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Mit Wechselweizen gegen den Klimawandel

Ein nasser Herbst kann die Weizenaussaat verzögern. Sogenannte Wechselweizen-Sorten bieten mehr Flexibilität bezüglich Saattermin. Cécile Brabant von Agroscope erklärt, was die Vorzüge von Wechselweizen sind und worauf beim Anbau zu achten ist.

Kurz & bündig

- Wechselweizen kann im Herbst wie auch im Frühling gesät werden. - Der Ertrag kommt vom Winterweizen, die Qualität vom Sommerweizen. - Der Anbau ist insbesondere für milde Lagen empfohlen - Wechselweizen wird früher reif als Winterweizen.

Cécile Brabant studierte Pflanzenbiologie und Populationsgenetik an der Universität Pierre et Marie Curie in Paris, bevor sie sich auf Pflanzenzüchtung an der Nationalen Hochschule für Agraringenieure ENITA in Clermont-Ferrand spezialisierte.

Seit 2001 arbeitet Cécile Brabant für Agroscope. Angefangen hat sie als Sommerweizen-Züchterin bei Agroscope Changins-Wädenswil, seit 2012 ist sie Verantwortliche für das Backqualitäts-Labor. Brabant und ihr Team bearbeiten zahlreiche Aspekte der Backqualität und der Züchtung.

Beispiele sind etwa:

  • der Einfluss der Sorte auf den Geschmack des Brotes
  • die Auswirkung der Stickstoffdüngung auf den Gehalt und die Qualität von Gluten
  • die Selektion von Sorten für die Brotherstellung auf der Basis von tiefgefrorenem Teig
  • die Bestimmung von Proteinen mittels Elektrophorese und Chromatographie
  • die Züchtung von Sorten mit hohem Gehalt an gewissen Nährstoffen

Frau Brabant, Winterweizen und Sommerweizen sind in der Schweiz bestens bekannt. Was aber ist genau Wechselweizen und inwiefern unterscheidet er sich von den anderen beiden?

Cécile Brabant: Wechselweizen ist ein Weizen, den man sowohl im Herbst als auch im Frühling säen kann. Er braucht keine Vernalisation, um eine Ähre auszubilden. Vernalisations-Tage sind Tage, an denen die mittlere Temperatur zwischen 0 und 10 Grad liegt.

Was sind konkret die Vorteile von Wechselweizen?

Wechselweizen stammt am häufigsten aus einer Kreuzung zwischen Winter- und Sommerweizen. Diese Weizensorten kombinieren die guten Erträge von Winterweizen und die sehr guten Back-Eigenschaften von Sommerweizen.

Ausserdem erweitert es die genetische Vielfalt, wenn Sommer- und Winterweizen-Sorten gekreuzt werden. Man hat dank grösserer genetischer Vielfalt mehr Kombinationsmöglichkeiten, beispielsweise Gene, die gegen verschiedene Krankheiten resistent sind und sich ergänzen.

In welchen Situationen kann es für einen Landwirt besonders interessant sein, auf Wechselweizen zu setzen?

Wechselweizen hat den Vorteil, dass eine Spätsaat weniger Ertragseinbusse bringt als beim Winterweizen. Wechselweizen wächst sehr rasch, besonders am Ende des Winters. Ausserdem ist er früher reif und kann entsprechend früher geerntet werden: Die Körner sind somit während der Kornfüllung weniger Hitzestress ausgesetzt, was dem Produzenten höherer Erträge bringen kann.

Wann sollte kein Wechselweizen angebaut werden?

Im Fall eines sehr kalten Winters geht der Produzent mit Wechselweizen das Risiko ein, Ertrag zu verlieren, da Wechselweizen grundsätzlich eher sensibel auf Kälte reagiert. Deshalb ist es wichtig, Wechselweizen nicht in Regionen zu säen, in denen es oft sehr kalt wird. Also insbesondere nicht in Höhenlagen ohne Schneedecke oder in Talkesseln, wo sich ein Kaltluftsee bildet.

Das Getreidesaatgut ist in der Regel bereits bestellt. Kann es Sinn machen, dennoch noch auf Wechselweizen umzusatteln?

Wir empfehlen immer, jedes Jahr mehrere Sorten zu säen, damit der Produzent die Risiken aufteilen kann. Ich würde raten, bei einer späten Aussaat auch eine Wechselweizensorte als Ergänzung zur vorgesehenen Sorte anzubauen.

Welche Wechselweizensorten fungieren auf der offiziellen Sortenliste von Swiss Granum?

Im Moment gibt es die es die Sorten Fiorina und Diavel. Beide sind auf der Liste der empfohlenen Sommerweizen-Sorten eingetragen, welche auch im Herbst gesät werden können. Weiter Sorten werden bald folgen.

Welche Bedeutung hat Wechselweizen bei Agroscope?

Wechselweizen-Kreuzungen werden zu einem immer wichtigeren Bestandteil der Züchtungen bei Agroscope. Wir sehen, dass die Sorten, die aus diesen Kreuzungen resultieren, gut an Schweizer Verhältnisse angepasst sind und in folgenden Punkten gute Resultate bringen:

  • Ertrag
  • Back-Qualität
  • Krankheits-Resistenz

Gibt es andere Arten von «Wechselgetreide», dass im Herbst wie auch im Frühjahr angebaut werden kann?

Ja, es gibt verschiedene Emmer- oder Einkornsorten, Triticale oder auch Sommergerste mit diesen Eigenschaften. Sommergerste wird in Frankreich je länger je häufiger bereits im Herbst gesät, weil sie sehr gute Erträge bringt. Das ist eine Folge der Klimaerwärmung und der weniger kalten Winter der letzten Jahre.

Aber auch hier gilt: In Regionen mit hohem Frost-Risiko sollte man die Finger davon lassen.

Cécile Brabant arbeitete bei Agroscope Changins. In ihrer Heimat Frankreich wird Sommergerste infolge des Klimawandels immer öfter bereits im Herbst gesät. Bild: Agroscope/zVg
Cécile Brabant arbeitete bei Agroscope Changins. In ihrer Heimat Frankreich wird Sommergerste infolge des Klimawandels immer öfter bereits im Herbst gesät. Bild: Agroscope/zVg

Gibt es grundlegende Unterschiede im Anbau von Wechselweizen im Vergleich mit Winterweizen?

Nein, grundsätzlich ist der Anbau der beiden Weizensorten gleich. Die Düngung muss bei beiden Typen denselben Wachstums-Stadien folgen. Der Wechselweizen ist meist etwas weiter in der Entwicklung als Winterweizen. Im Fall von später Saat empfehlen wir bei Wechsel- oder Winterweizen, die Saatdichte zu erhöhen.

Eignen sich die vorhandenen Sorten eher für intensiven oder extensiven Anbau?

Unsere Auswahl bei Agroscope findet unter extensiven Bedingungen (extenso oder Bio) statt.

Ist das Ertragsniveau von Wechselweizen generell tiefer als jenes von Winterweizen?

Nein, die Erträge der empfohlenen Wechselweizen-Sorten sind nicht tiefer, wenn sie im Herbst gesät werden. Die Weizenerträge sind häufig tiefer, wenn sie im Frühling gesät werden, weil sie einen kürzeren Vegetationszyklus haben.

Ist das Saatgut für Wechselweizen gleich teuer wie jenes für Winterweizen?

Es gibt keinen Preisunterschied zwischen den beiden Typen.

Seit wann gibt es Wechselweizen?

Wechselweizen-Sorten hat es schon immer parallel zu Winter- und Sommerweizen-Sorten gegeben. Historisch gesehen hat es die Sorten Svenno, Kolibri und Tano gegeben, die auf mehr als 10 % der Weizenanbaufläche in den 1970-er Jahren angebaut wurden. Diese Sorten hatten jedoch eine weniger gute Qualität, wenn sie im Herbst statt im Frühling gesät wurden, was mit den neueren Sorten wie Lona (aufgenommen im Jahr 1991) nicht mehr der Fall ist. Lona wird übrigens in Frankreich unter Bio-Bedingungen weiterhin angebaut, wegen der sehr guten Backeigenschaften.

Wie schätzen Sie das Potenzial von Wechselweizen für die Zukunft ein?

Ich denke, dass Wechselweizen an Bedeutung gewinnen wird, nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels.

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