pv_die-grune-online

Appenzeller Alpen: Klein, aber fein

Die Alpen in den beiden Appenzeller Halbkantonen werden im Vergleich zu den Alpen in Graubünden und der Innerschweiz so intensiv genutzt wie vor 100 Jahren. Geändert hat sich aber, dass immer mehr Jungvieh statt Grossvieh gesömmert wird.

Im kleinen Appenzell Innerrhoden – gerade mal doppelt so gross wie der Zürichsee – haben sich viele alte Traditionen erhalten. So wird die Belegung für die gemeinsam genutzten Alpen heute noch mit «Stössen» festgelegt. Ein «Stoss» ist gleich einer Kuh. Diese «Stoss» werden bis heute vollumfänglich genutzt.

Die einzige «unternutzte» Alp ist nur zu Fuss erreichbar

Eine Ausnahme bildet aus nachvollziehbaren Gründen nur die Meglisalp, die auf 1517 m ü. M. in einer Mulde im Alpsteingebiet östlich des Säntis-Gipfels liegt. Sie ist mit acht Alp-Rechten und 96 Stössen sehr klein strukturiert.

Erschwerend kommt dazu, dass die Meglisalp bis heute nur zu Fuss erreichbar ist. Zur Materialversorgung wurde 1952 immerhin eine Materialseilbahn gebaut. Trotzdem ist eine Bewirtschaftung zusammen mit dem Talbetrieb nicht möglich.

«Der Kanton als Eigentümer der Meglisalp sollte deshalb zusammen mit den Alp-Sennen eine zukunftsfähige Struktur schaffen», erklärt Josef Inauen, der das Innerrhoder Alp-Kataster verfasst hat. «Am besten wäre eine Nutzung mit nur zwei oder drei Sennen.»

Die sogenannten «Stösse» sind uralte Bestossungs-Normen aus einer Zeit, als das Alpvieh leichter und kleiner war und kürzere Alpzeiten üblich waren. Heute sind die Tiere grösser, geben mehr Milch und brauchen mehr Futter.

«Mit Ausnahme der Meglisalp sind die Innerrhoder Alpen immer noch ausreichend und angepasst bestossen», freut sich Josef Inauen, «auch die Privat-Alpen». Selbst die abgelegensten Alpen zuhinterst im Alpstein würden nach wie vor genutzt.

Eine Einschätzung, die der Leiter des Ausserrhoder Landwirtschaftsamtes teilt: «Auch in Appenzell Ausserrhoden werden die Alpen stärker genutzt als der schweizerische Durchschnitt», erklärt Jakob Scherrer.

Andere Regionen mit einem grossen Anteil an Alpen wie Graubünden, die Innerschweiz und das Fürstentum Liechtenstein können ihre Alpen oft nur noch mit Mühe mit genügend Alpvieh bestossen.

Auf den Alpen in Appenzell Ausserrhoden hat sich hingegen die Zusammensetzung des Viehbestandes geändert.

«In den vergangenen hundert Jahren hat sich der Trend massiv verstärkt, in höher gelegenen Alpen und auf eher ungünstig erschlossenen Weiden nur noch oder vor allem Jungvieh zu halten», schreibt Hans Eugster in seinem Buch über die Ausserrhoder Alpen.

Auf den Ausserrhoder Alpen sömmert mehr Jungvieh als früher

Zudem seien durch den Erwerb von Alpen durch Landwirtschaftliche Vereine oder Genossenschaften veritable Ausserrhoder Kuh-Alpen zu Rinder-Alpen umfunktioniert worden. Das Bedürfnis, Jungvieh auf den Alpen zu sömmern, habe massiv zugenommen.

Der Grund: Vor hundert Jahren gab eine «optimale» Kuh acht Liter Milch, heute muss sie ein Mehrfaches produzieren. Um diese Leistung zu erbringen, muss die Milchkuh viel schwerer sein. Das macht sie unbeweglicher und schwerfälliger – dazu ist eine Hochleistungs-Kuh anspruchsvoller in Stallung und Topografie der Alp.

Und weil auch das Futter auf den Alpen nicht mehr für so viele Tiere reicht, werden die heutigen Hochleistungs-Milchkühe kaum mehr auf die Alpen geführt.