Die Kuh zeigt, wie sie sich im Stall fühlt. Diese Anzeichen können unscheinbar oder sehr deutlich sein. Um die Signale zu sehen, muss sich der Landwirt Zeit nehmen und seine Kühe beobachten. Wenn die Landwirtin die Signale dann wahrnimmt und versteht, kann in einem nächsten Schritt die Ursache des Signals gesucht und behoben werden.
Die Wünsche der Kuh
Die Kuh möchte sechs Aspekte zur freien Verfügung: frisches und qualitatives gutes Futter, sauberes Wasser, frische Luft, Licht, Raum und Ruhe.
Aufgrund der Baukosten ist ein Stall immer ein Kompromiss zwischen der minimal nötigen und der für das Tierwohl optimalen Fläche. Als Anhaltspunkt kennt die Schweiz die Mindestmasse für Stalleinrichtungen. Um einen hohen Kuhkomfort zu erlangen, reichen diese Mindestmasse jedoch nicht aus.
Unwohlsein kostet
Ein Beispiel sind stehende Kühe. Klauen werden länger belastet, was vermehrt zu Klauenerkrankungen führen kann. Zusätzlich produzieren Kühe im Stehen weniger Milch als beim Liegen. Auch sind es meist rangniedrigere Kühe, die stehen, weil sie auf einen Futterplatz warten. Diese Kühe fressen weniger, leisten dadurch auch weniger und sind ausserdem anfälliger für Stoffwechselkrankheiten. Dieses Signal kann viele verschiedene Ursachen haben.
Komfort erhöhen
In Ställen, welche vor über zehn Jahren gebaut wurden, war der Kuhkomfort noch kein Thema. Auch beim Umbau auf dem Gutsbetrieb Hohenrain im Jahr 2006 wurden die Kosten und die Arbeitseffizienz stärker gewichtet. Der Umbau stützte sich also überwiegend auf die Mindestmasse, was gut an der Einrichtung und der Gestaltung des Stallraumes zu sehen ist. Doch auch in bestehenden Ställen lassen sich Verbesserungen erzielen.
Beispiel aus Gutsbetrieb
Im Stall auf dem Gutsbetrieb sind viele Boxenbügel vorne abgescheuert. Das geschieht, wenn die Kühe gezwungen sind, beim Aufstehen den Kopfschwung zur Seite zu machen. Durch das Entfernen des Frontrohrs kann die Kuh den Schwung nach vorne machen. Dem Tier wird so ein einfacheres, schonenderes und angenehmeres Aufstehen ermöglicht.
Erkennen und handeln
Auf jedem Betrieb sind individuelle Massnahmen nötig, um den Kuhkomfort zu verbessern. Der erste Schritt ist das Beobachten und Deuten der Kuhsignale. Danach folgen einfache Massnahmen, die sich unkompliziert umsetzen lassen. Schritt für Schritt wird so ein hoher Kuhkomfort erreicht und die Kühe danken es mit besseren Leistungen und erhöhter Gesundheit.
Kurs in Hohenreian
Workshop Kuhsignale am Freitag, 13. November, am BBZN Hohenrain. Grundlagen und Aussagen der Kuhsignale lernen und auf einem Betrieb anwenden.
Weitere Infos: www.bbzn.lu.ch

