Ein guter Gesundheitsstatus von Ferkel und Jager – und trotzdem «nur» 10,3 abgesetzte Ferkel pro Wurf und More. Grund für den eher tiefen Schnitt auf diesem Schweinezuchtbetrieb im Jahr 2016 sind nicht etwa die Verluste zwischen Geburt und Absetzen, sondern die vielen totgeborenen Ferkel von 10,3 Prozent.
Diese Tatsache überraschte beim Betriebsbesuch, der im Rahmen des Suisano-Programms, einem Zusatzprogramm der Suisag, stattfand. Beim Suisano-Programm werden neben den Gesundheitsdaten auch die Leistungsdaten des Betriebs gefordert und können so in die Betriebsberatung miteinbezogen werden.
Auch die Leistungsdaten wurden besprochen. Es handelt sich um einen gut geführten Zuchtbetrieb mit insgesamt 76 Muttersauen, ohne schwer-
wiegende gesundheitliche Probleme.
Tot auf die Welt kommen
Totgeborene Ferkel haben keinen Atemzug gemacht, das heisst, dass ihre Lunge bei der sogenannten Schwimmprobe sinkt. Ferkel, die nach der Geburt verenden und bereits geatmet haben, zählen nicht zu den totgeborenen Ferkeln.
Grosse Würfe, hohe Wurfnummern, lange Geburten und Schwergeburten, aber auch Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Parvovirose führen vermehrt zu totgeborenen Ferkeln. Beim Schweinegesundheitsdienst (SGD) werden oft zu lange Geburten als Ursache vorgebracht. Dauern Geburten weit über vier Stunden, ist die lebenswichtige Sauerstoffversorgung der zuletzt geborenen Ferkel in der Gebärmutter oft nicht mehr gewährleistet, so dass diese verenden. Mehr als sieben bis zehn Prozent totgeborene Ferkel sind bedenklich, die Ursache sollte abgeklärt werden.
Beim besuchten Zuchtbetrieb hat sich herausgestellt, dass die Geburten, insbesondere bei älteren Moren, zu lange dauern. Meist waren es die letzten Ferkel, die tot geboren wurden. Es kam vor, dass zwischen der Geburt von zwei Ferkeln mehr als zwei Stunden verstrichen. Geburten von sechs und mehr Stunden traten regelmässig auf.
Die drei Geburtsphasen
Der Geburtsablauf gliedert sich in drei Phasen:
- Vorbereitungsphase
- Austreibungsphase
- Nachgeburtsphase
Anzeichen für die Vorbereitungsphase sind zum Beispiel eine gerötete, geschwollene Vulva. Das Gesäuge entwickelt sich stark und schwillt an. Am Ende der Vorbereitungsphase sind die Zitzen mit Milch gefüllt. Viele Sauen verhalten sich verändert, sie werden unruhig und zeigen Nestbauverhalten.
In der Austreibungsphase liegt die Sau flach auf der Seite. Unmittelbar vor der Austreibung eines Ferkels spannt sie die Bauchmuskulatur kurz an (Bauchpresse), zieht die Hintergliedmassen nach vorne und schlägt mit dem Schwanz. Zwischen der Geburt der einzelnen Ferkel liegen 10 bis 30 Minuten. Der Geburtsvorgang dauert somit zwischen zwei bis vier Stunden.
Ferkel werden zu 60 Prozent in Vorderendlage und zu 40 Prozent in Hinterendlage geboren. In beiden Fällen verläuft die Austreibung gleich gut. Die Geburt gilt als beendet, wenn die Sau aufsteht, kotet, Harn lässt und Futter aufnimmt.
In der Nachgeburtsphase gehen die Reste der Nachgeburt ab, meist innerhalb von zwei bis vier Stunden nach Geburtsende.
Eingreifen wenn nötig
Der SGD empfiehlt dann einzugreifen, wenn zwischen der Geburt zweier Ferkel mehr als 30 Minuten vergehen. Manchmal hilft dazu eine Massage in der Bauchregion der Sau. Zum Teil muss vaginale Geburtshilfe geleistet werden. Achtung: Nur wenn die Geburtswege frei sind und eine Fehlstellung der Ferkel ausgeschlossen werden kann, macht eine Oxytocingabe Sinn.
Bei alten Moren ist die Gebärmutter gross. Es kann gerade bei langen Geburten vorkommen, dass wegen Übermüdung der Muskeln keine richtige Wehe mehr ausgelöst werden kann. Dem Zuchtbetrieb wurde deswegen weiter empfohlen, den älteren Moren über die Geburt zusätzlich Dextrose als Energiequelle zu füttern.
Zudem muss auch immer das Calcium-Phosphor-Verhältnis im Futter überprüft werden. Ein falsches Ca: P-Verhältnis kann die Geburt ebenfalls negativ beeinflussen.
Erfolg wird sichtbar
Das frühere Eingreifen bei Schwergeburten hat geholfen, die Anzahl totgeborener Ferkel auf knapp die Hälfte zu reduzieren. Parallel dazu wird um die Geburt bei Sauen ab dem dritten Wurf Dextrose zugefüttert.
Da die Geburten nun generell schneller ablaufen, ist auch die Kolostrumversorgung der letztgeborenen Ferkel besser gewährleistet, und die Muttertiere erholen sich schneller von der Geburt. Durch die tieferen Ferkelverluste rund um die Geburt konnte automatisch auch die Anzahl abgesetzter Ferkel erhöht werden.