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SGD - Sektion bringt Licht ins Dunkel

Bei Durchfall kommen mehrere Erreger infrage. Wenn der Befund nicht eindeutig ist, hilft eine Sektion weiter. Erst dann kann gezielt mit einer Behandlung angefangen werden. Das zeigt ein Beispiel mit einer Infektion mit dem Parasit Isospora suis.

Der Schweinegesundheitsdienst (SGD) wird wegen akuten Durchfallproblemen und daraus resultierenden Abgängen beim Absetzen kontaktiert. Die Tierärztin besucht den Zuchtbetrieb umgehend.

«Ungefähr sieben Tage nach dem Absetzen ist erstmals bräunlich-flüssiger Durchfall aufgetreten», erzählt der Betriebsleiter. Die Tiere sind jetzt 14 Tage abgesetzt und kümmern. Der Ernährungs- und Allgemeinzustand der Absetzer ist stark reduziert. Bis jetzt sind bereits fünf Tiere umgestanden.

Zum Zeitpunkt des Betriebsbesuches haben auch Saugferkel von einem Wurf gelblich-breiigen Durchfall. Die Tiere sind 14 Tage alt, im Ernährungs- und Allgemeinzustand ebenfalls reduziert und bleich. Die Geburten waren problemlos und es gab keine Probleme mit MMA (Mastitis, Metritis, Agalaktie).

Mehrere Ursachen möglich

Beim Betrieb handelt es sich um einen Zuchtbetrieb mit 15 Muttersauen und einem Eber. Die Säugezeit liegt bei vier Wochen. Als Einstreu wird in allen Bereichen Stroh verwendet. Zweimal jährlich wird eine Reinigung und Desinfektion durchgeführt.

Bei dieser Vorgeschichte kommen mehrere Durchfallursachen infrage:

  • Bakterien wie E.coli oder Lawsonien spielen in dieser Altersklasse eine Rolle. Ein E.coli-bedingter Durchfall tritt meistens innerhalb von zehn Tagen nach dem Absetzen auf. Der Kot ist wässrig, graugrün bis bräunlich gefärbt. Bei einem milden Verlauf erholen sich die Tiere schnell, es kann aber auch zu Apathie und Dehydratation (Austrocknung) mit Todesfällen kommen.
  • Eine Infektion durch Lawsonien verläuft oftmals mit milden Symptomen, wobei geringe Gewichtszunahmen, schlechte Futterverwertung und Auseinanderwachsen klassische Symptome sind. Der Kot ist graugrün, dünnbreiig bis wässrig. Todesfälle sind eher die Ausnahme.
  • Viral sind Rotaviren und Circoviren in dieser Altersklasse von Bedeutung. Rotavirus-Infektionen können bei Tieren im Alter von zwei bis acht Wochen auftreten. Der Kot ist wässrig-pastös und von weisslich-gelber oder grün-grauer Farbe. Die Krankheitssymptomatik ist bei Ferkeln ausgeprägter als bei älteren Tieren und kann vor allem bei den Ferkeln zu Dehydratation führen.
  • Die typischen Krankheitsbilder einer Infektion mit Circoviren treten hauptsächlich bei Tieren im Alter von fünf bis 20 Wochen auf. Dabei kommt es zum Kümmern der Tiere, Durchfall, Blässe und Todesfällen.
  • Durchfall aufgrund einer Infektion mit Isospora suis (Kokzidien) tritt in der Regel bei Tieren ab der zweiten Lebenswoche auf. Die Kotkonsistenz ist wässrig bis pastös. Der Durchfall ist gelblich-grau. Der Infektionszeitpunkt ist ausschlaggebend für den Verlauf der Erkrankung. Je früher der Infektionszeitpunkt, desto stärker die Symptomatik. Durch die Infektion kommt es zur gestörten Nahrungsaufnahme und Dehydratation, was zu Kümmerern führt.

Sektion bringt Klarheit

Um Licht ins Dunkel zu bringen, wurde in diesem Fall bei einem Absetzer und einem Saugferkel, welche typische Symptome zeigen, eine Sektion durchgeführt. Damit die Beurteilung des Darmes unter dem Mikroskop aussagekräftig ist, wurden die Tiere lebend in die Pathologie gebracht. Unter dem Mikroskop sah man, dass bei beiden Tieren die Darmzotten geschrumpft und miteinander verschmolzen waren. Dies sind Zeichen, die für eine Rotaviren- oder Isospora suis-Infektion sprechen. Im Kot wurde schliesslich der Erreger Isospora suis nachgewiesen. Hingegen konnten keine Rotaviren nachgewiesen werden. Ebenfalls konnte eine Infektion mit E.coli, Lawsonia intracellularis und Circoviren ausgeschlossen werden.

Isospora suis sind Parasiten und gehören zur Familie der Kokzidien. Dieser Parasit ist obligat intrazellulär, das heisst, er zerstört die Darmzelle und lebt dann in dieser. Dadurch gehen die Darmzellen und Darmzotten zugrunde und es kommt zu Zottenfusionen. Dadurch wird die Nährstoffaufnahme reduziert, was zu Durchfall und zum Kümmern der Tiere führt. Isospora suis überlebt acht Wochen bei 5°C und rund zwei Wochen bei 20°C in der Gülle. Der Parasit ist sehr resistent in der Umwelt.

Saugferkel stärken

Da der Parasit sehr unempfindlich gegenüber Umwelteinflüssen ist, wurden als erstes die Abferkelbuchten mit Heisswasser und Schaum gereinigt. Danach wurden diese mit einem kresolhaltigen Desinfektionsmittel desinfiziert. Da ausgeschiedene Kokzidieneier generell gegen Chemikalien und somit auch gegen Desinfektionsmittel eine hohe Resistenz haben, ist es wichtig darauf zu achten, dass ein kresolhaltiges Produkt zur Desinfektion eingesetzt wird.

Zur Bekämpfung der Isosporose setzt der Landwirt nun am zweiten Tag prophylaktisch den Wirkstoff Toltrazuril ein, wodurch die Ausscheidung von Isospora suis unterdrückt wird. Dadurch werden eine Darmschädigung, Durchfall und Gewichtsverlust verhindert. Da die Saugferkel blass waren, bekommen diese nun am zweiten und zusätzlich am zehnten Tag eine Eiseninjektion, um so die Vitalität zu verbessern. Vitale Ferkel nehmen besser Kolostrum auf und haben somit auch wieder einen besseren Schutz vor möglichen Infektionen durch Umweltkeime.

Zur Verbesserung der Hygiene und Senkung des Keimdrucks in der Umwelt, mischt der Landwirt bei den Saugferkeln und den Absetzern Desinfektionskalk unter die Einstreu. Durch die oben genannten Massnahmen ging die Anzahl der neu erkrankten Tiere deutlich zurück und innerhalb eines Monates waren die klinischen Symptome im Griff.