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Aufzucht auf dem Geburtsbetrieb

Mastremonten sollen auf den Geburtsbetrieben herangezogen werden, bevor sie auf einen Weidemast-Betrieb gehen, erklärt Franz Steiner vom FiBL.

Franz Steiner, was sind die Hauptgründe dafür, dass Kälber aus der Milchproduktion zum ungünstigsten Zeitpunkt auf die Mastbetriebe verschoben werden?

Franz Steiner: In erster Linie sind es die guten Preise für die Tränker und die Bio Milch. Oft fehlen Platz und Arbeitskräfte für die Aufzucht. Gemäss Knospe-Richtlinien müssen Kälber während den ersten drei Lebensmonaten mit «unveränderter» Milch gefüttert werden. Das macht die Aufzucht teurer als auf Nicht-Bio-Betrieben.

Was sind mögliche Lösungsansätze, damit die Kälber auf den Geburts-Betrieben zu Mastremonten herangezogen werden, bevor sie auf einen Weidemast-Betrieb gehen?

Zur Diskussion steht eine «Abtränk-Prämie» für Kälber, die auf dem Geburtsbetrieb aufgezogen werden. Finanziert werden könnte das mit einem «Milchrappen» oder mit einer Prämie analog «Schleppschlauch».

Das FiBL ist am Aufbau eines neuen Bio-Weide-Rind-Programmes, bei dem die Kälber mindestens fünf Monate auf dem Geburtsbetrieb gehalten werden müssen.

Weitere Projekte sind die muttergebundene Aufzucht und Ammen-Kühen. Interessierte können sich beim FiBL melden.

Ein Mäster aus dem Kanton Aargau (ÖLN, Label Terra Suisse) erzählt, dass er 2018 für einen männlichen AA-Tränker von 75 kg je nach Saison zwischen 840 und 1200 Franken bezahlte. Tendenz steigend, weil es immer weniger Milchbauern hat und die Milchleistung steigt. Wenn er als Mäster Remonten kaufen will, muss er dafür 1500 bis 1700 Franken bezahlen. Das rechnet sich nicht bei einem Schlachterlös zwischen 2500 und 2800 Franken.

Welche Lösungsansätze gibt es für ÖLN-Betriebe wie diesen?

Das Abtränken auf dem Geburtsbetrieb steht vor allem im Hinblick auf Antibiotika-Reduktion im Zentrum. Wenn man sich alleine auf die ökonomische Situation der Tränker-Preise bezieht, findet man keine Lösung. Da aber die Antibiotika-Reduktion eine enorm hohe Bedeutung bekommen hat, müssen wir die Problematik über das gesamte Milch- und Rindfleisch-System hinweg betrachten.

Können Sie ein Rechnungsbeispiel machen?

  • Die durchschnittlichen Schlachtgewichte in der Weidemast betragen bei den Ochsen 285 kg und bei den Rindern 275 kg.
  • Bei durchschnittlichen Erlös von Fr. 11.20 für T3 ergibt das Fr. 3136.– Schlachterlös.
  • Bei AA-Tränkern kann eine bessere Taxierung beim ausgemästeten Tier und dementsprechend ein höherer Preis erzielt werden, plus 20 bis 60 Rp pro kg SG.
  • Auf Bio-Betrieben müssen Tränker mit Bio-Milch abgetränkt werden, u.a. deshalb sind die Aufzuchtkosten höher im Vergleich zu einem ÖLN Betrieb.

Franz Steiner ist gelernter Landwirt und hat das Technikum für Tropische Landwirtschaft in Basel besucht. Am Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL beschäftigt sich Steiner mit Fragen der Rindvieh-Haltung.
Von 2005 bis 2016 war er Geschäftsführer der Pro Beef GmbH (Vermarktung von Bio-Rindvieh). Zuvor hat Steiner bei der Linus Silvestri AG das Programm «Bio Weide-Beef» aufgebaut und über 12 Jahre in Asien und Südamerika als Landwirtschaftlicher Experte gearbeitet.