pferdezucht betitelt, stösst der ZVCH nicht gleich öffentlichkeitswirksam ins Horn. Der Verbandspräsident beteuert aber: «Wir sind auf verschiedenen Ebenen aktiv und werden uns wehren.»
Es stellt sich die Frage, ob ein Zusammenschluss sämtlicher Pferdezuchtorganisationen nicht sinnvoller wäre, als sich jeweils in Eigenregie gegen die geplanten Kürzungen zur Wehr zu setzen.
Für Ständerat Damian Müller als Präsident der Parlamentarischen Gruppe Pferd und von Swiss Equestrian ist die Sachlage klar: «Jetzt müssen wir die Reihen schliessen. Weniger Mittel für die Pferdezucht, drohende Kürzungen bei der Rassenerhaltung, der Abbau der Absatzförderung und gleichzeitig der Rückzug aus der Pferdeforschung sind ein Alarmsignal. Zucht, Sport, Landwirtschaft und Politik müssen gemeinsam auftreten. Es geht nicht mehr um Einzelinteressen, sondern um die grundsätzliche Frage, welchen Stellenwert das Pferd künftig in der Schweizer Landwirtschaft und Agrarpolitik haben soll.»

Auch wenn Christoph Neuhaus beteuert, dass eine enge Zusammenarbeit in dieser Situation sachdienlich wäre, ist er sich im Klaren, dass eine Fusion im Sinn eines organisatorischen Zusammenschlusses – wie das bei den Rinderzüchtern beispielsweise der Fall ist – zurzeit kein Thema sein kann. Zu stark ist die Pferdeszene in verschiedene Verbände und Lager aufgespalten.
Ungenügende Kalorienproduzenten
Christian Stricker, Leiter Tierzucht beim BLW, bringt Licht ins Dunkel, weshalb sich der Bund aus der Förderung der Pferdezucht zurückziehen will. «Die Haltung von Pferden und Warmblutpferden im Besonderen trägt nur marginal zur Ernährungssicherheit bei, mit nicht einmal mehr 20 Prozent Schlachtungen der abgegangenen Pferde.» Übersetzt heisst das: Pferde tragen nicht zur Ernährungssicherung der Schweizer Bevölkerung bei, also kann deren Zucht nicht mehr als Teil der landwirtschaftlichen Produktion gefördert werden.
Unter den Fleischlieferanten in der Schweiz (und auch im restlichen Europa) nahm das Pferd jedoch nie eine Spitzenposition ein. Über dem Konsum von Pferdefleisch hängt in der Schweiz eine Art unausgesprochenes Tabu, das früher religiös und heute moralisch bedingt ist, auch wenn es in vergangenen Jahrhunderten zeitweilig als billiges Fleisch für arme Arbeiter Absatz fand.
Lieber Lamas
Mit der Begründung, nur in den landwirtschaftlichen Bereich zu gehören, wenn daraus ein Lebensmittel entsteht, gibt sich Damian Müller nicht einverstanden. Immerhin stehen rund 75 Prozent der aktuell 110 000 in der Schweiz lebenden Equiden auf Landwirtschaftsbetrieben.
«Landwirtschaft ist mehr als die Produktion von Kalorien. Pferde schaffen Einkommen auf Bauernbetrieben, nutzen Grünland und verbinden Landwirtschaft mit Sport, Freizeit und Tourismus», stellt er klar.
Zudem empfindet er die Prioritätensetzung des Bundes als irritierend. Während die Unterstützung der Schweizer Sportpferdezucht ausläuft und beim Freiberger massive Kürzungen drohen, werden mit der neuen Tierzuchtverordnung Neuweltkameliden, also Lamas und Alpakas, ausdrücklich in die Zuchtförderung einbezogen.

Die Pferdehaltung bietet eine willkommene Diversifizierungsmöglichkeit für landwirtschaftliche Betriebe. Auch das BLW sieht diesen Aspekt, und stellt klar, dass der Erhalt des Freibergers eine gemeinsame Aufgabe der Zuchtorganisation und der Züchter sowie des Bundes sei.
«Der Bund unterstützt das Zuchtprogramm mit Finanzhilfen an den Schweizerischen Freibergerzuchtverband, er überwacht die Schweizerischen Nutztierrassen mit einem genetischen Monitoring, richtet für gefährdete Rassen Erhaltungsbeiträge aus und unterstützt Forschungs- und Erhaltungsprojekte in der Tierzucht. Damit schafft er die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Zuchtarbeit», erklärt die Kommunikationsbeauftragte des BLW, Florie Marion.
Bessere Rahmenbedingungen oder Fleischzucht?
Der Staat soll nicht möglichst viele Fohlen finanzieren, findet Damian Müller. Aber Züchter brauchen Rahmenbedingungen, unter denen sich ihr Engagement lohnt. Weniger Bürokratie, bessere Vermarktung, Forschung und eine enge Verbindung von Zucht, Landwirtschaft und Sport gehören dazu. Statt den Betrieben zu ermöglichen, mit Pferden Wertschöpfung zu erzielen, werden Rahmenbedingungen geschaffen, die genau dies erschweren. Das müsse korrigiert werden.
Auf die Nachfrage, wohin sich der Freiberger züchterisch bewegen soll, spielt das BLW den Ball an die Züchterinnen und Züchter zurück. «Sie selbst und die Zuchtorganisationen als Selbsthilfeorganisationen gestalten das Zuchtprogramm entsprechend den Zuchtzielen ihrer Rasse. Der Bund unterstützte diese Bestrebungen mit der neuen Tierzuchtverordnung, die aus der Umsetzung der Tierzuchtstrategie 2030 entstanden ist», informiert die Kommunikationsbeauftragte des BLW.
Unter all diesen Vorzeichen gilt es ja vielleicht tatsächlich, die von Andreas Aebi an der letzten GV des SFV vorgeschlagene Richtungsänderung einzuschlagen? Anders als es der ZVCH anstrebt und der SFV bisher in seiner Strategie verankert hatte, will er den Fokus weg von einer primären Zucht von Freizeit- und Sportpartnern, hin zu einer Fleischzucht verlegen. Dass Pferde weiterhin in der Landwirtschaft verankert sein sollen, darüber sind sich die Freiberger- und die Warmblüterfraktion einig. Darüber, wie dies genau gesichert werden soll, scheint noch keine gemeinsame Fahrtrichtung gefunden zu sein.

