Ein Mastbetrieb mit 1200 Mastplätzen ist mit seinen Leistungen nicht gänzlich zufrieden. Zwar läuft der Betrieb insgesamt ganz gut: Die Tageszunahmen liegen bei knapp 800 Gramm und der Magerfleischanteil bei 57,5 Prozent. Aber nach Ansicht des Betriebsleiters gibt es noch Luft nach oben.
Beim Betriebsdurchgang zeigen denn auch 60 bis 80 Prozent der Schweine, besonders Vormasttiere, breiigen Durchfall ohne Störung des Allgemeinbefindens.
Unauffällige Bestandesaufnahme
Auffallend war, dass bei vielen Tieren Schwanz- und teilweise Ohr-
kannibalismus zu erkennen war. Die Hygiene der Flüssigfütterungsanlage machte erst einmal einen guten Eindruck, nur war der pH-Wert mit
5 etwas hoch. Stalltemperatur und Stallklima waren bei den Messungen in Ordnung. Die Wasserleitungen bestehen aus Chromstahl. Jedoch ist nur eine Nippeltränke in den Buchten mit jeweils 22 Schweinen vorhanden. Das entspricht zwar bei Flüssigfütterung dem Tierschutz-
gesetz, ist aber nicht optimal. Der Durchfluss der Tränkenippel lag mit 1,5 l/min im Normbereich. Da die Futterhygiene insgesamt gut erschien, wurden an mehreren Stellen im Stall Wasserproben genommen und danach direkt in ein Untersuchungslabor gebracht. Zudem wurden von unbehandelten Durchfallschweinen Kotproben entnommen.
Erreger im Tränkewasser
Bei den Kotproben gab es keine Hinweise auf krankmachende Erreger wie Salmonellen, Lawsonien, Brachyspiren oder Colikeime. Bei der
mikrobiologischen Untersuchung des Tränkewassers sah es schon etwas anders aus. Die Beurteilung wurde auf die Trinkwasser-Verordnung abgestützt. Bei den Wasserproben aus der Vormast war der Wert bei den
aeroben Keimen um fast das 2,5-fache überschritten. Auch bei den
Enterokokken (Fäkalkeime) war der Wert viel zu hoch. E. coli konnten in keiner Wasserprobe nachgewiesen werden.
Je jünger die Schweine, desto sauberer sollte das Wasser sein. Junge Tiere haben noch ein untrainiertes Immunsystem, das leicht überlastet wird. Zusätzlich benötigt ein Immunsystem viel Energie, wenn es sich laufend mit unspezifischen Erregern auseinandersetzen muss. Das kostet Leistung. Für Schweine – insbesondere für Saugferkel, Absetzjager und Vormasttiere – ist unbedingt Wasser in Trinkwasserqualität anzustreben. Folgende konkreten Empfehlungen gab der Schweinegesundheitsdienst (SGD) dem Betriebsleiter:
- Anbringen eines zweiten Tränkenippels pro Bucht,
- Säuberung der Tränkeleitungen vom Biofilm mit Natriumhypochlorid,
- Anbringen einer Chlordioxid-Zudosierungsanlage zwecks Tränkewasserdesinfektion,
- Absenken des pH-Wertes der Futtersuppe auf pH-Wert 4,5.
Nach Umsetzung der Empfehlungen im Betrieb erfolgte ein Nachbesuch durch den SGD. Der unspezifische Durchfall bei den Schweinen war verschwunden, der Antibiotikaeinsatz nicht mehr notwendig und auch der Kannibalismus trat kaum noch auf. Im Laufe des Jahres stiegen die Tageszunahmen um ungefähr zehn Prozent.