Herr Huber, wenn Sie nicht mehr im Nationalrat sind, kommt auch eine Kandidatur für das SBV-Präsidium nicht infrage. War es kein Thema für Sie, die Nachfolge von Markus Ritter anzustreben?
Der Posten als SBV-Präsident steht für mich auch wegen der Altersguillotine nicht zur Diskussion. Ich habe es aber nie wirklich beabsichtigt, mich für dieses Amt zur Verfügung zu stellen. Markus Ritter hat die Latte für seine Nachfolge sehr hoch gelegt und ich hatte genügend Einblick in seine Tätigkeit. Dabei sah ich, wie anspruchsvoll und zeitintensiv dieser Posten ist.
Eine solche Arbeitsbelastung benötigt unbedingt jemanden aus der Familie, der zu Hause den Betrieb managt. Als SBV-Präsident steht man zudem enorm in der Öffentlichkeit und braucht eine dicke Haut. Ich wäre wohl zu emotional dafür. Andererseits konnte ich während der acht Jahre als Präsident des Bauernverbands Aargau meine Fähigkeiten beweisen. Diese Aufgabe hat mir enormen Spass gemacht. Wäre mir die Frage nach dem SBV-Präsidium vor 15 Jahren gestellt worden, sähe meine Antwort eventuell anders aus.
Für das Präsidium des Schweizerischen Freibergerverbandes wurden Sie schon einmal angefragt. Andreas Aebi wird sein Amt 2027 abgeben. Reizt Sie diese Aufgabe, jetzt, wo Sie mehr Zeit haben werden?
Wir haben zwar Freiberger und zwei bis drei Fohlen erblickten früher jährlich auf unserem Betrieb das Licht der Welt. Ein Vollblutzüchter bin ich allerdings nicht. Es war ursprünglich der Wunsch meiner Töchter, Pferde zu halten. Dieses Amt kommt für mich nicht infrage, dafür verstehe ich meiner Meinung nach zu wenig von Pferden.
Zudem finde ich die Nähe zu den Hauptzuchtgebieten in der Westschweiz wichtig. Während meines Engagements im Aargauer Bauernverband habe ich gemerkt, dass es eine besondere Gabe benötigt, um die Freibergerzüchter zu führen. Für diesen Posten muss man ein Gespür für diese Leute und ihre Anliegen mitbringen. Ganz so schlecht würde ich das wohl nicht einmal angehen, denn ich bin kein «Heissmacher», sondern ein kompromissbereiter Mensch und Politiker. Für mich stehen aber andere Aufgaben im Vordergrund, die ich gut zu Ende führen möchte.
Sprechen Sie Ihr Engagement als Vizepräsident des SBV und als Präsident des Schweizerischen Pächterverbandes an? Wie geht es für Sie bezüglich dieser beiden Aufgaben weiter?
Bezüglich SBV bin ich am Abwägen. Falls sich jemand präsentieren würde, der das Präsidium übernehmen möchte, wäre ich dazu bereit, meinen Posten zu räumen. So könnte der potenzielle Präsidentschaftskandidat Einsichten für seine zukünftige Tätigkeit gewinnen.
Denn nichts ist wichtiger, als zu sehen, wie es in der Politik funktioniert und wie die Abläufe sind. Beim Pächterverband gab es in der Geschäftsstelle zuletzt viele Wechsel und das Engagement der Mitglieder ist etwas eingeschlafen. Auch wenn bezüglich Pacht mittlerweile vieles gut geregelt ist, bleibt es wichtig, die entsprechenden Anliegen auf politischer Ebene einzubringen. Dort will ich mir noch überlegen, wie und wie lange es für mich weitergehen soll.
Sie haben mögliche SBV-Präsidentschaftsanwerber angesprochen. Geistern Ihnen bestimmte Namen im Kopf herum?
Nicht wirklich. Ich sehe aktuell niemanden, der sich aufdrängt. Mit Ritters Forderung, dass sein Nachfolger im Nationalrat sitzen muss, wird der Kreis nochmals kleiner. Dazu kommt die Altersfrage und der Umstand, dass der eigene Betrieb aufgrund des Arbeitsumfangs quasi an andere Hände übergeben werden müsste.
Martin Hübscher (SVP ZH) hätte ich mir vorstellen können für diese Aufgabe. Da er nun für den Zürcher Regierungsrat kandidiert, fällt auch dieser Name wieder weg.

Bei aktuellen und möglichen Verbandsengagements führten Sie Ihr Alter ins Feld. Ist das baldige Erreichen des Pensionsalters der einzige Grund für Ihren Rücktritt aus dem Nationalrat und die Abgabe der Pacht des Gutsbetriebs Wildegg?
Dass ich im nächsten Jahr 65 werde, spielt eine wichtige Rolle bei dieser Entscheidung. Und zugegeben verspürte ich gewissen Druck von jüngeren Parteimitgliedern, die unbedingt nachrücken möchten. Ein weiterer Punkt war der Wunsch von meiner Frau und mir, zukünftig etwas unabhängiger zu sein und mehr Zeit für gemeinsame Unternehmungen zu haben. Ich möchte aber betonen, dass mir meine Frau keineswegs Druck gemacht hat. Sie war es nicht, die mich zu dieser Entscheidung gedrängt hat. Meine Überlegung war, ob ich mir nochmals vier Jahre in Bern zumuten möchte. Denn für mich ist klar: Wenn ich gewählt werde, kommt ein frühzeitiger Rücktritt nicht infrage.
Meiner Wählerschaft gegenüber habe ich eine Verpflichtung. Ich bekleidete seit 1992 ununterbrochen öffentliche Ämter, angefangen bei der Feuerwehr, und dann kam der Übertritt in die Politik. Nochmals 35 Jahre bleiben mir wohl nicht, um mein Leben zu geniessen. Auf dem Betrieb gab mir auch die Situation, ausgelöst durch diesen trockenen Sommer, sehr zu denken. Ich möchte unbedingt aufhören, bevor ich vollkommen ausgelaugt und gefrustet bin. Bisher habe ich immer aufgehört, solange es noch weh tat. Diese Abgabe-Entscheidung war ein harter Prozess, der an mir genagt hat.
Sind Sie bereits daran, Ihre Zukunft zu planen?
Aktuell befassen wir uns mit der Suche nach einer Wohnung. In ein Haus möchten wir wegen des Aufwandes nicht umziehen, so viel ist schon einmal klar. Und dann stehen sicher einige Ausflüge auf dem Programm. Unsere Schweiz bietet so viele schöne Ecken, die es noch zu entdecken gilt.
Es gibt auch eine grössere Reise, die wir realisieren möchten: Der Bruder meiner Frau lebt in Australien, dort werden wir dann wohl mehr als nur ein paar Tage verbringen. Und ab und zu bei einem befreundeten Landwirt einen Tag lang auf einem Traktor zu sitzen, diese Freude werde ich mir sicher nicht nehmen lassen.
Zur Person
Alois Huber sitzt seit 2020 für die SVP im Nationalrat. Der Meisterlandwirt aus dem Aargau bewirtschaftet mit seiner Familie seit 1999 den Gutsbetrieb Schloss Wildegg als Pächter. Auf dem Biobetrieb leben 60 Milchkühe, 45 Aufzuchtrinder, 100 Mastschweine, Mutterschafe und Legehennen.
Zudem werden Ackerbau und ein Hofladen betrieben. Huber war von 2013 bis 2021 Präsident des Bauernverbands Aargau. Aktuell ist er Vizepräsident des SBV und Präsident des Schweizerischen Pächterverbandes.

